Letztes Update am Mi, 14.03.2018 16:51

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


1940 - 2018

Österreichs Fußball trauert um ehemaligen ÖFB-Torjäger Wolny

Der Wiener, der mit dem FC Wacker Innsbruck insgesamt drei Meistertitel feierte, verstarb am Mittwoch im Alter von 77 Jahren.

© APAMit dieser Truppe ist Wacker Innsbruck 1970/71 mit einem Punkt Vorsprung vor Austria Salzburg zum ersten Mal österreichischer Meister geworden. Mit eine zentrale Figur in diesem Höhenflug der Innsbruck war der Wiener Franz Wolny (oben, 3. v. r.).



Innsbruck – Der ehemalige ÖFB-Teamspieler Franz Wolny ist tot. Der Wiener, der beim FC Wacker Innsbruck in den 70er-Jahren Kultstatus erreichte, verstarb am Mittwoch im Alter von 77 Jahren. Mit Wolny verliert der österreichische Fußball eine seiner schillerndsten Persönlichkeiten.

Schon 1970 mit dem Gewinn des ÖFB-Cups hatten die goldenen 70er von Wacker Innsbruck begonnen. Tirol spielte im Spitzenorchester des heimischen Fußballs die erste Geige. Man ließ die damals hochkarätigen Salzburger, die Rapidler, die Wiener Austrianer nach eigenen Noten tanzen. Und mit Hilfe aus Wien: Heinz Binder war ein Wiener, Buffy Ettmayer, Poldl Grausam auch. Der typischste Wiener aber war womöglich Franz Wolny.

Ein Kind des Straßenfußballs; einer, der am Spielfeld von seinen Tricks und seiner Schlitzohrigkeit lebte – und in den Nächten von seinem Schmäh. Einer, der als launischer Trickser zuweilen die Geduld der Fans strapazierte, um sie mit fußballerischen Leckerbissen postwendend dafür zu entschädigen.

Bei den gegnerischen Verteidigern war er gefürchtet: Für ihn galt auch am Rasenviereck in der rotweißroten Eliteliga das Gesetz der Straße: Tust du mir weh, tu’ ich dir weh.

Aber der Wolny Franz war nicht nur ein exzellenter Techniker, sondern in seiner Dynamik auch ein Stürmer modernen Zuschnitts. Er war robust. So, dass er auch durchwachte Nächte kaschieren konnte. Geheim waren seine nächtlichen Eskapaden nicht – aber einen wie ihn hat der Fußballfan damals nicht „verpetzt“. Womöglich hätte ihm ein soliderer Lebenswandel eine größere Karriere eingebracht. Aber er hat 1962 schon sein Debüt im Nationalteam (gegen Italien mit Trapattoni) gefeiert. Er ist 1963/64 mit Rapid Meister geworden, er hat mit Innsbruck drei Titel gewonnen. Und er hatte als Trainer eine passable Karriere hingelegt.

Sein letztes Meisterschaftsspiel hat er mit Klagenfurt am 19. März 1975 gegen die Admira gespielt. An seiner Seite damals jener Franz Hasil, mit dem er 1963 mit Rapid Meister geworden ist. Womöglich hätte er auch so eine große Karriere machen können wie Hasil. Aber das Leben war zu schön ... (TT.com)