Letztes Update am Mo, 09.10.2017 09:21

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


WM-Quali

ÖFB-Team steht im Zeichen der Veränderungen

Das letzte WM-Qualifikationsspiel in Moldau (20.45 Uhr/TT.com-Live-Ticker) wird die Ära von ÖFB-Teamchef Marcel Koller nach 54 Länderspielen heute beenden. Dafür stehen viele junge Teamkicker am Anfang ihrer A-Teamkarriere.

Könnten sich heute in Moldau ein letztes Mal die Hände schütteln - Teamchef Marcel Koller und Angreifer Marc Janko.

© gepaKönnten sich heute in Moldau ein letztes Mal die Hände schütteln - Teamchef Marcel Koller und Angreifer Marc Janko.



Von Alex Gruber

Innsbruck – Jeder Tag ist ein Anfang. Oder Anfang und Ende reichen sich die Hände. Es würden sich viele Sprüche zum heutigen Auswärtsmatch der Österreicher anbieten. Sosehr man bei Teamchef Marcel Koller in den letzten Wochen und Tagen nach Gefühlen wie Wehmut, Abschiedsschmerz oder Enttäuschung nachfragen wollte, beinahe ebenso oft tappte man dabei im Dunkeln. Der 56-jährige Schweizer scheint dem Spruch „Ein Gentleman genießt und schweigt“ zu folgen.

Genießen will er den letzten Auftritt einer Elf, die er über sechs Jahre bei bislang 24 Siegen, 13 Unentschieden und 16 Niederlagen gecoacht hat. Seiner blutjungen Viererkette, die er nach Verletzungen (Hinteregger, Prödl) und Sperren (Dragovic) heute in der Republik Moldau voraussichtlich aufbieten wird, signa- lisiert er vollstes Vertrauen. Kasan-Legionär Moritz Bauer ist mit 25 Lenzen von rechts nach links vor Debütant Philipp Lienhart (21/Freiburg), Kevin Danso (19/Augsburg) und Maximilian Wöber (19/Ajax Amsterdam) der Älteste. Vielleicht will Koller damit auch noch einmal zeigen, was er sich traut. Den Griff zu zu wenigen Alternativen hatte man ihm nach der EURO ja ebenso vorgeworfen wie das Verhallen jeglicher Kritik, was letztlich auch Sportdirektor Willi Ruttensteiner zum Verhängnis wurde. Dabei habe man intern sehr wohl kritisch mit der EM-Endrunde aufgeräumt. Im vertrauten Kreis hinter verschlossenen Türen.

Koller hat nie etwas nach außen getragen. Ein Grund, warum Kapitän Julian Baumgartlinger und Co. ihm den 3:2-Heimsieg gegen Serbien explizit widmen wollten. Ein Grund, warum Marko Arnautovic oder Marc Janko zuletzt noch einmal ihren Unmut kundgetan haben. Arnautovic hat seinen Charakter mit einer Topvorstellung gegen Serbien untermauert.

Der Name von Janko liefert auch ein gutes Stichwort. Bei Sparta Prag stand der 34-jährige Angreifer, der mit seinen Toren Österreich zur EM-Endrunde geschossen hat, zuletzt nicht im Kader. Beim ÖFB macht er das wohl aufgrund seiner zahlreichen Verdienste womöglich ein allerletztes Mal. Es ist ja mehr als nur fraglich, ob der neue Teamchef, der bis Ende Oktober präsentiert werden soll, noch einmal an den großgewachsenen Strafraumstürmer denkt.

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Trieb das rotweißrote Spiel gegen Serbien über den rechten Flügel an - Kasan-Legionär Moritz Bauer.
Trieb das rotweißrote Spiel gegen Serbien über den rechten Flügel an - Kasan-Legionär Moritz Bauer.
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Der Fußball wird selbst gegen vermeintliche Zwerge wie Moldau immer schneller. Pressing ist oft ein (physisches) Gift für die Alten und Elixier für die Jungen – natürlich je nachdem, was für ein Spielertyp in einem steckt. Vielleicht werden Janko heute von Koller noch ein paar Abschiedsminuten vergönnt. An der unermüdlichen Speerspitze Guido Burgstaller führt nach dem Führungstreffer in Wien und einer starken Leistung ja kaum ein Weg vorbei. Im Mittelfeld haben sich gegen die Serben auch Florian Grillitsch oder Louis Schaub empfohlen.

Platz vier in dieser letztlich enttäuschenden WM-Quali ist einzementiert. „Doch es geht immer um etwas, diesmal eben um die Außendarstellung“, wie Koller weiß. Die Koffer sind noch nicht vollends gepackt. Denn noch hätte ihn niemand über den vorzeitigen Abschied (Vertrag läuft bis Jahresende) informiert. Sportdirektor Peter Schöttel ist gefordert, den Ball bezüglich eines neuen Trainers mit einer Namensliste rasch in die Zukunft zu spielen.

Mit einer, speziell in der Viererkette, extrem unerfahrenen Mannschaft geht es heute um einen versöhnlichen Abschluss. Geduld ist gefragt, spielerische Qualität sowieso. Nach der ganzen Sportpolitik um die rotweißroten Führungsposten hat das Serbien-Match bei den Fans wieder die Lust auf mehr Fußball gesteigert. Und wie schon gesagt: Jeder Tag ist ein neuer Anfang.


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