Letztes Update am Fr, 02.03.2018 09:52

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


WM 2018

FIFA-Boss Infantino: Videobeweis ist Pflicht

Sollten die obersten Regelhüter des Fußballs die Einführung des Videoschiedsrichters ablehnen, würden sie den FIFA-Präsidenten dadurch brüskieren.

© imago/Bernd KönigDer Videobeweis kam bei der WM 2018 in Russland auf der ganz großen Fußball-Bühne zum Einsatz.



Zürich – Wenn die Regelhüter des Weltfußballverbands am Samstag (9.00 Uhr) in der FIFA-Zentrale in Zürich zusammenkommen, scheint das Ergebnis des brisantesten Tagesordnungspunktes beim International Football Association Board (IFAB) schon entschieden. So viele Emotionen der Videobeweis regelmäßig hervorruft, so gibt es an dessen dauerhafter Einführung schon jetzt praktisch keine Zweifel mehr.

Fast 99 Prozent korrekte Entscheidungen

„Wir müssen Entscheidungen auf der Basis von Fakten treffen, nicht auf der Basis von Gefühlen. Die Fakten sind, dass in fast 1.000 Spielen die korrekten Entscheidungen der Schiedsrichter von 93 auf fast 99 Prozent gestiegen sind“, sagte FIFA-Präsident Gianni Infantino vor der Entscheidung über den Videobeweis in der Zentrale des Weltverbandes.

Doch die Gefühle, die Infantino ausblenden möchte, schlugen in der Testphase immer wieder hoch. In der Bundesliga ebenso wie in Italien oder jüngst im englischen FA-Cup, wo erst am Mittwoch der Einsatz des Videoreferees zwischen Tottenham und Rochdale zu Slapstick-Szenen führte. Ein Elfmeter von Heung-min Son wurde vom Videoschiri aberkannt, zudem sah der Tottenham-Angreifer Gelb.

Ein anfangs vermuteter Kritikpunkt trifft auf den Videobeweis nicht zu: Er macht den Fußball nicht weniger emotional. Aber weniger fehlerhaft macht er ihn, meinen zumindest die Befürworter. Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge meinte, der Fußball werde „besser, seriöser und fairer“. Das IFAB rechnete schon im Jänner aus, dass die Entscheidungen der Video-Assistenten zu 98,9 Prozent richtig gewesen seien.

Die Homepage des Regelgremiums ziert ein Bild von Schiedsrichter Wilmar Roldan, und damit ausgerechnet von einem Referee, der für ein mächtiges Video-Durcheinander beim Confed Cup im vergangenen Sommer verantwortlich war. Drei Versuche benötigte der Kolumbianer, um in der offenbar schwierigen Kommunikation mit seinem Videoassistenten bei der Partie Deutschland gegen Kamerun den richtigen Sünder vom Platz zu stellen.

Beschränkung auf vier Spielszenen

Die FIFA sagt, man habe aus der Testphase gelernt. Auch in der deutschen Bundesliga benötigte man fast die ganze Hinrunde, um die schlimmsten Verwirrungen zu beseitigen. Wichtig ist eine klare Beschränkung auf vier Spielszenen: Torentscheidung, Rote Karte, Abseits und Spielerverwechslung sowie die klare Beschränkung auf einen Eingriff des Videoassistenten nur bei offensichtlichen Fehlentscheidungen des Referees in solchen Fällen.

Infantino hat sich mit seinem Wunsch nach einem Einsatz der technischen Hilfe bei der WM so weit voran gewagt, dass das IFAB fast gar keine andere Wahl mehr treffen kann, ohne den Top-Funktionär zu brüskieren. Die vier FIFA-Stimmen im IFAB, die traditionell en bloc vergeben werden, sind sicher. Und auch die britischen Verbände aus England, Wales, Schottland und Nordirland, die die weiteren vier Sitze innehaben, taten sich bisher nicht als große Kritiker hervor. Sechs von acht Stimmen sind für eine Änderung im Fußball-Regelwerk notwendig.

Einen Automatismus für den Video-Referee bei allen Fußball-Spielen gibt es aber damit nicht. Der Einsatz von Videoreferees wäre in vielen Ländern personell wie strukturell schwierig umzusetzen. Auch in Österreich stellt die Bundesliga die Kostenfrage. Vermutlich wird das IFAB ein generelles Ja für die technische Hilfe aussprechen, die Umsetzung dann aber den einzelnen Verbänden überlassen. Für die WM würde die Entscheidung dann beim Council-Meeting am 15. und 16. März in Bogota fallen. (APA)