Letztes Update am Di, 06.02.2018 09:30

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bundesliga

Rapid-Präsident Krammer: „Rote Linie überschritten“

Austria-Sportdirektor Franz Wohlfahrt war auch am Montag noch empört über die Randale der Rapid-Anhänger. Die Bundesliga fordert klare Taten.

Auf den Tribünen brannten beim Wiener Derby die Bengalos.

© APAAuf den Tribünen brannten beim Wiener Derby die Bengalos.



Wien – Am Tag nach den Randalen im 325. Wiener Fußball-Derby hat bei Rapid die Aufarbeitung der Geschehnisse im Allianz Stadion begonnen. Wie Präsident Michael Krammer am Montag auf einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz berichtete, wurden bei einer ersten Sichtung der Videoaufzeichnungen vorerst elf Übeltäter ausgemacht, die Gegenstände auf das Spielfeld geworfen hatten.

Die Identität jener Personen soll in den kommenden Tagen festgestellt werden. Bei den beiden „Flitzern“ ist dies bereits gelungen - auf sie warten ebenso wie auf die Werfer zwei Jahre Stadionverbot sowie Regressforderungen von Rapid aufgrund der zu erwartenden saftigen Strafe seitens der Bundesliga.

Regressforderungen stehen im Raum

In punkto Regressforderungen, die erstmalig in der Vereinsgeschichte zur Anwendung kommen, will sich Krammer ein Beispiel am 1. FC Köln, Hansa Rostock oder Fortuna Düsseldorf nehmen. „Dort hat das funktioniert“, sagte der Niederösterreicher. Der Clubchef zeigte sich von der Notwendigkeit überzeugt, Exempel zu statuieren. „Die rote Linie wurde überschritten. Wir werden alles dafür tun, um Stadionverbote und Regress durchzuführen.“

Parallel dazu werden weitere Bereiche auf den Prüfstand gestellt. „Wir fragen uns auch, ob wir in der Fan-Arbeit alles richtig gemacht haben. Vieles spricht dafür, dass die Dinge gut gelaufen sind“, erklärte Krammer und verwies auf steigende Zuschauer- und Mitglieder-Zahlen sowie die „einzigartige Stimmung“ im Allianz Stadion.

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Dennoch solle ein neues Fanprojekt aufgesetzt werden, „mit internationaler Beratung von Vereinen, die mit solchen Situationen umgehen können“, meinte Krammer und nannte in diesem Zusammenhang den FC Basel und Schalke 04. Damit solle ermöglicht werden, dass man „Emotionen und gute Stimmung ausleben, aber Dinge wie gestern möglichst hintanhalten“ könne, erzählte der Rapid-Boss.

Kein Konfrontationskurs mit Fanszene

Selbst wenn diese Vorhaben greifen sollten, seien Vorkommnisse wie am Sonntag nie zu 100 Prozent auszuschließen. „Dieser Illusion gebe ich mich nicht hin“, sagte Krammer. Auf echten Konfrontationskurs mit der aktiven Fanszene wird die Clubführung weiterhin nicht gehen. „Die beiden Dinge - Sanktionierung und Fortsetzung des Dialogs - sind alternativlos“, betonte Krammer.

Außerdem bat Krammer, von Pauschalverurteilungen der Rapid-Anhänger abzusehen. „99 Prozent unserer Fans sind daran interessiert, dass Rapid erfolgreich Fußball spielt und wir eine einzigartige Stimmung im Stadion haben.“

Mit Sonnenschirmen mussten die Austria-Kicker bei Eckbällen im Derby vor Gegenständen aus dem Rapid-Sektor geschützt werden.
Mit Sonnenschirmen mussten die Austria-Kicker bei Eckbällen im Derby vor Gegenständen aus dem Rapid-Sektor geschützt werden.
- APA

Der Rapid-Präsident warb gegenüber den anwesenden Journalisten auch um Verständnis für unpassende Aussagen von Rapid-Seite unmittelbar nach dem Derby-Schlusspfiff. „Ich bitte Sie inständig, wenn Spieler und Trainer nach so einem Spiel vollgepumpt mit Adrenalin und Emotionen nicht unbedingt die hochwertigsten moralischen Antworten geben, darüber hinwegzusehen. Die Aufgabe der Trainer ist es zuerst, die Mannschaft weiterzuentwickeln, und jene der Spieler in erster Linie, Fußball zu spielen.“

Weniger Nachsicht ließ Krammer mit den Sicherheitskräften erkennen, die zuließen, dass zwei Männer im Finish auf den Platz stürmten und einen vielversprechenden Austria-Angriff verhinderten. Dass die beiden nicht von Securitys verfolgt wurden, sei ein Fehler der Sicherheitsfirma gewesen, so Krammer.

Bundesliga: „Leider kein Einzelfall“

Die Bundesliga ist nach einer ersten Bestandsaufnahme nach den Vorfällen beim Wiener Derby zwischen Rapid und der Austria (1:1) aktuell dabei weitere detaillierte Berichte einzuholen und zu evaluieren. „Die gestrigen Vorkommnisse im Allianz-Stadion sind leider nicht als Einzelfall abzutun“, verlautete die Liga in einer Aussendung am Montag.

„Wenn in dieser Form Einfluss auf das Spiel genommen wird und Spieler Angst um ihre Gesundheit haben müssen, ist es allerhöchste Zeit, dass man zur Besinnung kommt. Die Spieler sind Menschen, die ihrem Beruf nachgehen, und keine Zielscheiben für gewaltbereite Unruhestifter, die eine Verletzung der Spieler bewusst in Kauf nehmen“, hieß es weiter.

Die Liga forderte daher „klare Worte und Taten aller Beteiligten. Hier müssen mehrere Akteure ihren Teil dazu beitragen, dass Vorfälle wie gestern nicht mehr passieren: allen voran der Club, aber auch wir als Verband und die Fans selbst. Hier gilt es nicht in einem, sondern in mehreren Bereichen anzusetzen“, erläuterte die Liga. (APA)

Wohlfahrt: „Vorfälle können wir nicht dulden“

Auch die Austria meldete sich am Montag noch einmal zu Wort. „Ich erwarte mir, dass die Gremien der Bundesliga angemessen reagieren“, wurde Sportdirektor Franz Wohlfahrt in einer Aussendung zitiert.

Weiters meinte der Ex-Teamgoalie: „Wir sind auch für die Sicherheit unserer Spieler verantwortlich. Solche Vorfälle können wir demnach nicht dulden, denn es ist unsere Aufgabe als Verantwortliche des Clubs, dass unsere Spieler ihren Beruf sicher ausüben können. Wir haben uns die TV-Bilder danach nochmals angesehen, einen Abbruch hätte wohl jeder vernünftige Mensch verstanden.“

Wohlfahrt war der Ärger über das Fehlverhalten von Rapid-Anhängern deutlich anzumerken. „Die Schwelle der Gewaltbereitschaft ist bei einigen sogenannten Fans offenbar extrem niedrig“, sagte der Sportdirektor und setzte fort: „Unser Sport wird mit Füßen getreten. Und es ist nicht das erste Mal, dass es bei einem Spiel von uns bei Rapid massive Probleme gegeben hat. So etwas ist absolut inakzeptabel.“