Letztes Update am Mo, 06.08.2018 10:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bundesliga

Die Null steht bei Wacker bislang nur am Punktekonto

Trotz der beiden knappen Auftaktniederlagen in der tipico Bundesliga gegen die Spitzenklubs Austria Wien und Vizemeister Sturm Graz überwiegt beim Aufsteiger FC Wacker noch das Positive.

© APAKämpferisch warf der FC Wacker mit Stefan Meusburger (Mitte) und Goalie Christopher Knett gegen Sturm wieder alles in die Waagschale.



Von Wolfgang Müller

Innsbruck – Lob von vielen Seiten, aber halt doch zweimal verloren – die Rückkehr des FC Wacker in die tipico Bundesliga verlief nicht ganz so, wie man sich das rund ums Tivoli erhofft hatte. Von Depression ist man noch weit entfernt, es überwiegt die Hoffnung, in den nächsten Runden sportlich in die Spur zu finden.

Startanalyse: Zwei knapp­e Niederlagen gegen zwei Topteams der Liga sind kein Grund, Trübsal zu blasen, aber eine klare Warnung, sich der Erstklassigkeit anzupassen. Weil Fehler, und die produziert der FC Wacker halt am laufenden Band, gnadenlos bestraft werden. „Immer gut mithalten, aber nicht punkten, ist im Fußball eine trügerische Phase, die man schnellstens mit Zählbarem beenden muss“, weiß auch FCW-Coach Karl Daxbacher, dass es Erfolgserlebniss­e braucht, sonst ist schnell Schluss mit lustig.

Die Null muss stehen: Fünf Gegentore in zwei Spielen müssen einem Aufsteiger zu denken geben. Entweder man ist zu offensiv ausgerichtet oder das Spielsystem überfordert die Kicker. Die Null steht bislang nur am Punktekonto der Tabelle. „Wir müssen uns stabilisieren. In der Vorbereitung stand gegen starke Teams die Null, das müssen wir in der Liga auch wieder hinkriegen“, meinte General Manager Alfred Hörtnagl, der die zwei Auftaktniederlagen einzuordnen wusste: „Wir konnten zwei Topteams voll fordern. Stellen wir die Fehlerquellen endlich ab, dann klappt es auch mit Punkten.“

Moral: Nach dem ernüchternden 0:3-Rückstand gegen Sturm schwant­e den Fans im Tivoli schon Übles, doch die Schwarzgrünen machten es mit einer tollen Aufholjagd noch einmal spannend. Diese Truppe hat Moral, Kampfkraft und Zusammenhalt – Faktoren, die im Fußball belohnt werden, wenn man sich nicht selbst im Weg steht.

Doppelpack: In der gesamten letzten Aufstiegs­saison hatte Martin Harrer nur ein Tor zu Buche stehen. Gegen Sturm erzielte der nach einer Stunde eingewechselte Voitsberger innerhalb von sieben Minuten einen Doppelpack, der ihn persönlich zwar freute, letztendlich aber nicht genügte, um über den ersten Punkt zu jubeln.

Abwehrchef Matthias Maak (links) und Doppeltorschütze Martin Harrer überzeugten beim Bundesliga-Heimdebüt im Tivolistadion.
- APA

Die Neuen: Drei Neu­erwerbungen der Sommer-Transferzeit bekamen bislang Einsatzminuten. Stefan Meusburger liefert genau das ab, was man sich von ihm erwartet: Kopfball- und Zweikampfstärke in der Innenverteidigung sowie bei Standards. Ilkay Durmus hatte als Jamnig-Nachfolger schon einige starke Szenen als Seitenspieler. Bryan Henning ist im Mittelfeldzentrum noch nicht voll angekommen. Gegen Sturm hatte der Deutsche einige Aussetzer. Torjäger Patrik Eler hofft, baldigst wieder in den Trainingsbetrieb einsteigen zu können. Und der letzte Neuzugang – Offensivspieler Cheikhou Dieng – sitzt schon ungeduldig in den Startlöchern.

Tivoli-Debüt: Nach vier Jahren in der Zweitklassigkeit fand endlich wieder ein Bundesligaspiel im Tivoli statt. Die Kulisse – immerhin 7820 Zuschauer – war passabel, auch wenn man sich etwas mehr erwartet hätte. „Insgesamt war ich mit dem gesamten Ablauf recht zufrieden. Wir lernen dazu und versuchen uns in allen Bereichen zu verbessern“, so FCW-Präsident Gerhard Stocker, der sich gestern auch über regen Besuch (ca. 500 Zuschauer) des Zweitliga-Heimspieles von Wacker II gegen Amstetten freute.

Frust: Das Tivoli-Catering bleibt weiter ausbaufähig. Abgesehen davon, dass sich viele Zuschauer die langen Wartezeiten in der Halbzeit ersparen und nichts mehr konsumieren, waren einige Fans gefrustet, nachdem sie sich für den Zwei-Euro-Bierbecherpfand anstellten, dann aber am Stand kein Kleingeld zur Verfügung stand. Ärgerlich, weil das nicht zum ersten Mal passiert, sich aber nichts ändert. Und am FC Wacker bleibt das hängen, obwohl er nichts dafür kann. Das Catering im Tivolistadion ist ausschließlich Sache der Olympiaworld.

Kommentar: Bittere Realität

Der FC Wacker ist ein Aufsteiger mit beschränkten Mitteln und als solcher sind Siege gegen Spitzenklubs mit dem drei- bis vierfachen Budget eben eine Seltenheit. Bei allem Bemühen, Einsatz und Aufopferung sind die Abläufe und so genannte Fehlerquellen am grünen Rasen eben auch eine Sache von Qualität. Die Großen in der Liga – Salzburg, Rapid, Sturm, Austria und auch der LASK – bleiben für die ambitionierten Schwarzgrünen noch außer Reichweite. Das ist keine Schwarzmalerei, sondern bittere Realität, die man so auch zu akzeptieren hat. Aber für den Rest der Zwölferliga sollte bzw. muss die Qualität des FCW-Kaders schon reichen. Was in den nächsten Runden gegen Altach und dann im Tivolistadion gegen St. Pölten auch dringlichst unter Beweis gestellt werden muss. (w.m.)