Letztes Update am Sa, 06.10.2018 14:58

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bundesliga

Daxbacher: „Trainerdebatte ist logisch und legitim“

Nach dem bisherigen enttäuschenden Saisonverlauf brennt Wacker-Coach Karl Daxbacher darauf, die Trendwende bei den Schwarzgrünen herbeizuführen und tüftelt am Matchplan gegen den LASK.

© gepaNach sieben Niederlagen in den ersten Runden der tipico-Bundesliga steht Wacker-Coach Karl Daxbacher unter Druck.



Von Wolfgang Müller

Innsbruck – Karl Daxbacher ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, was Sache ist. „Ist doch logisch und auch legitim, dass nach so einer Unserie die Trainerdiskussion aufkommt.“ Als Spieler mit der Austria feierte er sieben Meistertitel, vier Pokalsiege, stand auch im Europacupfinale der Pokalsieger, und danach als Trainer machte er sich auch als Aufstiegspezialist einen Namen. Wer glaubt, der 65-Jährige ist dermaßen abgebrüht, dass ihn die Kugel kalt lässt, der irrt gewaltig.

Vor vier Monaten wurde Karl Daxbacher im Tivolistadion noch als Aufstiegsheld gefeiert.
- jakob-gruber.at

„Über Niederlagen ärgere ich mich immer noch selbst am meisten. Sogar den Tag danach brauch’ ich noch zum Abkühlen und Herunterkommen“, gibt der 65-Jährige zu und legt gleich nach: „Wäre ja ein Wahnsinn, wenn es nicht so wäre. Dann wäre ich ja fehl am Platz.“ Gefühlsausbrüche und Schuldzuweisungen unmittelbar nach dem Schlusspfiff in der Kabine sind tabu: „Das bringt nichts. Außer, dass alles nur noch schlimmer wird.“ Nichts ist im Fußball vergänglicher als der Erfolg von gestern. Damit hat Daxbacher leben gelernt. Das ist auch in Innsbruck nicht anders. Im Mai wurde „Sir Karl“ als Aufstiegsheld gefeiert, jetzt steht der Coach in der Diskussion. „Damit kann bzw. muss ich leben“, so Daxbacher. Richtig getroffen hat ihn die Entlassung bei der Wiener Austria im Dezember 2011. „Dabei haben mir alle bei der 100-Jahr-Feier noch auf die Schulter geklopft. Außerdem war ich mit vier Punkten Rückstand ,nur‘ Tabellenzweiter. Mittlerweile hat die Austria nach neun Runden elf Punkte Rückstand und keinen regt’s mehr auf.“

Schnee von gestern – gegenwärtig spitzt sich die Lag­e rund ums Tivoli zu. Also schmiedet der Wacker-Coach trotz Verletzungssorgen, angeknackster Psyche und permanentem Querlauf einen Matchplan gegen den LASK: „Charakterlich ist die Mannschaft schwer in Ordnung. Daher hätte uns ein Punkt in Unterzahl gegen Mattersburg auch so verdammt gutgetan.“ Unter der Woche wurde trainiert, analysiert, Varianten gestestet, um die Verletzten zu ersetzen, zudem dies und jenes besprochen, damit die Linzer „den Biss und den Hunger“ auf die Wend­e zu spüren bekommen. Das volle Programm eben, das Situationen wie diese zurzeit beim FC Wacker erfordern. Eine Herausforderung, der sich Daxbacher gewachsen sieht. „Natürlich, aber keine Angst – Burnout-gefährdet bin ich deshalb sicher nicht“, schmunzelt einer, der nach Jahrzehnten im Geschäft schon ziemlich abgebrüht ist, dem der Fußball aber immer noch eine Herzensangelegenheit scheint.