Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 22.10.2018


Bundesliga

Die leidenschaftlichen Betonierer vom FC Wacker

Mit der konsequenten und aufopfernden Defensivarbeit, die beim 1:1 den Siegeslauf der Salzburger Bullen stoppte, will der FC Wacker auch in Zukunft den Bundesliga-Gegnern das Leben schwer machen.

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Von Wolfgang Müller

Innsbruck – Angefangen vom coolen Rückhalt Hidajet Hankic über das Zentrumsbollwerk Matthias Maak, Stefan Meusburger sowie dem einmal mehr staubtrockenen Lukas Hupfauf, den verlässlichen Seitenspielern Albert Vallci/Michael Schimpelsberger, den zentralen Mittelfeld-Kampfmaschinen Bryan Henning, Roman Kerschbaum, Martin Harrer bis hin zum Sturmduo Cheikhou Dieng/Zlatko Dedic erkämpfte sich der FC Wacker sensationell ein Remis in Salzburg und kassierte ein kollektives Sonderlob.

Wenn man im Grunde keine Chance hat, dann heißt das im Fußball noch lange nicht, dass man chancenlos ist. Die Schwarzgrünen glänzten als leidenschaftliche Betonierer, die sich dem Sturmlauf der Bullen ohne Rücksicht auf Verluste entgegenwarfen. „Das war sicher nicht schön anzuschauen, noch dazu, wo ich für den offensiven Fußball bin. Aber in der jetzigen Situation brauchen wir Punkte und Resultate“, rechtfertigte Coach Karl Daxbacher die Abwehrschlacht. Sein Team hatte diesmal auch das nötige Glück. „Der Fußball-Gott hat auf uns runtergeschaut“, gab Goalie Hidajet Hankic auch zu. Der 24-Jährige kam zum Zug, weil Einser-Goalie Christopher Knett nach einer Schulteroperation ausfiel. „Tadellos. Er hat seine Chance bekommen und diese auch genützt“, zollte Daxbacher Hankic Lob. Durchaus möglich, dass er auch im Heimspiel gegen Austria im FCW-Kasten steht: „Gedanken muss man sich auf alle Fälle machen. Nach so einem Auftritt hätte er sich die nächste Chance verdient. Hängt natürlich auch mit dem Heilungsverlauf bei Knett ab“, so Daxbacher, der das „Beton anrühren“ mit der Fünfer-Abwehrkette durchaus als profundes Mittel für die nächsten Aufgaben sieht: „Wenn man damit Erfolg hat, ist es legitim, wieder auf dieses System zurückzugreifen.“

Dank der „Tiroler Mauer“ ging in Wals-Siezenheim eine stolze Serie zu Ende. Erstmals gaben die Bullen mit dem 1:1 in dieser Bundesliga-Saison und erstmals in einem Meisterschafts-Heimspiel in diesem Jahr Punkte ab. Von einer Trauerstimmung war man im Salzburger Lager aber weit entfernt, schließlich befinden sie sich national und international voll auf Kurs und sind seit nunmehr 50 Partien vor eigenem Publikum ungeschlagen. Daher verzichtete Trainer Marco Rose auch auf öffentliche Rüffel: „Es war eine ordentliche Leistung mit guten Ballaktionen, wir waren über 90 Minuten sehr dominant.“ Einen Kritikpunkt gab es aber doch, denn knapp zwei Minuten nach der mühsam erarbeiteten Führung wurde der Ausgleich kassiert. „Wir konnten das Tiroler Bollwerk brechen, in der Freude haben wir allerdings vergessen, konsequent zu verteidigen“, erklärte Rose.

Für Rechtsverteidiger Stefan Lainer war der verspielte Sieg „mehr als nur ärgerlich. Es ist zwar verschmerzbar, aber nicht unser Anspruch. Deshalb regiert die totale Enttäuschung.“ Goalie Cican Stankovic relativierte: „Wir haben zwei Punkte liegengelassen, doch unsere bisherigen Spiele waren überragend, da werden wir das verkraften.“

Sein Kollege Xaver Schlager gab sich gelassen. „Das war ein kleiner Rückschlag für uns, aber das nächste Match werden wir wieder gewinnen“, meinte der ÖFB-Internationale. Eingelöst werden kann das Versprechen bereits am Donnerstag wieder in der Red-Bull-Arena, wenn es in der Europa League gegen das punktlose Gruppe-B-Schlusslicht Rosenborg Trondheim geht.