Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 20.05.2018


Cordial Cup

Aus dem fernen Yokohama ins kleine Going

König Fußball zieht beim 21. Cordial Cup im Tiroler Unterland Kickerinnen und Kicker aus 19 Ländern und von drei Kontinenten in seinen Bann.

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© www.muehlanger.at



Von D. Lenninger und A. Moser

Hopfgarten, Going, Kirchberg – Dem VfL Wolfsburg eilt nicht gerade der Ruf einer leidenschaftlichen Fanszene voraus. Am gestrigen Eröffnungstag des 21. Cordial Cups im Tiroler Unterland zählte jedoch ausgerechnet die Entourage der „Wölfe“ zu den Stimmungsmachern. Ausgestattet mit Fahnen, Trommeln und Hupen sorgte ein etwa 30-köpfiger Tross aus Niedersachsen in Hopfgarten für lautstarke Unterstützung.

Beim größten Nachwuchsturnier Tirols – gespielt wird an elf Orten in vier Bewerben (U11, U13, U15, Girls Cup) – reisten die Gäste allerdings nicht nur aus dem nördlichen Nachbarland an, sondern aus der ganzen Welt. Die größte Distanz mussten die Kicker aus Yokohama bewältigen, die auf dem Weg nach Going 23 Stunden im Flugzeug saßen.

Auch die Spielerinnen des Strikers FC aus Kalifornien waren mit einem kulturellen Schock konfrontiert. „Für uns ist das ein großartiges Erlebnis“, genießt Angreiferin Sasha den Aufenthalt jenseits des großen Teiches. Jene Eltern, die aus zeitlichen oder finanziellen Gründen nicht über den Atlantik mitgekommen waren, fiebern über soziale Netzwerke mit. Der Schlaf gerät angesichts des Zeitunterschieds zur Nebensache, wie Team-Managerin Mayra schmunzelnd erklärt: „Alle bleiben wach und verfolgen das Turnier.“

Live mit dabei ist auch Wacker-Damen-Coach Masaki Morass, der sich darüber freut, die eine oder andere internationale Mannschaft in Augenschein nehmen zu können. Neben den US-Amerikanerinnen ist beim Cordial Cup nämlich auch finnische, norwegische und französische Girl-Power vertreten. Die heimische Flagge hält die Tiroler Auswahl hoch. Im vergangenen Jahr kamen die Schützlinge von Ingo Martin bis ins Finale. Gegen den damaligen Kontrahenten Hoffenheim (0:1) erreichte man gestern ein beachtliches 0:0. Auf das neu zusammengestellte Team ist Martin sehr stolz: „Ich finde, wir vertreten Tirol hervorragend.“

Das kann man auch von der FC Wacker-U11 behaupten: Angefeuert von lautstarken Eltern, die sich in puncto Fanatismus nicht hinter ihren Wolfsburger Pendants verstecken müssen, erkämpften die wackeren Junioren gegen den FC Chelsea ebenfalls ein achtbares torloses Remis – das für beide zu wenig war. Beide scheiterten in der Gruppenphase. Dabei geigt in den Reihen der „Blues“ ein Youngster, der Chelsea sogar eine halbe Million Euro Ablöse wert gewesen sein soll. Ist der Weg zum Profidasein für Lockenkopf Younes schon in Stein gemeißelt? Vater Ahmed, der mit seinem Sohn durch Europa tourte und schließlich in London landete, wiegelt ab: „Das Wichtigste für mich ist, dass er ein toller Mensch wird. Und solange er den Fußball liebt, soll er ihn spielen.“

Den Fußball lieben sie beim Cordial Cup alle – auch Organisator Hans Grübler, der mit dem Stolz eines Vaters sein geistiges Kind seit 21 Jahren begleitet: „Es bereitet mir immer wieder Freude, den jungen Kickern auf die Beine zu schauen.“ Damit daheim gebliebene Eltern auch mitfiebern können, hat sich Grübler heuer etwas Neues ausgedacht: „DAZN und goal.com werden heute ab 14 Uhr per Livestream übertragen.“ Ob der Cordial Cup auch auf so viele Zuschauer kommt wie Billy Bob Bracher, ist ungewiss: Der U11-Goalie von 1860 München hat als „Youtube-Star“ in seinen jungen Jahren schon über zehn Millionen Klicks ...