Letztes Update am Fr, 31.08.2018 08:54

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Europa League

Ohne Pampers spielte Rapid in Bukarest befreiter auf

Rapid hat am Donnerstag die wohl schönste Niederlage der vergangenen Jahre kassiert. Das 1:2 in Bukarest gegen den Steaua-Nachfolgeclub FCSB reichte dank des Heim-3:1 vor einer Woche zum insgesamt siebenten Einzug in die Gruppenphase der Fußball-Europa-League, was eine kollektive Hochstimmung zur Folge hatte.

Nach der schönsten Niederlage der Vereinsgeschichte herrschte bei Rapid kollektiver Jubel.

© APANach der schönsten Niederlage der Vereinsgeschichte herrschte bei Rapid kollektiver Jubel.



Bukarest – Mit einem Schlag waren zumindest kurzfristig alle in der Liga erlittenen Tiefschläge vergessen - so auch bei Trainer Goran Djuricin, der zuletzt mit „Gogo raus“-Rufen der organisierten Fanszene konfrontiert gewesen war. In Rumänien war davon nichts mehr zu hören. „Das wird jetzt wahrscheinlich eine Zeit lang ausbleiben“, schmunzelte der 43-Jährige und bezeichnete den Erfolg als „Genugtuung für mich selbst, für meine Arbeit, für den ganzen Trainerstab“.

Die Erleichterung war dem Coach unmittelbar nach dem Schlusspfiff deutlich anzumerken. „So richtig kann ich das noch gar nicht verarbeiten“, erklärte Djuricin in der ersten Euphorie. „Ich freue mich sehr, ich bin erleichtert. Jetzt muss ich einmal schauen, dass ich ein bisschen runterkomme.“

1. Halbzeit? „Da ist alles schiefgelaufen“

Dabei hatte nach den ersten 45 Minuten beim Stand von 0:2 noch viel auf ein Ausscheiden hingedeutet. „In der ersten Hälfte ist uns nichts gelungen. Da ist alles schiefgegangen, was nur schiefgehen kann.“ Erst nach dem Seitenwechsel lief es flüssiger bei Rapid. „Wir haben uns in der Pause ausgemacht, dass wir die Pampers ausziehen, und ohne Pampers ist es dann viel besser gegangen“, erzählte Djuricin.

Der Aufstieg sei verdient, betonte der Wiener. „Ich freue mich vor allem für die Spieler, weil es manchmal geheißen hat, sie haben keine Mentalität oder sind körperlich schwach. In der zweiten Hälfte haben sie bewiesen, dass das nicht stimmt.“

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Kapitän Stefan Schwab begründete die Steigerung nach dem Seitenwechsel unter anderem damit, dass man angesichts des völlig desolaten Rasens den Ball schneller aus dem ersten Drittel spielte und dadurch weniger gefährliche Ballverluste hatte. „Die zweite Hälfte war von uns taktisch besser und cleverer“, meinte der Salzburger.

Der 27-Jährige verspürte nach dem Weiterkommen „riesengroße Emotionen. So ein knapper Aufstieg ist viel schöner, als wenn es klar ist.“ Die Rahmenbedingungen seien äußerst schwierig gewesen, betonte Schwab. „Bei uns sind fünf, sechs wichtige Spieler ausgefallen, aber wir haben alles reingehaut. Deswegen bin ich unheimlich stolz auf die Mannschaft, denn was zuletzt drumherum war, war nicht einfach“, erklärte der Mittelfeldspieler auch in Anspielung auf die Diskussionen über Djuricin. „Wir arbeiten gern mit dem Trainer. Wir haben zuletzt wieder in die Spur gefunden und ich hoffe, dass es so weitergeht.“

Strebinger hält, Sonnleitner trifft

Dass Rapid vorerst die Kurve gekratzt hat, liegt auch am beständig starken Goalie Richard Strebinger, der im Finish eine Topchance entschärfte. „Nach dem Schlusspfiff habe ich gemerkt, wie die ganze Last abfällt. Da sind, glaube ich, ein paar Spieler zusammengebrochen, mich eingeschlossen“, verriet der Niederösterreicher.

Schütze des erlösenden Tores war Mario Sonnleitner - dem Innenverteidiger wurde der Treffer von der UEFA zugesprochen, obwohl der im Finish ausgeschlossene FCSB-Profi Mihai Balasa den Ball ins Netz bugsiert hatte. Für Sonnleitner war es in 68 Europacup-Partien - 18 für Sturm Graz und 50 für Rapid - das vierte Tor. Drei davon erzielte er gegen Clubs aus der rumänischen Hauptstadt: Der Abwehrspieler war schon im Hinspiel gegen FCSB und im Dezember 2009 im Sturm-Dress gegen Dinamo Bukarest erfolgreich.

Sein viertes Tor gelang ihm im August 2010 bei Rapids legendärem 3:2-Auswärtssieg gegen Aston Villa. Diesmal war die Freude über den Aufstieg wohl ebenso groß. „Es ist richtig geil, dass wir das geschafft haben. Wir haben viel Mentalität gezeigt“, jubelte Sonnleitner, ergänzte aber auch: „Wir bleiben demütig und werden keine großen Töne spucken.“ (APA)