Letztes Update am Mi, 24.08.2016 09:23

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Champions League

Klappt es im neunten Anlauf? Bullen haben Königsklasse im Visier

Nach achtmaligem Scheitern in Serie hat Red Bull Salzburg heute die große Chance, endlich zum europäischen Fußball-Adel zu zählen. Obwohl Soriano fraglich ist, ist Red Bull nach dem 1:1 bei Dinamo Zagreb fraglos Favorit.

Die Bullen machen sich gegenseitig Mut – so eine große Chance zum CL-Aufstieg wie in diesem Jahr wird es womöglich lange nicht mehr geben.

© gepaDie Bullen machen sich gegenseitig Mut – so eine große Chance zum CL-Aufstieg wie in diesem Jahr wird es womöglich lange nicht mehr geben.



Von Hubert Winklbauer

Innsbruck – Dass die Beziehung zwischen der Champions League und dem Red-Bull-Werksklub aus Salzburg eine gute wäre, kann wirklich nicht behauptet werden. Der europäische Fußball-Adel hat sich von den Millionen des Salzburger Klubbosses Didi Mateschitz bislang unbeeindruckt gezeigt, hat die Nase gerümpft, hat den Salzburgern dünkelhaft achtmal (!) in Serie die hinteren Bänke zugewiesen, um tröstend die Europa League in Aussicht zu stellen. Auf diese Aussicht wollen die Salzburger heute endgültig pfeifen. Aus gutem Grund: Noch nie, seit sich die Bullen als Nachfolger der Austria Salzburg in Stellung gebracht haben, war die Chance so groß, auf Augenhöhe mit den Fußball-Adeligen zu verkehren: Schon ein 0:0 gegen Dinamo Zagreb könnte heute reichen, um einer Serie von Pleiten und Pannen ein Ende zu setzen. Denn vor einer Woche haben die Salzburger aus Zagreb ein 1:1 mitgebracht. Und die Einsicht, dass sie es noch besser können, als in Kroatien gezeigt.

Dort hatten die Bullen durch ein Tor von Valentino Lazar­o (59.) den Sieg vor Augen, als Bernardo Marko Rog, den besten Mann der Zagrebe­r, im Strafraum mit unnötiger Wucht attackierte. Für dieses Blackout gab es einen Schiri-Pfiff, einen Elfer und das 1:1. Und deshalb gibt es für heute die Angst vor einem Gegentor.

Wie man der am besten begegnet? Mit einem Führungstreffer. Darauf werden es die Bullen heute anlegen. Mit kontrollierter Offensive, wie es so schön heißt.

Der letzte rotweißrote Teilnehmer in der Champions-League-Gruppenphase waren die Austrianer aus Wien 2013

14. Gegen wen schafften die Wiener damals die Qualifikation? Ach ja – gegen Dinamo Zagreb. Auswärts siegten die Wiener 2:0, daheim verloren sie 3:2. Der Tiroler Florian Mader erzielte dabei ein Tor, Roman Kienast in der 82. Minute das alles entscheidende, millionenschwere. Das geschah am 27. August 2013. Am 24. August 2016 wollen die Salzburger Geschichte schreibe­n. Zumindest die ihre. Gestern mussten die Mozartstädter noch einige Energie aufwenden, um den möglichen Ausfall von Torjäger Soriano kleinzureden. Bullen-Coach Oscar Garcia: „Klar ist Soriano ein wichtiger Spieler, aber wir haben elf Akteure, die alles geben werden.“ Möglich ist aber auch, dass Soriano den Wettlauf mit der Zeit gewinnt und nach seiner beim Hinspiel in Zagreb erlittenen Oberschenkelverletzung wieder fit ist.

Wird er nicht fit, werden die Bullen mit Walke; Schwegler, Caleta-Car, Hinteregger, Ulmer; Laimer, Bernardo; Wanderson, Berisha, Lazaro; Gulbrandsen auflaufen. Und zwar als Favorit. Dem spanischen Coach trauen alle zu, das richtige Mischverhältnis zwischen offensivem Freigeist und rigider Abwehrarbeit zu finden.

Dinamo Zagreb ist nicht mehr, was es einmal war. Der kroatische Fußball hat schon bessere Zeiten gesehen. Dass via Dinamo Spieler wie Zvonimir Boban, Davor Šuker und später auch Luka Modric, Mario Mandžukc, und Eduard­o da Silva die große Fußballwelt eroberten, zählt im Heut­e nicht viel.

Aber Zagreb hat ja so etwas wie einen Mini-Messi. Der heißt Marko Rog. Und der wird um 15 Millionen Eur­o nach Neapel transferiert werden. Und Zagrebs Torhüter Eduardo soll bald schon zu Chelsea wechseln. Für die Salzburger gibt es auch im Kader ein bekanntes Gesicht. Dinamos Jungstar Ante Coric spielte von Anfang 2009 bis 2013 im Nachwuchs der Salzburger. Mit Zlatko Kranjcar ist ein ehemaliger Rapid-Star Trainer der Gäste, mit Gordon Schildenfeld ein Ex-Sturm-Graz-Kicker Abwehrchef.

Insgesamt haben die Bullen mehr Klasse. Bis heute Abend (20.45 Uhr, live ORF eins) freilich nur auf dem Papier.