Letztes Update am Sa, 10.06.2017 14:15

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


WM-Quali

Baumgartlinger kontert Keanes „unnötige“ Kriegsrhetorik

Mit fragwürdiger Kriegsrhetorik macht Irlands Co-Trainer Roy Keane vor dem vorentscheidenden WM-Quali-Match gegen Österreich Stimmung.

Lässt die irischen Kicker nach seiner Pfeife tanzen: Co-Trainer Roy Keane.

© imagoLässt die irischen Kicker nach seiner Pfeife tanzen: Co-Trainer Roy Keane.



Dublin - Um harte Worte war Roy Keane noch nie verlegen. Vor dem WM-Qualifikationsspiel am Sonntag (18.00 Uhr/TT.com-Live-Ticker) gegen Österreich sprach Irlands Teamchef-Assistent gar von „Krieg“. Die Iren haben ihre erste WM-Teilnahme seit 2002 im Visier. Kapitän Keane war damals aus der Mannschaft geflogen. Das Manchester-United-Raubein hatte Teamchef Mick McCarthy selbst für seine Verhältnisse zu wüst beschimpft.

15 Jahre später ist Keane nicht nur teamintern, sondern auch öffentlich für Stimmungsmache zuständig. „Wir werden gegen sie in den Krieg ziehen“, richtete der 45-Jährige den Österreichern am Freitag vor versammelter Presse aus. Die eigenen Reihen forderte er zu Geschlossenheit auf. „Wir müssen zeigen, dass wir bereit sind, bereit für die Schlacht.“

„Mehr getan, als sich die Beine zu brechen“

Als Beispiel führte der Co-Trainer Kapitän Seamus Coleman ins Treffen, der sich im März beim 0:0 im Quali-Spiel gegen Wales einen Schien- und Wadenbeinbruch zugezogen hatte. Trotz seiner schweren Verletzung befindet sich der Everton-Legionär bei der Mannschaft, um für Selbstvertrauen zu sorgen. Keane: „Er bringt der Gruppe positive Energie.“

Von allen anderen Spielern fordert er denselben selbstlosen Einsatz. „Es gibt Leute, die haben viel mehr für dieses Land getan, als sich ihre Beine zu brechen“, betonte Keane. „Leute sind gestorben für ihr Land. Alles, was wir verlangen, ist, dass die Spieler ihren Körper aufs Spiel setzen und versuchen, ein Spiel zu gewinnen. Sie müssen alles geben, was sie haben.“

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Nur mit dieser Einstellung könne man gegen Österreich reüssieren. Die ÖFB-Bilanz gegen die Iren ist trotz der jüngsten 0:1-Heimniederlage im November gut. Von bisher 15 Duellen gewannen die Österreicher neun. „Ich glaube nicht, dass sie sich zu Tode fürchten, in Dublin gegen Irland zu spielen“, meinte Keane. „Sie werden ihre Chancen suchen - zurecht. Für sie ist es ein Weg, zurück auf Kurs zu kommen.“

ÖFB-Kicker von Kriegsrhetorik unbeirrt

Österreichs Teamkicker wollen sich von der martialischen Rhetorik nicht beeinflussen lassen. ÖFB-Kapitän Julian Baumgartlinger hält derartige Parolen für unnötig. „Damit hat er völlig über das Ziel hinausgeschossen“, meinte der 29-Jährige von Bayer Leverkusen. „Aber damit beschäftigen wir uns nicht. Wir haben vorher schon gewusst, dass die Iren sehr körperbetont spielen. Das wissen wir nicht erst seit diesen Aussagen.“

Beim jüngsten Duell in Dublin, einem 2:2 im März 2013, war ÖFB-Spielmacher Zlatko Junuzovic bereits Mitte der ersten Hälfte nach einer rüden Attacke mit einer tiefen Rissquetschwunde am Knie ausgeschieden. „Davor kann man sich nicht schützen, sondern man kann nur selber dagegenhalten in den Zweikämpfen“, sagte Baumgartlinger am Samstag vor dem Abflug über die irische Spielweise. (APA)