Letztes Update am Mo, 29.10.2018 23:43

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Primera Division

Real Madrid zog Reißleine: Coach Lopetegui ist Geschichte

Der kriselnde Champions-League-Sieger Real Madrid hat sich von Trainer Julen Lopetegui getrennt. Der bisherige Betreuer der B-Elf, Santiago Solari, übernimmt interimistisch.

© ReutersTeamchef Lopetegui muss gehen.



Madrid – Die Amtszeit von Julen Lopetegui als Trainer von Real Madrid ist schon nach wenigen Monaten zu Ende. Der Champions-League-Sieger zog nach einer bisher enttäuschenden Saison samt 1:5-Niederlage im „Clasico“ beim FC Barcelona am Sonntag die Reißleine. Der Rauswurf stand quasi schon nach dem Debakel im Prestigeduell fest und wurde am Montagabend nach einer Vorstandssitzung offiziell bekanntgegeben.

Lopetegui hatte zwar am Montagvormittag noch das Training bei den „Königlichen“ geleitet, soll sich laut der Zeitung „Marca“ aber bereits am Sonntag nach dem Match von seinen Spielern verabschiedet haben. Wie Real mitteilte, werde der bisherige Trainer der B-Elf, Santiago Solari, vorerst als Interimstrainer fungieren. Die Nachfolgefrage ist noch nicht geklärt.

Für Lopetegui war es der zweite Rauswurf innerhalb kürzester Zeit. Kurz vor Beginn der WM hatte er aufgrund seines offiziell gewordenen Engagements ab Sommer bei Real seine Funktion als spanischer Teamchef verloren. Bei Real kam nun nach nur rund vier Monaten schon wieder das Ende. 14 Punkte aus zehn Ligaspielen und der aktuell neunte Rang sind viel zu wenig für die hohen Ansprüche der Madrilenen. Aus den jüngsten fünf Meisterschaftsspielen konnte nur ein Punkt geholt werden, das Duell mit Barca brachte das Fass zum Überlaufen.

So schlechte Debüt-Zahlen wie der 52-Jährige hatten Trainer bei Real nur in den 1920er, 1930er und 1940er Jahren. In der Clubmitteilung vom Montag hieß es, der bis 2021 laufende Vertrag mit Lopetegui werde aufgelöst, weil es eine „große Diskrepanz zwischen der Qualität des Kaders mit acht Nominierten für die diesjährige Wahl zum Weltfußballer des Jahres“ und den erreichten Ergebnissen gebe.

Die Fußstapfen von Zinedine Zidane waren für Lopetegui, der Real zumindest in der Champions League mit sechs Punkten aus drei Gruppe-G-Spielen auf Aufstiegskurs übergibt, also zu groß. Unter dem Franzosen hatte das Starensemble dreimal in Folge die „Königsklasse“ und 2017 zudem den Meistertitel gewonnen. Damals war allerdings auch der portugiesische Superstar Cristiano Ronaldo eine tragende Säule, die Nicht-Nachbesetzung des im Sommer zu Juventus Turin abgewanderten Stürmers dürfte sich im Nachhinein als großer Fehler herausstellen.

Nach Medienberichten will Clubboss Florentino Perez den joblosen Italiener Antonio Conte oder den derzeit bei Manchester United unglücklichen Ex-Real-Coach Jose Mourinho als Nachfolger und bereits 13. Trainer in seiner Ära holen. Zwei Männer, die wegen ihrer autoritären Persönlichkeiten berühmt-berüchtigt sind. Bis es zu einer Einigung kommt, wird Solari für das Team verantwortlich sein. Der 42-jährige Argentinier wird fix am Mittwoch im Cupspiel bei Melilla und wohl auch noch am Samstag im Ligaduell mit Real Valladolid auf der Bank sitzen.

Länger als zwei Wochen kann ein Trainer aber nach Verbands-Regeln nicht übergangsweise arbeiten. Die Zeit drängt also. Und die Gespräche mit Conte, Favorit Nummer eins von Perez, gestalteten sich plötzlich schwierig. Der 49-Jährige habe am Montag Perez unter anderem gesagt, er wolle das „Zukunftsprojekt“ des Clubs im Detail kennen und studieren, schrieb die Sportzeitung „AS“.

Bei den Spielern scheint Conte nicht die erste Wahl zu sein. Sergio Ramos sagte nach der Barca-Partie etwa als er von einem Journalisten gefragt wurde: „Conte ist ein Trainer der harten Hand, eine gute Lösung“? Die Antwort: „Respekt muss man sich verdienen und nicht aufzwingen wollen.“

Als Mourinho zwischen 2010 und 2013 Trainer bei Real war, hatte der eigenwillige Portugiese mit den Stars große Probleme. Das führte zu Konfrontationen nicht nur in der Kabine, sondern auch mit Medien und Fans. Mit „Mou“ holte der Verein nur je einmal den Pokal (2011) und den Titel in der Liga (2012). Mit einem anderen „harten Hund“ klappte es bei Real in der jüngeren Vergangenheit noch um einiges schlechter. Der Spanier Rafael Benitez wurde Ende 2015 schon nach nur wenigen Monaten im Amt vor die Tür gesetzt. (APA/dpa/Reuters)