Letztes Update am Mi, 13.06.2018 10:37

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


WM 2018

Sex vor dem Spiel ist kein Problem für die Profis

Auch in der Nacht vor dem Spiel sollte Geschlechtsverkehr keine Beeinträchtigung verursachen. Sex ein oder zwei Stunden vor dem Match ist allerdings nicht ratsam.

© imagoSymbolbild.



Köln – Fußballer dürfen während der Weltmeisterschaft ruhig Sex haben - zumindest wenn es nach Experten geht. „Körperliche Aktivität beim Sex in der Nacht vor einem großen Spiel ist überhaupt kein Problem“, sagte Ingo Froböse von der Deutschen Sporthochschule Köln. Der Schlaf solle dafür aber nicht geopfert werden. Eine gewisse Reglementierung könne grundsätzlich ratsam sein.

Sportpsychologe Rene Paasch vom VfL Bochum meinte, die angeblich leistungsschwächende Wirkung von Sex auf Spitzensportler sei inzwischen durch Untersuchungen widerlegt. „Erfahrene und moderne Trainer wie Jogi Löw“ legten viel Wert auf Zwischenmenschliches und ließen den Spielern genug Freiraum.

Schlaf sollte nicht für Sex geopfert werden

„Sex ist an sich immer gesund, aber natürlich haben wir es mit körperlicher Anstrengung zu tun. Der Kreislauf fährt sich hoch, Muskeln werden beansprucht, eine Stoffwechsel-Aktivierung tritt ein und ein Energieverbrauch“, erklärte Froböse. Und auch die Hormone mischen mit. „Zu Beginn wird vor allem Testosteron ausgeschüttet und während des Prozesses auf einem hohen Niveau gehalten. Dann verschwindet das Testosteron und Melatonin und Serotonin übernehmen - die Hormone, die uns entspannen“, ergänzte der 61-Jährige.

„Körperliche Aktivität beim Sex in der Nacht vor einem großen Spiel ist überhaupt kein Problem, wenn es nicht gerade eine wahnsinnige Orgie darstellt“, betonte der Leiter des Zentrums für Gesundheit durch Sport und Bewegung. Aber Achtung: „Der Schlaf als wichtigste Regenerationsphase sollte nicht für Sex geopfert werden. Sex als Einschlafhilfe zu nutzen, ist okay. Vor einer WM-Partie ist eine Limitierung ratsam, also keine Ausdauerleistung.“

Sex kann Stress abbauen

Paasch pflichtete Froböse bei: „Wenn man seine Frau oder Freundin lieb hat und alles ganz normal läuft, dann ist auch alles gut. Dann sollen die Jungs Jungs sein dürfen.“ Ein oder zwei Stunden vor dem Spiel sei Sex allerdings nicht ratsam. Aus psychologischer Sicht positiv zu sehen: Ein intimes Zusammensein könne Stress und Nervosität abbauen.

Froböse empfiehlt: Regelmäßige Kontakte zu den Partnerinnen sollten ermöglicht werden. Weiterer Tipp des Fitness-Experten: „Sex einfach ins Trainingsprogramm einbauen.“ Eine gewisse Reglementierung hält er grundsätzlich für richtig: „Wir haben junge Menschen vor uns. Die sind eben schon mal eher triebgesteuert als kopfgesteuert.“

Selbst Kuscheln kann helfen

Ebenso wie etwa bei Ernährungsfragen oder Alkohol gelte auch für Sex: „Alles, was auf dem Platz negative Auswirkungen haben könnte, sollte beschränkt werden. Alles muss der Leistung untergeordnet werden, dafür werden die Nationalspieler ja auch bezahlt.“ Zugleich ist Froböse zufolge zu beachten: Zuneigung, körperliche Wärme, Kuscheln könnten Ventile sein bei starker Anspannung und könnten auch helfen im Falle eines „Lagerkollers“.

Paasch rät, den Ball in der Debatte flach zu halten. „Jeder Profisportler weiß doch selbst ganz genau, worum es geht.“ In der Regel reisen Familien und Frauen bei wichtigen Turnieren mit und sind in der Nähe, weiß Paasch. Froböse kritisiert, dass Sexualität im Zusammenhang mit Leistungssport noch immer ein Tabuthema sei - völlig unverständlich, wie er findet. „Viele Spitzensportler sind junge Leute, und Sex gehört zu unserer Biologie dazu.“ (APA/dpa)