Letztes Update am Mi, 31.10.2018 09:34

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bundesliga

Kripo stößt nach Prügelei auf Mauer des Schweigens

Die Ermittlungen nach der Massenschlägerei zwischen Fußball-Fans verlaufen zäh. Dennoch sind bereits zwölf Verdächtige ausgeforscht.

© gepaIm Tivoli-Stadion sorgten die Beamten für Ruhe und Ordnung.



Von Thomas Hörmann

Innsbruck – Niemand will am Samstagnachmittag dabei gewesen sein, verletzt wurde angeblich auch keiner: Bei den Ermittlungen nach der aufsehenerregenden Massenschlägerei zwischen Wacker- und Austria-Wien-Fans in der Maria-Theresien-Straße stoßen die Kripo-Beamten auf eine Mauer des Schweigens: Dennoch „konnten wir mittlerweile zwölf der insgesamt 30 bis 40 Beteiligten ausforschen“, sagt Ermittlungsleiter Ernst Kranebitter: „Zehn Tiroler und zwei Auswärtige.“ Allerdings bestreiten die bisher einvernommenen Verdächtigen, an der Schlägerei teilgenommen zu haben. Da bislang auch keine Verletzungen angezeigt wurden, „ermitteln wir derzeit lediglich wegen Sachbeschädigung“, so Kranebitter weiter, „weil Stühle und Aschenbecher aus einem nahen Lokal als Wurfgeschoße verwendet wurden und dabei zu Bruch gingen“.

Die Mauer des Schweigens hielt auch stand, als Polizeibeamte am Samstag nach der Prügelei einen offenkundig Beteiligten mit einem Nasenbeinbruch anhalten konnten: Er war nicht dabei und habe sich die Nase bei einem Unfall verletzt, so die Aussage des Verdächtigen. „Wir wissen auch von einem Armbruch, den sich ein Fan bei der Schlägerei am Samstag kurz nach 14 Uhr zugezogen hat“, erklärt der Kripo-Beamte. Wo die schwere Verletzung behandelt wurde, ist hingegen unklar: „In der Klinik war’s jedenfalls nicht.“

Wie hartnäckig die Verdächtigen ihre Beteiligung bestreiten, zeigt auch ein weiteres Beispiel. Ein Wacker-Fan hatte das Pech, seine Tasche am Schauplatz der Auseinandersetzung verloren zu haben. So geriet er auch in den Fokus der Ermittler. Er sei schon Stunden zuvor in der Maria-Theresien-Straße gewesen und habe da die Tasche verloren, so die Rechtfertigung des Verdächtigen. Allerdings konnten die Beamten den Fan auch auf dem Video erkennen, das unbeteiligte Zeugen von der Schlägerei angefertigt haben. Na ja, dabei sei er schon gewesen, habe aber nichts getan, änderte der Verdächtige plötzlich seine Verantwortung. Wer die anderen Schläger waren, wisse er natürlich auch nicht.

Keine zufällige Begegnung in der Innenstadt

Apropos Video – das 35 Sekunden kurze Filmchen dient den Ermittlern jetzt als wichtigstes Beweismittel. Polizisten, die mit der Tivoli-Fan-Szene in Verbindung stehen, versuchen, die Schläger zu identifizieren. Kein leichtes Unterfangen, zumal die meisten Beteiligten mit Kapuzen und Schals vermummt sind. Dennoch sollen schon Namen gefallen sein. Auch mindestens ein Handy wurde sichergestellt, das jetzt ausgewertet wird. Weiters soll auch das Landesamt für Verfassungsschutz Ermittlungen eingeleitet haben.

Die Polizei geht davon aus, dass die Prügelorgie nicht die Folge einer zufälligen Begegnung von Innsbrucker und Wiener Fans war. „Es liegt auf der Hand, dass das verabredet war“, vermutet Polizeioffizier Wolfgang Ostheimer, der den Einsatz beim Wackerspiel am Samstag leitete. Dafür spricht auch, dass beide Gruppen etwa gleich stark waren.

Kritik an der Polizei weist Ostheimer zurück. Wie berichtet, wirft FPÖ-Stadtparteiobmann Rudi Federspiel den Beamten vor, nicht vor Ort gewesen zu sein und die Schlägerei auch nicht verhindert zu haben.

„Wir begleiten die anreisenden Fans in den Zügen. Wir nehmen die Reisebusse mit den Fans schon an der Kufsteiner Grenze in Empfang und eskortieren sie bis ins Stadion“, sagt Ostheimer: „Aber wenn sie privat anreisen, ist es schwierig, davon Kenntnis zu erlangen.“ Fest steht, dass die Funkstreifen zwei Minuten nach dem ersten Notruf am Tatort eintrafen. Aber da war die Prügelei schon vorbei.