Letztes Update am Mo, 09.10.2017 15:36

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutsche Bundesliga

Heynckes will bei Bayern „wieder Ordnung“ schaffen

Ein Saisonziel gab der Neo-Bayern-Coach zunächst nicht aus. Er glaubte aber, „dass die Mannschaft Potenzial und Klasse hat und dass sie wieder ein anderes Gesicht zeigen wird“.

© AFPCoach Heynckes zwischen den Bayern-Bossen Rummenigge (l.) und Hoeneß.



München – Fußball-Altmeister Jupp Heynckes hat dem FC Bayern „wieder Ordnung“ versprochen. Am Montag setzte der 72-jährige Trainer bei seiner Präsentation in der Allianz Arena zu einem Monolog von zehneinhalb Minuten an. Konkrete Ziele verkniff sich der Triple-Macher von 2013, er meinte aber optimistisch: „Trotz der schwierigen Situation bin ich zuversichtlich, dass wir die Erfolgsspur wieder aufnehmen.“

Seine Mission begann Heynckes voller Tatendrang, was man auch an seiner Ansprache hören konnte. Im Team wieder „Ordnung schaffen“, eine „Hierarchie installieren“ und den Bossen Zeit und Ruhe bei der langfristigen Trainersuche schenken - diese grobe Vorstellung umriss der alte und neue Hoffnungsträger vor zwei Dutzend Kamerateams und mehr als 70 Reportern.

Neuer Trainer steht erst 2018 fest

Mehr als eine Acht-Monats-Episode soll die Rückkehr des fast schon legendenhaft verehrten Trainers an der Säbener Straße aber nicht sein. Das machte Heynckes, der wegen des Herzensvereins nach langen Überlegungen sogar seine Frau Iris vor einer Knie-Operation und den gemeinsamen Schäferhund Cando am Niederrhein zurückließ, mehrmals deutlich.

Bei zu seinem bis dato letzten Engagement in München hatte sich der Weltmeister von 1974 noch arg geärgert, als ihm während der Saison schon der künftige Nachfolger Pep Guardiola präsentiert worden war. Wer die Mannschaft mit den Österreichern David Alaba und Marco Friedl ab Sommer 2018 dauerhaft trainieren wird, das werde in den nächsten Monaten in aller Ruhe entschieden.

„Ich kann heute schon eins ziemlich klar sagen: Dass wir sicherlich im Jahr 2017 nicht verkünden werden, was zum 1.7.2018 passiert“, unterstrich Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. „Wir werden uns da ausreichend Zeit lassen, intern beraten, befruchten und dann am Ende des Tages auch gemeinsam entscheiden.“

„Wird ein Balanceakt“

Auch wenn Heynckes über seinen Vorgänger Ancelotti kein schlechtes Wort verlor und den Italiener sogar als „Gentleman“ lobte - mit der Vergangenheit soll schnell gebrochen werden. Misstöne innerhalb der Mannschaft, frustrierte Spieler, stagnierende Entwicklungen einzelner Profis und sonderbare Aufstellungen hatten den Bayern in der Bundesliga fünf Punkte Rückstand auf Borussia Dortmund und in der Champions League ein 0:3 bei Paris Saint-Germain eingebrockt.

„Meine Aufgabe ist, wieder Ordnung zu schaffen“, betonte Heynckes, der als Bayern-Kenner die Situation „entkrampfen“ und „entschleunigen“ will. „Wir sind in Deutschland im Land der Handwerker. Da gibt es ja eine Hierarchie: Lehrlinge, Gesellen und Meister“, meinte Rummenigge. „Ich würde Jupp als den absoluten Meister im Fußball bezeichnen. Das ist genau der Mann, der weiß, was zu tun ist.“

Von Titeln oder gar einer Wiederholung des historischen Triples aus dem Jahr 2013 sprach Heynckes nicht. „Es bringt nichts, wenn wir jetzt schon anfangen, irgendwelche Ziele auszugeben“, meinte der Coach. Zumal sein Freundschaftsdienst mit höchst komplizierten drei Wochen inklusive sieben Pflichtspielen beginnt. Heynckes will „hochsensibel“ sein. „Das wird ein Balanceakt werden“, ist er überzeugt, „aber ich denke, dass ich genügend Erfahrung habe, das zu handeln.“ (APA/dpa)