Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 03.08.2018


Exklusiv

FCW-Präsident Gerhard Stocker: „Genugtuung verspüre ich nicht“

Mit dem ersten Bundesliga-Heimspiel gegen Sturm Graz (Samstag/17 Uhr) soll das Motto „Gemma Wacker schau’n“ im Tivoli wieder schlagend werden. Nicht nur dafür tritt FCW-Präsident Gerhard Stocker ein.

© Blickt in aller Ruhe dem Sturm-Heimspiel entgegen – Wacker-Präsident Gerhard Stocker.Foto: Kristen



Von Alex Gruber

Innsbruck – In aller Ruhe genießt Gerhard Stocker die Rückkehr in die Fußball-Bundesliga. Als er im Februar 2017 unter schwierigsten wirtschaftlichen und sportlichen Umständen als Präsident auf die Kommandobrücke des FC Wacker zurückkehrte, war ihm vielerorts ein ungläubiges Kopfschütteln mit der Frage­stellung („Warum tut er sich das an?“) sicher. Dabei könnt­e er jetzt morgen mit stolzgeschwellter Brust im Tivoli einmarschieren, macht er aber sicher nicht: „Genugtuung ist das falsche Wort, die verspüre ich nicht, weil ich ja gewusst habe, was mich erwartet. Das richtige Wort lautet Freude“, führte der 66-Jährige gestern in der Kommandozentrale der Innsbrucker aus. Um gleich und wie so oft zu betonen: „Das Ganze ist eine Leistung des gesamten Teams, sowohl sportlich als auch organisatorisch, weil alleine bist du total d’erschossen ...“

Stocker weiß, wovon er spricht und kann bezüglich des Innsbrucker Traditionsvereines ja in Jahrzehnten denken. 2002 übernahm er erstmals als Obmann bei der SPG Wattens/Wacker, führte den FC Wacker Tirol mit zwei Aufstiegen in Serie 2004 retour in die Bundesliga, um im Februar 2008 zurückzutreten und fast neun Jahre später an vorderster Stelle wiederzukehren. Die Liste der Erinnerungen ist denkbar lang, eine kommt wie aus der Pistole geschossen: „Ich erinnere mich emotional genau an unseren Auftaktsieg 2004 in der Bundesliga gegen den Meister GAK. Da wurde auch der Vertrag mit Premiere gemacht.“

Verträge sind das eine, Gefühle das andere. Und wer Stocker kennt, weiß, dass der Wattener die Menschen auch emotional binden will. So sollen die Wacker-Heimspiele in der Bundesliga wieder zu einem Erlebnis werden: „Die Euphorie und Aufbruchstimmung ist spürbar. Ich hoffe, dass sich das auch in den Zuschauerzahlen niederschlägt. Wir hoffen, dass gegen Sturm so zwischen 6000 und 8000 Zuschauer ins Tivoli kommen.“

Am gestrigen Nachmittag pendelte sich die Zahl bei knapp 4000 abgesetzten Tickets ein. Stocker denkt ohnehin in Etappen: „Die Leute sollen kommen und sagen: ,Es ist toll gewesen.‘ So wird ein Sog erzeugt. Die Leute sollen früher kommen und länger bleiben – Familien oder Freundeskreise. Motto: Gemma Wacker schau’n.“

Dass die Innsbrucker den Kampf in der Bundesliga mit einem der kleinsten Budgets bestreiten, will der Wirtschaftsfachmann nicht in den Vordergrund rücken: „Übers Geld möchte ich nicht reden. Budget ist nicht gleich Budget. Jeder Verein hat in seiner Gesamtleistung andere Ding­e, damit zu bestreiten. Ich bin froh, dass wir wieder Kostenrefundierungen haben und uns zugehört wird.“

Dass die jetzige Rückkehr fast die letzte Chance sei, um nachhaltig Erstliga-Fußball im Tivoli zu sehen, hat das FCW-Oberhaupt ja schon mehrfach betont: „Alles, was war, versuch­e ich wegzuschieben. Die Herausforderungen liegen in der Zukunft.“

Mit Sturm Graz wartet morgen auf sportlicher Ebene der amtierende Vizemeister und Cupsieger am neuverlegten Tivoli-Rasen. „So nah bin ich an unserer Mannschaft nicht dran, aber die Stimmung ist gut“, hält Stocker fest. Von diesem positiv wirkenden Rad darf er sich mehr als nur ein Scheibchen abschneiden, hat er gewissermaßen als „Vaterfigur“ die Wogen geglättet: „So was wie ,Vaterfigur‘ hat mit dem Alter zu tun. Klar, Karl Daxbacher (65 Jahre, Anm.) und ich sind die Oldies. Unser Job ist es, für Ruhe zu sorgen, und ein bisschen was werde ich schon beigetragen habe­n ...“