Letztes Update am Do, 12.01.2017 13:48

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wacker-Krise

Eine Rettung jagt beim FC Wacker die nächste

Nur durch eine Übergangsfinanzierung mit der Nachwuchsförderung des Landes als Sicherheit konnte Wacker Innsbruck im Dezember seinen finanziellen Verpflichtungen nachkommen. Rund 300.000 Euro fehlten in der Kasse.

Rauchwolken im Tivolistadion symbolisieren derzeit die Situation von Wacker Innsbruck. Sie wollen sich nicht verziehen – im Gegenteil. Die Lage spitzt sich zu.

© Julia HammerleRauchwolken im Tivolistadion symbolisieren derzeit die Situation von Wacker Innsbruck. Sie wollen sich nicht verziehen – im Gegenteil. Die Lage spitzt sich zu.



Von Peter Nindler

Innsbruck – Was ist in den vergangenen Wochen passiert, dass der Innsbrucker Fußballverein Wacker Innsbruck wieder am finanziellen Abgrund steht? Verschwörungstheorien und Vermutungen geisterten gestern durch die Tiroler Fußballszene. Warum explodierte gerade zu Jahresanfang der Kochtopf? Das müssen sich offenbar die aktuellen Vereinsverantwortlichen um Vizepräsident Andreas Perger wohl selbst fragen. Denn ausgelöst haben sie die Aufregung. In einem Brief vom 3. Jänner 2017 beklagen sie sich nämlich bei Landeshauptmann Günther Platter (VP) und Sportreferent LHStv. Josef Geisler (VP) über die Hypo Tirol, obwohl die Hausbank dem Verein vor Weihnachten zum wiederholten Male aus der Patsche geholfen hat.

Wacker Innsbruck benötigte damals dringend Geld, rund 300.000 Euro. Die wirtschaftliche Lage im Klub war dermaßen prekär, dass notwendige Zahlungen aus dem Budget ohne frisches Geld nicht mehr bedient werden konnten. Nur mit einer so genannten Abtretung der Nachwuchsförderung des Landes von 250.000 Euro als Besicherung stellte die Hypo die Finanzierung sicher. Ohne Widerruf dieser Abtretung muss das Landesgeld ab sofort direkt an die Hypo überwiesen werden. Das werde nicht der Fall sein, versicherte Vizepräsident Andreas Perger gegenüber der TT. Vielleicht trifft ja in Kürze die Ablösesumme für Rami Tekir vom FC Liefering ein. Kolportiert wird eine sechsstellige Summe, die Tekirs Transferwert von 250.000 Euro übersteigen soll.

Ich mische mich in Vereinsangelegenheiten nicht ein. Nur die Förderung muss beim Nachwuchs ankommen.
LHStv. Josef Geisler/VP

Insgesamt dürfte der jetzige Engpass die finanzielle Situation bei den Schwarz-Grünen verdeutlichen. Entschuldet ist der Verein, aber über das Jahr gesehen fehlen Wacker Innsbruck stets 250.000 bis 500.000 Euro. Durch ein Vorziehen von Sponsorbeiträgen konnte dieses Loch immer wieder gestopft werden, doch nach einer gewissen Zeit öffnet es sich erneut. Zu wenige Besucher, Fehleinkäufe oder häufige Trainerwechsel verschärfen die Situation wie zum Jahresende 2016.

Die geforderten und wohl auch dringend notwendigen Restrukturierungsmaßnahmen sowie Einsparungen, um kaufmännisch endlich nachhaltig wirtschaften zu können, lösten jedoch einen heftigen Streit aus. Schließlich legte der Verein ein 18-Monats-Budget vor. Damit wollte er die Sponsoren und die Bank erneut von einem weiteren Vorgriff auf zugesagte Sponsorgelder für die übernächste Saison 2018/2019 bzw. von einer zusätzlichen Geldspritze überzeugen.

Die Ablehnung folgte auf dem Fuß und der Beschwerdebrief von Perger und Co. ebenfalls. Weil man sich die „Vereinspolitik nicht länger von außenstehenden Personen diktieren lassen“ könne, wie es heißt. Dass diese Kritik in der Politik nicht gerade auf Wohlwollen stößt, war abzusehen. Schließlich ermöglichte u. a. das Land die Installierung von General Manager Alfred Hörtnagl. Der muss ja auch finanziert werden.

Und noch etwas kündigten die Vorstandsmitglieder Andreas Perger, Josef Hauser, Martin Ausserlechner, Peter Margreiter und Thomas Kerle der Politik an: eine außerordentliche Generalversammlung Ende Jänner, zu der sich der Vorstand gezwungen sehe. „Wir sehen es als unsere Pflicht an, die Generalversammlung umfassend über die finanzielle Situation sowie die Ereignisse (...) zu informieren“, heißt es.

Und was sagt die Politik zu dem Schreiben? „Das ist die Angelegenheit des Vereins. Mir geht es nur darum, dass unsere Förderungen gemäß dem vereinbarten Verwendungszweck für den Nachwuchs verwendet werden“, stellt Sportreferent LHStv. Josef Geisler (VP) klar. Erfreut ist er über die negativen Schlagzeilen nicht, „das muss endlich aufhören“. Basis dafür sei allerdings ein vernünftiges Finanzkonzept.

Offenbar sind derzeit hinter den Kulissen intensive Gespräche im Gang, um die laut Perger „nicht vorhandenen Differenzen“ zu kalmieren.