Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 13.10.2017


TT-Interview

Dominik Thalhammer: “Träume hat man immer“

Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht ein neuer Name an der Teamchef-Börse rund um den Österreichischen Fußballbund fällt. Die TT fragte bei Dominik Thalhammer nach.

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© gepa



Von Alex Gruber

Lindabrunn – Der EURO-Sommer mit dem Semifinal-Einzug bei der erstmaligen Endrundenteilnahme war das rotweißrote Sommermärchen, das die ÖFB-Ladys unter der Ägide von Dominik Thalhammer in den Niederlanden geschrieben haben. Mit einer unglaublich guten Organisation und einer sensationellen Mentalität.

Wer Thalhammer, der im Februar 2016 zum sportlichen Leiter der Trainerausbildung des Österreichischen Fußballbundes bestellt wurde, bei einem Kurs genießt, vermag diese Handschrift zu lesen. Akribisch bis ins kleinste Detail. Eine Eigenschaft, die der eine oder andere auch dem 56-jährigen Schweizer Marcel Koller zugeordnet hat. Und mit dieser starken Referenz tauchte der Name Dominik Thalhammer in den vergangenen Tagen auch im erweiterten Kreis möglicher Teamchef-Kandidaten auf.

„Es gibt in dieser Hinsicht keinen Kontakt. Aber es ehrt mich, dass in den Medien meine geleistete Arbeit offenbar geschätzt wird.“ Ex-Sportdirektor Willi Ruttensteiner, der ihm nach der U 17 und dem Nationalen Zentrum für Frauenfußball auch das A-Frauen-Team übergeben hat, habe er „viel zu verdanken“: „Es ist unbestritten, dass er inhaltlich wie strukturell viel für den österreichischen Fußball geleistet hat.“ Womit man auch bei Thalhammers Grundeinstellungen wäre: „Struktur und Planmäßigkeit.“ Die solle sich in der sportlichen ÖFB-Führung fortsetzen. Vielleicht erscheint es etwas weit hergeholt, den Frauen-Teamchef in Verbindung mit der vakanten Position des Herren-Teamchefs zu bringen. Die Arbeit vor und in Holland weist Thalhammer aber mit Sicherheit als Experten aus. „Es geht immer um Arbeit und Strukturen. Und vieles, was wir bei den Frauen auch schon in Vorbereitung auf die EURO umgesetzt haben, wäre auch auf die Herren transferierbar.“ Wer glaubt, dass sich der 47-jährige Wiener, der mit seiner Familie in Linz lebt, in Stellung bringen will, der irrt. Thalhammer hat einiges erlebt, nachdem er mit 33 Jahren bei der Admira vom Akademie-Leiter zum jüngsten Bundesliga-Trainer bestellt wurde. Nicht alle Lehrjahre – weitere Stationen vor den Damen waren in diversen Funktionen der Sportklub, der LASK (Co-Trainer von Wacker-Coach Daxbacher) oder der FAC – waren Herrenjahre. „Man entwickelt sich als Persönlichkeit, würde im Rückspiegel betrachtet natürlich viele Dinge ganz anders machen.“

Vorerst genießen die ÖFB-Frauen und die WM-Qualifikation oberste Priorität. Auf das kommende Testspiel gegen Europameister Holland (kommenden Donnerstag in St. Pölten) hat Thalhammer auch im laufenden A-Lizenz-Kurs einladend verwiesen. Der Schuh drückt nach dem EM-Boom in einer anderen Hinsicht: „In der Breite ist im Frauenfußball in den letzten Jahren nicht viel passiert. Die Zahl der Fußballerinnen stagniert, was letztlich in Summe auch einen Wettbewerbsnachteil für uns bedeutet.“

Führt der Weg in Zukunft wieder zum Männerfußball zurück? „Ich fühle mich wohl im Frauenfußball, schließe aber nichts aus. Träume und Visionen hat man immer.“