Letztes Update am So, 07.10.2018 11:54

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Interview

Wacker-Goalie Knett: „Wir sind eine richtig geile Mannschaft“

Christoph Knett (28) ist der Lautsprecher eines FC Wacker Innsbruck, der zuletzt ohne Glanz und Punkt auftrat.

© gepaDer Vertrag von Wacker-Rückhalt Christopher Knett läuft mit Saisonende aus.



Nach der Hartberg-Partie, in der Sie kurz vor Schluss einen Elfer hielten, dachte man: Das Blatt wird sich nun wenden.

Christopher Knett: Das dachten auch wir, aber es ist bezeichnend: Wir hatten gute Spiele, es wäre immer zumindest ein Punkt drin gewesen. Am Anfang haben wir immer gesagt: Wir spielen gut, auch wenn wir keine Punkte holen. Kritisch ist es aber, wenn du schlecht spielst und keine Punkte holst.

Wie erklären Sie sich die aktuelle Tabellen¬situation?

Knett: Wir kamen in eine Spirale, auch die eine oder andere Schiedsrichter-Entscheidung fiel nicht immer für uns aus. Das drückt auf die Stimmung, dann funktionieren die einfachsten Dinge nicht mehr. Dann passieren dumme Tore und du läufst einem Rückstand hinterher. Das ist jetzt nicht mehr die zweite Liga, in der du weißt: Eigentlich bist du viel besser und du kannst das Spiel umdrehen.

In der Vorsaison war man zum Aufstieg verpflichtet – ist der Druck jetzt höher?

Knett: Damals hatte wir einen Lauf, das Spielglück auf unserer Seite. Das ist immer so, wenn du vorn¬e bist – im Keller ist das umgekehrt. Es liegt aber an uns, was wir jetzt draus machen, die Mannschaft ist aber positiv gestimmt.

Musik ist ein Gradmesser für die Stimmung. Was spielt es in der Wacker-Kabine – und wer ist dafür verantwortlich?

Knett (lacht): „Schimpi“ (Michael Schimpelsberger, Anm.) wäre gerne der DJ, das ist er auch – am Anfang. Aber irgendwann wird er abgesetzt, dann machen es „Maaki“ (Matthias Maak, Anm.) und Flo (Rieder, Anm.), dann kommt Hip-Hop und R’n’B – richtig gute Sachen querdurch.

An der Musik merkt man die Stimmung also nicht?

Knett: Nein, da spielt es alles. Und kurz vor dem Aufwärmen hat sich in der Aufstiegssaison noch so ein Ritual entwickelt. Da war dann „Rose Tattoo“ mein Lied, das gespielt wurde, Irish-Pub-Musik. Und die anderen wussten: Zehn Minuten nach dem Knetti müssen wir raus.

Spürt man den Druck?

Knett: Man merkt in der Mannschaft nicht, in welcher Situation wir stecken. Wir sind eine selbstkritische Mannschaft, wir kennen unsere Fehler, wir können uns das auch gegenseitig sagen.

Und kurz vor dem Match?

Knett: Am Spieltag hat jeder eine eigene Vorbereitung. Ich bin mehr der lockere Typ, muss nicht in mich gehen, mache auch einmal einen Spaß. Der Bertl (Vallci, Anm.) sitzt hingegen mit Kopfhörern da und geht Spiel¬situationen durch – jeder weiß, was zu tun ist.

Hat es bei Ihnen im Team zuletzt einmal geknistert, wurde es laut?

Knett: Seitdem ich da bin noch nie. Nach der Regen-Niederlage gegen Hartberg in der Vorsaison (Abbruch, Anm.) wurde es schon schärfer im Training, weil jeder wusste: So geht es nicht. Genauso war es zuletzt nach dem WAC und der Admira. Da wird dann auch mehr gefahren im Training, da werden Zweikämpfe noch härter. Das merktest du in der Woche auch – deshalb sind auch alle positiv gestimmt gegen den LASK, dass die Punkte hier bleiben.

Bis jetzt war der Trainer kein Diskussionspunkt.

