Letztes Update am Fr, 23.03.2018 16:03

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


MLS

Ein bisschen US-Fußball vor der Pension für Ibrahimovic

„Ibrakadabra“ verlässt nach 19 Jahren den europäischen Profi-Fußball - Schluss ist für den 36-Jährigen aber noch nicht. Auch der Schwede bringt nun seine Berühmtheit in die Major League Soccer mit. Für Topleistungen am Ball wird es aber kaum noch reichen.

Nach zwei Jahren in England verabschiedet sich Zlatan Ibrahimovic in die USA.

© REUTERSNach zwei Jahren in England verabschiedet sich Zlatan Ibrahimovic in die USA.



Manchester — Zlatan Ibrahimovic ist sowohl am Ball als auch am Mikrofon immer für eine Überraschung gut. In der laufenden Saison ist er fast durchgehend verletzt ausgefallen - aber das hindert ihn nicht an einem neuen Engagement in der Major Soccer League (MLS).

Bereits am Donnerstag bestätigte sein bisheriger Verein Manchester United, dass der Vertrag des Schweden mit sofortiger Wirkung gelöst wurde. „Auch große Dinge kommen zu einem Ende, und es ist Zeit, weiterzuziehen nach zwei fantastischen Jahren bei Manchester United", schrieb Ibrahimovic am Donnerstag bei Instagram. Schon seit Monaten wird über einen Wechsel in die MLS spekuliert, offiziell verkündet wurde der Deal mit LA Galaxy am Freitag.

Der 36-Jährige hat nach Angaben des Vereins unterschrieben. Ibrahimovic schaltete zudem eine ganzseitige Anzeige in der Los Angeles Times, auf der er mit der kurzen Nachricht "Liebes Los Angeles, bitte schön" und seiner Unterschrift den Wechsel bestätigte.

Damit festigt die amerikanische Liga ihr Image als Altersheim für europäische Top-Stars weiter. Nicht zuletzt Bastian Schweinsteiger und David Villa sind derzeit in der amerikanischen Liga aktiv, Andrea Pirlo hat erst Ende des vergangenen Jahres seine Karriere nach zweieinhalb Jahren beim New York City FC beendet.

Für die MLS insgesamt dürfte der Ibrahimovic-Wechsel ein schöner Deal sein, der sich in den kommenden Wochen auch gut vermarkten lässt. „Ibrakadabra" ist immer für einen Spruch zu haben, der 36-Jährige wird seinen ganz eigenen Glamour mit an die amerikanische Westküste bringen.

„Wir brauchen den Philosophen nicht, der Zwerg und ich reichen vollkommen", sagte der Schwede einst über seinen damaligen Trainer Pep Guardiola und seinen Mitspieler Lionel Messi in Barcelona. Solche Sprüche bleiben hängen - LA Galaxy und die MLS hätten also sicher ein Investment für mehr Aufmerksamkeit getätigt. In Kalifornien soll der 1,95 Meter große Mittelstürmer nach Angaben des US-Sportsenders ESPN einen Zweijahresvertrag und insgesamt drei Millionen Dollar (etwa 2,4 Millionen Euro) erhalten.

Ob der Wechsel für LA Galaxy aber auch sportlich erfolgreich sein wird, ist fraglich. In der laufenden Saison hat Ibrahimovic gerade einmal sechs Spiele gemacht - mit mageren 187 Minuten Einsatzzeit. Bei ManUnited fiel er zuletzt wegen Knieproblemen und Trainingsrückstands aus, sein letztes Spiel für die Red Devils machte er am zweiten Weihnachtstag.

Die großen Jahre seiner Karriere, in denen der Schwede regelmäßig Torschützenkönig wurde, sind vorbei. In Erinnerung bleibt nicht zuletzt der sensationelle Fallrückzieher, mit dem „Super Zlatan" im November 2012 aus rund 25 Metern den 4:2-Endstand in einem Testspiel der Schweden gegen England erzielte. Doch Nostalgie wird die aktuelle Form des Altmeisters nicht verbessern.

WM als krönender Abschluss?

Zugeben würde der immer sehr selbstbewusst auftretende Mann aus Malmö natürlich nicht, dass seine Zeit abgelaufen ist und der eigene Körper Profi-Fußball inzwischen immer weniger möglich macht. Stattdessen hat Ibrahimovic immer wieder in Aussicht gestellt, dass er sich auch eine Rückkehr in die Nationalmannschaft und dann auch eine Teilnahme an der Weltmeisterschaft in drei Monaten in Russland vorstellen könnte.

„Ich vermisse die Nationalmannschaft", sagte der schillernde Torjäger Anfang des Monats. „Ibrakadabra" war nach der EM 2016 aus der Nationalmannschaft zurückgetreten. Für die anstehenden Testspiele der Schweden gegen Chile (Samstag, 18.00 Uhr) und in Rumänien (Dienstag, 20.30 Uhr) hat Nationaltrainer Janne Andersson den Superstar nicht berücksichtigt. „Ihr redet, ich spiele", hat Ibrahimovic mal gesagt. Es wäre allerdings nicht verwunderlich, wenn sich dieses Zitat in seiner Zeit in den USA umkehren würde. (dpa)