Letztes Update am Fr, 12.10.2018 14:04

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nations League

Österreich gegen Nordirland: Die Zeit ist reif für neue, legendäre Geschichten

Nordirland weckt beim ÖFB-Team nicht nur positive Erinnerungen: Im heutigen Duell (20.45 Uhr/TT.com-Live-Ticker und ORF eins) im Rahmen der UEFA Nations League geht es um den Anschluss an Tabellenführer Bosnien.

© gepaDie Agenden beim ÖFB-Team konzentrieren sich auf den möglichen Kapitän Marko Arnautovic.



Aus Wien: Tobias Waidhofer

Wien – Noch steckt die UEFA Nations League in den Kinderschuhen. Trotzdem wartet auf das österreichische Fußball-Nationalteam heut­e (20.45 Uhr/TT.com-Live-Ticker) im zweiten Spiel des neugeschaffenen Bewerbs bereits ein kleines Finale. Will man den angepeilten ersten Platz in der Gruppe B3 noch schaffen, gerät ein Sieg gegen Nordirland fast zur Pflichtaufgabe.

Abgesehen von der leidigen Kapitäns-Diskussion um Marko Arnautovic sind die zahlreichen Ausfälle eine Konstant­e des bisherigen Teamlehrgangs: Nach den Absagen von Alaba, Grillitsch und Gregoritsch zittert Teamchef Franco Foda nun auch um Schalke-Angreifer Guido Burgstaller, der mit muskulären Problemen zuletzt nicht am Mannschaftstraining teilnehmen konnte und gestern beim Abschlusstraining unter Ausschluss der Öffentlichkeit noch einen Versuch starten wollte.

Stürmer auf beiden Seiten im Fokus

Damit fällt das Scheinwerferlicht noch stärker auf den 35-jährigen Rückkehrer Marc Janko, der vor allem aufgrund seiner Physis und Kopfballstärke gegen die körperlich starken und großgewachsenen Nordiren ein Thema werden könnte. „Gerade Marc ist für dieses Spiel ideal“, bestätigte auch Foda. Beginnen wird im Sturmzentrum wohl trotzdem Marko Arnautovic. „Ich kenne Marko schon von den Jugendnationalteams. Deshalb kann ich sagen, dass der aktuelle Marko der beste aller Zeiten ist“, injizierte Stefan Ilsanker seinem Kollegen noch einmal verbal Selbstvertrauen.

Für heute erwartet sich der RB-Leipzig-Legionär ein „attraktives Spiel. Gegen Teams von der Insel ist es immer schwer.“ Doch die Nord­iren zeichnen sich nicht nur durch Physis und Kampfkraft aus, die Briten mit Premier-League-Kickern wie Steven Davies (Southampton) und Johnny Evans (Leicester) zelebrieren durchaus auch Offensiv-Fußball. Das hat sich schon beim unverdient verlorenen Nations-League-Auftakt gegen Bosnien (1:2) gezeigt. Das Hauptthema bei den nordirischen Journalisten stellte aber einer dar, der gar nicht in Wien weilte: Die Absage von Top-Stürmer Kyle Lafferty (Glasgow Rangers) tut weh. „Er ist nicht wichtiger als irgendein anderer. Er hat mir nur gesagt, dass er nicht zur Nationalmannschaft stoßen wird“, meint­e ein sichtlich enttäuschter Teamchef Martin O’Neill.

Gute Statistik ohne Alaba

Fehlen wird bei Österreich definitiv Bayern-Star David Alaba, was aber mit Blick auf die Statistik kein Beinbruch sein muss. Zuletzt verlor Österreich ohne den 26-Jährigen am 18. November 2014 im Test gegen Brasilien (1:2). Seither fehlte der Wiener in fünf Länderspielen – und die wurden allesamt gewonnen, nämlich gegen Russland (1:0), Serbien (3:2), die Republik Moldau (1:0), Uruguay (2:1) und Luxemburg (4:0).

Insgesamt weist der ÖFB gegen die Briten eine negative Bilanz auf: Vier Niederlagen stehen drei Remis und zwei Siegen gegenüber. Einen dieser „Dreier“ gab es auf den Tag genau vor 13 Jahren beim bisher letzten Aufeinandertreffen im Ernst-­Happel-Stadion. Beim damaligen 2:0-Erfolg im Rahmen der WM-Qualifikation 2006 unter Interimstrainer Willi Ruttensteiner kamen übrigens zwei Spieler (Ronald Gercaliu, Andreas Dober) zum Einsatz, die ihren Karriere-Endspurt aktuell in Schwaz bzw. Wattens absolvieren.

Zuvor gab es ja im Hinspiel schon das spektakuläre 3:3 in Belfast mit dem Tiroler Akademieleiter Roland Kirchle­r auf dem Rasen, in dessen Folge ein TV-Interview des damaligen Teamchefs Hans Krankl („Mir is’ das so wurst. Diese Mannschaft ist kolossal“) Kultstatus erhalten sollte. Zeit, um neue Geschichten zu schreiben. Am besten schon heute auf dem Rasen des Ernst-Happel-Stadions.