Letztes Update am Do, 08.02.2018 16:23

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Interview

Wattens-Coach Silberberger: „Jeder spielt auf Bewährung“

Tirols Fußball-Zweitligist WSG Wattens hebt heute ins Trainingslager nach Murcia (ESP) ab. Die TT fühlte in Sachen Zukunftsmusik bei Coach Thomas Silberberger und Sportmanager Stefan Köck vor.

© Jakob GruberTankten beim gemeinsamen Lauf von Mils nach Wattens in der Vorbereitung bereits Kondition - WSG-Sportmanager Stefan Köck (l.) und Trainer Thommy Silberberger agieren sehr oft im Gleichschritt.



Um gleich am „Laufenden“ zu bleiben: Wie haben sich die Dauerläufe von Mils nach Wattens für das Führungsduo bewährt?

Stefan Köck: Es war richtig angenehm. Man bekommt den Kopf frei und wir haben quer durch die Bank über alles geredet. Es hat auch Läufe gegeben, wo ich nicht mehr reden konnte und den „Silbi“ nur noch von hinten sah. Da habe ich ihn kurz gehasst (lacht).

Thomas Silberberger: So lange wir Luft hatten, haben wir viel über sportliche Themen gesprochen. Nach 25 Minuten war es oft abrupt beendet, weil einer arg zum Schnaufen angefangen hat.

Sie sind beide Bundesliga-Kicker gewesen. Für welche Liga reicht die Fitness Anfang/Mitte 40 noch aus?

Silberberger (44): Bei mir steht nirgends mehr Liga drauf – sondern höchstens irgendeine Altersklasse.

Köck (42): Er stapelt tief. Landesliga könnte er sicher noch spielen, aber bei seinen Verletzungen ... jetzt zwickt schon wieder sein Wadl. Persönlich hätte ich mir vor ein paar Wochen nix zugetraut. Nach einem neuen Streckenrekord glaube ich optimistisch wieder an die Landesliga. Ich hoffe trotzdem, dass meine Freunde aus Mils nicht anrufen.

Wie fällt der Blick auf den Wattener „Spanien“-Kader im Trainingslager aus?

Silberberger: Wie bereits erwähnt – die noch unklaren Verletzungspausen bei Pellizzari (Achillessehne/flog nicht mit) und Mader (Bandscheiben/tastet sich heran, Anm.) haben eine Reaktion erfordert. Wir wollen auf Dreierkette umstellen, ziehen Kekez nach hinten und mussten so gesehen auf der Doppelsechs (Juve-Leihgabe Toure, Anm.) noch einen Akzent setzen.

Köck: Wir haben überlegt, was Sinn macht. Natürlich wollen wir uns verbessern. Viel mehr als Platz sechs ist in dieser Saison aber nicht möglich. Bei Toure ist es uns auch um eine Option über den Sommer hinaus gegangen.

Fast alle Verträge laufen im Sommer aus.

Silberberger: Im Grunde spielt im Frühjahr jeder auf Bewährung – damit er über den Sommer hinaus dabei bleibt.

Köck: Wir haben vier bis fünf Spieler, bei denen wir die Option ziehen können. Die Situation für langfristige Verträge war nach dem Aufstieg nicht gegeben. Wir sind aber dabei, einen Stock zu binden und werden im Trainingslager das eine oder andere konkrete Gespräch führen.

Die Mannschaft ist mit neuen GPS-Uhren ausgestattet, die neue Geschäftsstelle ein Schmuckstück. Es schaut alles sehr professionell aus.

Köck: Wir halten überall im Betreuerstab nach Lösungen Ausschau, der Verein soll in alle Richtungen wachsen. Das wurde in den letzten zwei Jahren bewiesen.

Silberberger: Der Verein bewegt sich in die richtige Richtung. Es ist nicht damit getan, dass man eine Top-Mannschaft herstellt. Es werden überall gute Schritte gesetzt.

Stichwort Frühjahr: Wie lautet das Ziel?

Silberberger: Wir wollen mit der Dreierkette etwas entwickeln, damit wir die nächste Saison einen weiteren Schritt setzen können. Wir wollen die richtigen Spieler finden, um systemvariabel zu sein.

Ist die Umstellung auf die Dreierkette auch als taktischer Reiz für die ganze Mannschaft zu verstehen?

Silberberger: Natürlich ist es ein Reiz. Aber ich habe mir viele Gedanken gemacht. Und mit Kekez und Gugganig haben wir zwei Spieler, die von hinten aus extrem gut zwischen die Ketten spielen können. Die Umstellung tut uns gut – nach vorne haben wir sehr viel spielerische Qualität.

Köck: Ohne „Silbi“ hineinreden zu wollen, muss man im Fußball aufpassen: Dreier-, Vierer- oder Fünferkette spielt nicht allein die entscheidende Rolle bei Sieg oder Niederlage. Es kommt auf die Spielanlage und Umsetzung an. Wir können stundenlang über eine Dreierkette diskutieren – wenn du dann im ersten Spiel nach 15 Minuten und zwei Tausendguldenschüssen 0:2 hinten bist, musst du reagieren. Für mich ist die Art und Weise, wie wir Fußball spielen, entscheidend.

In der letzten Saison hat es nach dem Trainingslager in Spanien ein überragendes WSG-Frühjahr gegeben.

Silberberger: Das wollen wir wieder. Wir haben schon die Copy-Taste gedrückt (schmunzelt). In Spanien geht es jetzt um die taktische Ausrichtung.

Köck: Ein Dank an die Präsidentin und den Verein, dass wir zwei Tage länger fahren und alles dazu beigetragen wird, dass wir erfolgreich sein können.

Die nächste Saison findet in der noch ziemlich unklaren zweiten Liga statt. Wie lauten die Visionen?

Köck: Man weiß nicht, wer und wie viele Teams nächste Saison in der zweiten Liga agieren. Es gibt derzeit keinen TV-Vertrag und sehr viele Fragezeichen. Man muss abwarten. Fakt ist, dass wir in dieser Liga nicht nur als Achter, Neunter oder Zehnter mitturnen wollen. Wir werden sehen, ob wir die Kraft haben, oben anzudocken.

Apropos oben andocken: Die neue WSG-Geschäftsstelle liegt schräg gegenüber vom Haus des Wacker-Präsidenten Gerhard Stocker, der auf Tiroler Boden auch aufgrund der Infrastruktur nur den FCW als Kandidaten für die Bundesliga sieht.

Köck: Ich respektiere seine Meinung, muss sie nicht teilen. Der „Silbi“ hat dem Gerhard bei der Bundesliga-Weihnachtsfeier schon gesagt, dass er aufpassen muss, was er kocht – denn er schaut ihm jetzt in den Kochtopf hinein (lacht). Scherz beiseite: Jeder Verein hat seine Ziele. Und wir sehen uns langfristig nicht in einer zweiten 16er-Liga. Wir werden uns das nächste Saison anschauen, da wollen wir um vordere Plätze mitreden. Dann wollen wir die nächsten Schritte setzen, um vorne anzudocken und mittelfristig in der Bundesliga zu landen.

Silberberger: Ich glaube, dass wir im Frühjahr durchaus wieder in der Lage sind, durch positive Resultate für Aufmerksamkeit zu sorgen. Jetzt freuen wir uns aber einmal auf tolle Bedingungen in Spanien.

Das Gespräch führte Alex Gruber