Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 04.11.2018


Fußball

Hooliganismus: Das Problem verdrängt, aber noch nicht gelöst

Hooliganismus ist in England nach wie vor ein Problem, er wurde lediglich aus der Premier League verbannt.

© imago/SportimageBei der WM 2018 prügelten sich russische und englische Fans im Stadion. Foto: imago



Innsbruck – Als 1996 die Fußball-EM in England ausgetragen wurde, war der Slogan „Football’s coming home“ („Der Fußball kehrt nach Hause zurück“) allgegenwärtig. Doch das Mutterland des Fußballs ist auch jenes des Hooliganismus, denn Ausschreitungen rund um Fußballspiele haben in England Tradition.

Im Jahr 2018 gelten die Arenen in London, Manchester oder Liverpool aber als sicherste Stadien der Welt. Warum ist das so? Die Spurensuche führt zurück auf den 15. April 1989, Tag der Hillsborough-Katastrophe. Damals starben beim FA-Cup-Halbfinale zwischen Liverpool und Nottingham 96 Menschen im Stadion in Sheffield. Es folgte der so genannte „Taylor-Report“, der sich mit dem Unglück beschäftigte und Empfehlungen aussprach, wie man die Sicherheit von Zuschauern in Fußballstadien gewährleisten könne.

Dass erst 27 Jahre später eine Untersuchungskomission bestätigen sollte, dass ein Fehler der Polizei und nicht Ausschreitungen der Zuschauer Auslöser der Tragödie von Hillsborough war, wusste damals noch niemand ...

In den 90er-Jahren führte der Verband den Großteil der Empfehlungen aus dem Taylor-Report verpflichtend ein: Seitdem wurde jedes Stadion in der Premier League zumindest modernisiert, die Ausbildung der Ordner professionalisiert, Stehplätze abgeschafft und restriktiv Stadionverbote ausgesprochen. Dass sich ausgesperrte Fans bei Spielen ihrer Klubs auf Polizeistationen melden müssen, habe sich ebenfalls bewährt.

In und rund um Premier-League-Stadien bleibt es – mit wenigen Ausnahmen – ruhig, was auch an den angehobenen Ticketpreisen liegt. Fußball-Touristen aus aller Welt haben die Arbeiterklasse aus den Fankurven verdrängt. Ausschreitungen beschränken sich auf die unteren Ligen oder Auswärtsreisen des Nationalteams. Wie zuletzt in Spanien, als sich Anhänger der „Three Lions“ Straßenschlachten mit der Polizei lieferten. Ganz ist das Problem auch in England nicht gelöst, es wurde „nur“ aus der Premier League verbannt.

Inzwischen geht der Verband aber einen Schritt zurück: Unter dem Motto „Safe Standing“ sollen bald wieder Stehplätze eingeführt werden – denn von einer Fankultur wie z. B. in Deutschland hat sich die Premier League längst verabschiedet.