Letztes Update am Mi, 11.07.2018 15:40

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Transfer-Hammer

Ronaldo-Transfer sorgt für Unmut: Fiat-Mitarbeiter drohen mit Streik

Während Ronaldos Engagement bei der “Alten Dame“ nicht überall auf Gegenliebe stößt, wird mit dem Abgang einiger Juve-Stars spekuliert. Der finanzielle Rahmen des Transfers stellt selbst Italiens Rekordmeister vor eine schwierige Aufgabe.

© ReutersDas Ronaldo-Fieber ist in Turin ausgebrochen.



Turin — Der Wechsel von Weltfußballer Cristiano Ronaldo von Real Madrid zu Juventus Turin hat laut Medienberichten das Interesse anderer Clubs an Profis des italienischen Meisters geweckt. Demnach sollen unter anderem die argentinischen Offensivspieler Paulo Dybala und Gonzalo Higuain zum Verkauf stehen. Für Dybala soll Liverpool 90 Millionen Euro bieten, berichtete die Zeitung „Tuttosport" am Mittwoch online.

Brief von Cristiano Ronaldo an Real-Madrid-Fans im Wortlaut

"Die Jahre bei Real Madrid und in der Stadt Madrid waren möglicherweise die glücklichsten in meinem Leben.
Ich empfinde größte Dankbarkeit dem Club, den Fans und der Stadt gegenüber. Ich kann nur allen Dank sagen für die Liebe und die Zuneigung, die man mir entgegengebracht hat.
Dennoch glaube ich, dass der Moment gekommen ist, eine neue Etappe in meinem Leben einzuleiten. Daher habe ich den Club gebeten, meinen Transfer zu akzeptieren. So empfinde ich es, und ich bitte alle, ganz besonders unsere Anhänger, mich bitte zu verstehen. (...)
Auf dem Platz und in den Kabinen habe ich wunderbare Teamkameraden gehabt, ich habe die unglaubliche Warmherzigkeit der Fans verspürt, und zusammen haben wir drei Champions-League-Titel in Folge und vier in fünf Jahren gewonnen. Zusammen mit ihnen konnte ich mich, auf individueller Ebene, darüber freuen, vier Goldene Bälle und drei Goldene Schuhe gewonnen zu haben. (...)
Ich habe viel nachgedacht und weiß, dass der Moment für einen neuen Zyklus gekommen ist. Ich gehe weg, aber dieses Trikot, dieses Wappen und das Santiago-Bernabeu-Stadion werde ich immer, egal, wo ich sein werde, als etwas empfinden, das zu mir gehört.
Dank an alle, und natürlich, wie ich schon vor neun Jahren bei meinem ersten Auftritt in unserem Stadion sagte: Hala Madrid! (Vorwärts, Madrid!)"

Für Juventus gilt es, Geld aufzutreiben. Laut verschiedenen Medienberichten sollen Juve und der Clubeigentümer, Fiat-Chef Andrea Agnelli, für das gesamte Ronaldo-"Paket" zwischen 340 und 400 Millionen Euro hinblättern müssen. Der Transfer kostet der „Alten Dame" nach eigenen Angaben insgesamt 112 Millionen. Dazu komme das Netto-Salär des Portugiesen von insgesamt 120 Mio. für die kommenden vier Spielzeiten in Höhe von 120 Millionen. Inklusive Steuern und Abgaben sei brutto schnell mit 300 Mio. zu rechnen.

Fiat soll 30 Millionen zuschießen

Ob sich der Club einen solchen finanziellen Kraftakt leisten kann, ist Gegenstand von Debatten in Italien. Laut Medienberichten sollen 30 Millionen Euro aus den Kassen der Firma Fiat kommen. Ronaldo solle im Gegenzug zur Werbefigur der Automarke werden, so die Vorstellung. Viele Fiat-Mitarbeiter, die seit Jahren mit eingefrorenen Gehältern auskommen müssen, sind alles andere als erfreut. In einer Mitteilung der Vertreter der Arbeiter des Werks in Melfi wird ein Proteststreik zwischen dem 15. Juli am Abend und 17. Juli in der Früh angekündigt. Das Geschäft mit Ronaldo sei „nicht hinnehmbar", hieß es. „Ist es normal, dass eine einzelne Person Millionen verdient und Tausende von Familien mit ihrem Geld nicht bis Mitte des Monats auskommen?", fragte die zuständige Gewerkschaft.

Die Aktien von Juventus gaben am Mittwochvormittag wegen Gewinnmitnahmen jedenfalls um sechs Prozent nach. Von 28. Juni, als die ersten Gerüchte über eine mögliche Ronaldo-Verpflichtung aufgetaucht waren, bis zur offiziellen Bekanntgabe am Dienstagabend hatten die an der Mailänder Börse gehandelten Titel um 37,7 Prozent an Wert zugelegt. (APA/dpa/AFP)

Italienische und spanische Pressestimmen

ITALIEN:

"La Stampa": "Juventus hat einen phänomenalen Coup gelandet. Die Verpflichtung von Ronaldo ist eines jener Ereignisse, die die Tifosi in Erinnerung behalten werden. Nun wird die ganze Welt auf uns schauen."
"Corriere della Sera": "Der Ronaldo-Transfer ist das Geschäft des Jahrhunderts. Die Operation hat ein Finanzvolumen von insgesamt an die 400 Millionen Euro. Sie geht in die Geschichte des italienischen Fußballs ein."
"Il Giornale": "Die gesamte (Fußball-)Welt wird nun auf uns schauen. Der Ronaldo-Transfer ist ein Milliarden-Geschäft, an dem viele verdienen werden. Ronaldo heiratet die Alte Dame und lässt die Signora auf eine Stufe mit den anderen Großen in Europa springen."
"Corriere dello Sport": "Fiat lux! (Es werde Licht). Ronaldo war es gewesen, der uns dazu bewegt hatte, den spanischen Clasico Real-Barca im Fernsehen zu verfolgen. Die Spiele, bei denen er und Messi auf dem Platz standen, waren Termine, die man nicht verpassen durfte. Und dieser Ronaldo spielt jetzt für Juve. Man konnte es zunächst nicht glauben."
"La Gazzetta dello Sport": "Unglaublich, aber wahr: Er kommt! Die Verpflichtung Ronaldos ist ein Meisterwerk von Juventus. Was vor wenigen Tagen noch ein Traum war, wird durch eine Blitzoperation des Juve-Chefs Andrea Agnelli zur Wirklichkeit."

SPANIEN:

"El Pais": "Cristiano, das Adios eines Mythos."
"El Mundo": "Cristiano erzwingt einen Abschied ohne Ehren."
"Marca": "Es wird nie wieder so einen geben. Cristiano, die Legende mit den 451 Toren, geht weg. Das Ende einer Ära."
"AS": "Ciao, Cristiano. Es war schön, solange es gedauert hat."
"Sport": "Schock Cristiano. Der weiße Club hat nach seinem Adios und dem Weggang von Zidane keine Bezugspersonen mehr. Florentino (Reals Clubchef Florentino Perez) muss nun das Scheckbuch herausholen."