Letztes Update am Mo, 09.07.2018 14:17

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


WM 2018

Wer kommt ins Finale? Stärken und Schwächen der vier Halbfinalisten

Vor den beiden Halbfinal-Duell Frankreich gegen Belgien und England gegen Kroatien haben wir die vier Mannschaft unter die Lupe genommen.

© gepaWer darf am Ende in Russland den WM-Pokal in die Luft strecken?



Moskau – Die Stärken und Schwächen der vier Halbfinalisten der Fußball-WM in Russland:

Frankreich: Der letzte der Topfavoriten

Stärken: Der Weltmeister von 1998 kam in Russland nur schwer in die Gänge. Trainer Didier Deschamps experimentierte in der Gruppenphase mit seinen Aufstellungen, was zu Kritik aus der Heimat führte. Inzwischen hat er seine Stammformation gefunden, mit Beginn der K.o.-Runde steigerte sich die Mannschaft markant. „Les Bleus“ verfügen über eine hochkarätige Offensive, angeführt von Antoine Griezmann und dem erst 19-jährigen Kylian Mbappe.

Schwächen: Frankreich wird nach dem Ausscheiden von Brasilien als Top-Favorit gehandelt. Das Spektakel beim 4:3 im Achtelfinale gegen Argentinien zeigte aber, dass die französische Verteidigung nicht unüberwindbar ist. Die Alternativen in diesem Mannschaftsteil sind gering.

Belgien: Hoffen auf „goldene Generation“

Stärken: Belgien wurde der Rolle als Turnier-Mitfavorit vollauf gerecht und gewann als einziges Team alle seine fünf Spiele in der regulären Spielzeit. Mit Eden Hazard, Kevin de Bruyne und Romelu Lukaku verfügen die „Roten Teufel“ über das wohl beste offensive Trio der Welt im Umschaltspiel, was im Viertelfinale Brasilien schmerzlich zu spüren bekam. Die einzige kritische Situation, als Belgien im Achtelfinale gegen Japan 0:2 zurücklag, meisterte die „goldene Generation“, wie sie in der Heimat bezeichnet wird, dank starker Joker mit Bravour. Der spanische Trainer Roberto Martinez überzeugte mit taktischer Variabilität.

Schwächen: Die belgische Abwehr bestand den Härtetest gegen Brasilien mit Können, Leidenschaft und etwas Glück - und dank Vincent Kompany, der nach seiner Verletzung rechtzeitig zur K.o.-Phase in die Startaufstellung zurückgekehrt ist. Die Achillesferse ist die linke Seite, wo Jan Vertonghen nicht immer überzeugte. Und auf der rechten Seite fehlt im Halbfinal der gesperrte Thomas Meunier.

England: Frühreife Löwen

Stärken: Die junge englische Mannschaft gehörte zu den positiven Überraschungen des Turniers. Neben Topscorer und Kapitän Harry Kane (6 Tore) spielten sich auch weniger bekannte Namen wie Harry Maguire oder Kieran Trippier in den Vordergrund. In Russland haben die Engländer auch ihre Elfmeter-Trauma beendet und mit Jordan Pickford endlich wieder einen guten Rückhalt. Die Mannschaft tritt homogen auf und weiß auch spielerisch zu gefallen. Trainer Gareth Southgate schaffte es, seinem Team eine eigene Identität zu verleihen. „Wir schreiben unsere eigene Geschichte“, sagte Southgate und brach damit mit der englischen Vergangenheit, die viel öfter eine übersteigerte Erwartungshaltung, Enttäuschung und Trauer brachte als Erfolg.

Schwächen: Noch hat die Mannschaft ihre Reife nicht erreicht, vielen Spielern fehlt die Erfahrung auf der ganz großen Bühne. Nach dem dritten Sprung in die Top vier nach 1966 und 1990 steigen die Erwartungen auf der britischen Insel wieder ins Unermessliche. Die Frage wird sein, wie die jungen Löwen damit umgehen, und ob sie ihre Unbeschwertheit beibehalten können.

Kroatien: Per Elfmeter ins Halbfinale

Stärken: Modric, Rakitic, Mandzukic, Brozovic, Perisic - allein von den Namen her ist der Halbfinal-Einzug der Kroaten keine Überraschung. Kaum eine Mannschaft ist im Mittelfeld mit mehr Talent gesegnet als die Mannschaft von Zlatko Dalic. Mit dem 3:0 gegen Argentinien in der Gruppenphase hatte der WM-Dritte von 1998 für ein erstes Ausrufezeichen gesorgt. Die Vorrunde schlossen die Kroaten ohne Verlustpunkt ab - trotz der Nominierung der B-Elf gegen Island.

Schwächen: Mit Beginn des Achtelfinales wurde für die Kroaten plötzlich alles komplizierter. Sowohl gegen Dänemark als auch gegen Russland konnten sie nicht mehr an ihre überzeugenden Leistungen aus der Vorrunde anknüpfen und schafften jeweils erst im Elfmeterschießen den Aufstieg. Die Nerven begannen zu flattern – außer bei Ivan Rakitic, der jeweils als letzter Schütze vom Elferpunkt cool blieb. Noch nie hat eine Mannschaft den WM-Titel geholt, die zwei Partien erst im Elfmeterschießen gewann. (APA/sda)