Letztes Update am Di, 04.09.2018 15:23

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nations League

Nations-League-Start: Deutschland empfängt den Weltmeister

DFB-Team befreit: „Nicht mehr die Gejagten“ - WM-Champion

Frankreich will weiter „auf der Welle reiten.“

© X03696Marco Reus soll den Neuaufbau nach dem WM-Debakel begleiten.



München – Der Startschuss für die neue Fußball-Nations-League erfolgt mit einem Kracher. Wenn am Donnerstag der frisch gebackene Weltmeister Frankreich beim ehemaligen Titelträger in München gastiert, geht es für beide Auswahlen um einiges. Die Franzosen wollen gegen den „Ex“ zeigen, dass sie den Pokal wahrlich verdient haben. Für Deutschland geht es um die erste Wiedergutmachung nach der Entzauberung.

„Alle spüren eine Jetzt-erst-recht-Stimmung in sich und wollen das Scheitern ausmerzen“, sagte DFB-Teamchef Joachim Löw vor dem Auftakt in den neuen europäischen Wettbewerb. Der deutsche Langzeit-Trainer blieb nach dem historischen Scheitern in der WM-Gruppenphase an Bord, er will von seinen Stars „wieder mehr einfordern.“ 17 Akteure aus dem WM-Kader sind noch dabei. Mesut Özil und Mario Gomez hatten nach dem Aus ihren Rücktritt erklärt, dazu verzichtet der ehemalige Trainer des FC Tirol und von Austria Wien nun etwa auf Sami Khedira und Sebastian Rudy.

Reus als Teil des Neuaufbaus

Marco Reus, einer der in Russland gestrauchelten Fußball-Helden, ist hingegen Teil des Neuaufbaus. „Wir haben zwei wichtige Spiele vor der Brust. Direkt gegen den Weltmeister, da gilt es ein Zeichen zu setzen, dass mit uns wieder zu rechnen ist“, erklärte der Dortmund-Star. „Es ist eine gute Chance, gleich gegen Frankreich etwas gerade rücken zu können. Wir wollen zeigen, dass wir immer noch eine Weltklassemannschaft sind“, sagte Bayern-Spieler Leon Goretzka.

Leipzig-Angreifer Timo Werner will seinen Teil dazu beizutragen, „das Geschehene wieder gutzumachen“. Er sieht eine günstige Gelegenheit. „Ich glaube, dass wir jetzt nicht mehr die Gejagten sind, sondern die Jäger. Und wir sind nicht mehr unter dem Druck zu sagen, wir müssen jedes Spiel gewinnen, weil wir die beste Mannschaft der Welt sind, sondern wir können frei aufspielen.“

Frankreich kommt in Bestbesetzung

Worte alleine werden gegen Frankreich aber nicht reichen. Der Weltmeister kommt mit dem beinahe identen Erfolgskader um Kylian Mbappe, Paul Pogba und Antoine Griezmann nach München. „Das erscheint mir logisch“, sagte Didier Deschamps mit Blick auf seine Nominierungen. Der Erfolgstrainer muss lediglich auf die verletzten Tormänner Hugo Lloris und dessen üblichen Ersatz Steve Mandanda verzichten. Alphonse Areola von Paris Saint-Germain dürfte daher zu seinem Länderspiel-Debüt kommen.

53 Tage nach dem gewonnen WM-Finale gegen Kroatien werden „Les Bleus“ versuchen, weiter „auf der Welle zu reiten“, wie Deschamps ankündigte. Das Leben gehe selbst für Weltmeister weiter. „Wir haben Außergewöhnliches geleistet. Aber jetzt wartet ein neues Abenteuer mit der Nations league und dann im März die Qualifikationsspiele für die EURO 2020. Wir können es uns nicht leisten, einzuschlafen“, sagte Deschamps, der erst kürzlich von der FIFA als einer von drei Kandidaten für die Wahl zum Trainer des Jahres nominiert wurde.

In der Gruppe 1 des neuen Bewerbes ist in Liga A neben der DFB-Auswahl und der Equipe Tricolore noch die Niederlande vertreten. Der Gruppensieg würde die Teilnahme am Vier-Nationen-Finalturnier im kommenden Juni bedeuten. Der Letzte steigt hingegen in die Division B ab.

Angst vor Fehlstart

Das deutsche Nervenkostüm ist angespannt, es schwingt die Sorge vor einem Fehlstart und einem möglichen Abstieg aus der besten Division mit. „Wir müssen schon das Level A halten“, stellte DFB-Präsident Reinhard Grindel bereits fest. Man werde „genau anschauen, wie die Erkenntnisse umgesetzt werden“. Löw versprach artig: „Die Nations League nehmen wir sehr ernst.“

Die Erwartungshaltung ist auch im Lager der Equipe Tricolore enorm. Deschamps sagte, dass die Hoffnungen an das französische Team nach dem WM-Titel noch größer seien. „Aber das darf zu keinem Zeitpunkt ein Druck werden“, stellte der 49-Jährige klar. „Wir werden uns nie beschweren, Weltmeister zu sein.“ (APA)