Letztes Update am Fr, 12.10.2018 09:02

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nationalteam

Heimstätte mit Ablaufdatum: Wie geht es mit dem Happel-Stadion weiter?

Sportminister Heinz-Christian Strache sprach sich zuletzt für eine neue, multifunktionelle Arena für rund 400 Millionen Euro aus. Dem ÖFB, der noch bis 2023 im Prater-Oval seine Heimspiele austragen darf, ist ebenfalls für diese Lösung.

© gepaBekommt Österreichs Nationalteam bald eine neue Heimat? Das in die Jahre gekommene Happel-Stadion soll einer neuen Arena weichen.



Wien – Nach viermonatiger Pause absolviert Österreichs Nationalmannschaft am Freitag in der Nations League gegen Nordirland wieder ein Länderspiel im Happel-Stadion. Durch eine Übereinkunft zwischen der Stadt Wien und dem ÖFB ist der Status des Prater-Ovals als Austragungsort von Partien des Teams bis Juni 2023 gesichert - und dennoch gibt es Fragezeichen.

Die drehen sich vor allem darum, was mit dem Happel-Stadion künftig passiert. Im Zuge der nun schon jahrelang schwelenden Diskussion um ein neues Nationalstadion liegen mehrere Varianten auf dem Tisch: eine umfassende Renovierung, einen Abriss samt Neubau an selber Stelle oder eine anderweitige Nutzung des Happel-Stadions, etwa als Freizeit-Immobilie. In letzterem Fall würde es, sofern die Gelder dafür freigemacht werden, einen Neubau des Nationalstadions an einem anderen Ort geben.

Multifunktions-Arena um 400 Millionen Euro

Vizekanzler und Sportminister Heinz-Christian Strache (FPÖ) konkretisierte kürzlich gegenüber dem TV-Sender „SchauTV“ seine Pläne. Etwa 400 Millionen Euro soll die multifunktionelle Arena kosten, 180 Millionen davon sollen von einem privaten Investor kommen, den Rest würden sich Bund und Stadt Wien teilen.

„Es gibt Interessenten für das Projekt. Wir wollen eine Ganzjahreslösung mit Umbaumodulen, damit wir alle Sportarten dort betreiben und Konzerte veranstaltet werden können“, sagte Strache. Auch die Errichtung eines Leistungszentrums, einer Sportschule und eines Sportmuseums seien angedacht.

In einer Stellungnahme gegenüber der APA meinte der Vizekanzler außerdem: „Österreich braucht ein modernes Nationalstadion, das ist mir bewusst. Jedoch ist ein Nationalstadion kein Tennisplatz. Ein Stadion dieses Ausmaßes muss umfassend durchdacht sein. Es muss die Standortfrage aus unterschiedlichen Blickwinkeln geprüft werden.“

Weiters teilte Strache mit: „Mir ist es wichtig, dass es für ein Nationalstadion - ob Neubau oder Umbau - ein Konzept und einen Businessplan gibt, wie die Sportstätte nicht nur für Fußball, sondern umfassender genützt werden kann und am besten 365 Tage im Jahr optimal ausgelastet sein könnte.“

Offene Ohren beim ÖFB

Mit diesem Plan stößt Strache beim ÖFB prinzipiell auf offene Ohren. „Eine multifunktionale Arena zu errichten, die nicht nur dem Fußball dienen soll, sondern neben anderen Events auch für andere Sportarten zur Verfügung steht, erhöht die Wahrscheinlichkeit wesentlich, dass sich das Projekt refinanzieren lässt“, sagte Bernhard Neuhold, Geschäftsführer der ÖFB Wirtschaftsbetriebe GmbH.

Knackpunkt seien die Kosten. „Das Thema Finanzierung muss von der Politik geklärt werden. Der ÖFB ist natürlich bereit, einen symbolischen Beitrag zu leisten, aber eine maßgebliche Finanzierung übersteigt unsere Möglichkeiten“, betonte Neuhold.

Neben dem Bund ist also die Stadt Wien gefordert. Deren Sportstadtrat Peter Hacker (SPÖ) teilte mit, mit dem Sportminister bestehe „ein sehr gutes Gesprächsklima“ und die Einigkeit, „dass für eine etwaige ganzjährige Nutzung ein realistisches Gesamtbetriebskonzept notwendig ist, das vor allem auch Fragen der Finanzierbarkeit miteinschließt. Wir sind gerne bereit, die Gespräche mit dem Büro des Vizekanzlers fortzusetzen, sobald ein solches Konzept vorliegt.“ (APA)