Knett: Unser Trainer ist erfahren, aber natürlich: Fußball ist Ergebnissport, und wenn er den öffentlichen Druck abbekommt, tut es mir leid. Was kann der Trainer dafür, wenn wir wie in Mattersburg nach zwei Minuten Rot kriegen, einen Elfer verschießen und ich am Schluss ein Ei kassiere?

Leichter wird es angesichts der Auslosung der kommenden Runden nicht.

Knett: Wir wissen, dass die nächsten vier Spieler Kracher sind. Aber vielleicht tun wir uns gegen solche Mannschaften auch leichter.

Welche Rolle spielen Prämien, die man durch die jüngsten Niederlagen nicht verdient?

Knett: Jeder spielt Fußball aus Leidenschaft, aber umsonst tut sich keiner den Aufwand an. Natürlich spielt man auch um Prämien, umso besser ist die Stimmung. Sicher spielt der Faktor Geld eine Rolle.

In der Transferzeit wurde viel Wert auf die zweite Mannschaft gelegt, aber der ganz große Kicker für die erste Bundesliga wurde nicht geholt.

Knett: Der Verein leistete gute Arbeit mit der zweiten Mannschaft. Dass der Unterbau da ist, finde ich überragend. Alle Spieler der zweiten Mannschaft können sofort bei uns mithalten, Thommi Grumser leistet richtig gute Arbeit – der wird seinen Weg machen. Aber wir haben im Sommer sicher an Qualität gewonnen, daran liegt es nicht.

Auch Sie waren am Transfermarkt begehrt. Von Union Berlin war die Rede ...

Knett: Es gab Gespräche, mehr will ich dazu nicht sagen. Aber ich bin überhaupt nicht enttäuscht, weil ich gerne für diesen Verein spiele. Mein Vertrag läuft aus, mal schauen, was kommt.

Ihre Liebe zu Tirol bekannten Sie bereits.

Knett: Ich bin gerne noch einige Jahre hier, meiner Familie geht es hier sehr gut. Ich würde nicht für ein paar Euro mehr nach Thailand gehen. Wenn ich alleine wäre, dann sicher, aber die Frau hat einen guten Job, der Kleine ist im Kindergarten und hat seine Freunde.

Sie sind neben Christoph Freitag Spieler¬vertreter des FC Wacker in der Gewerkschaft. Was bedeutet das?

Knett: Die Gewerkschaft setzt sich für Spieler ein, kümmert sich um Kollektivverträge und Weiterbildung. In Österreich wirst du außer bei Red Bull nicht reich und musst nach dem Fußball arbeiten gehen. Es ist der Job von mir und „Free“ (Christoph Freitag, Anm.), als Bindeglied zu fungieren.

In der Vergangenheit wurde über Schwarzgeld im heimischen Fußball gemunkelt – ist das noch ein Thema?

Knett: In Innsbruck gibt es das nicht, das Geld kommt pünktlich. Dass es das gegeben hat, hab’ ich aber anderswo selbst mitbekommen damals. Und ich glaube auch, dass die Vereine in Liga zwei mit Tricks arbeiten, die haben es aber auch schwer.

Warum?

Knett: Die zweite Liga ist bis auf drei, vier Vereine semiprofessionell, ein paar Vereine haben richtig daran zu knabbern. Ich glaube deshalb nicht, dass die 16er Liga gut ist, auch wenn die Gewerkschaft sehr dafür war.

Zumindest der Modus der neuen Bundesliga scheint attraktiv.

Knett: Das gilt vor allem für die Punktehalbierung, sonst wäre der Trainer in Altach wohl schon weg. So ist in der Tabelle noch alles offen, auch für uns ist das gut.

Wie sieht nun die Strategie fürs LASK-Spiel aus? Zieht sich die Mannschaft gemeinsam zurück?

Knett: Wir sind eine richtig geile Mannschaft, wir müssen uns nicht mit einem Abendessen aufs Spiel einschwören. Auch die Verletzten feuern uns an, so etwas zeichnet ein Team auch aus. Wir habe¬n einen Plan, und den werden wir umsetzen. In erster Linie geht es über den Kampf – und dass sich jeder in jeden Schuss reinwirft.

Das Gespräch führte Florian Madl