Letztes Update am Mi, 03.04.2019 22:49

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


DFB-Pokal

Verrücktes Viertelfinale: Bayern schlägt Heidenheim in Pokal-Krimi

Mit 5:4 setzten sich die Münchner letztlich in der heimischen Allianz Arena gegen den Zweitligisten durch. Im letzten Viertelfinale schlug Werder Bremen den FC Schalke 04 mit 2:0.

Bayerns Stürmerstar Robert Lewandowski im Duell mit Heidenheim-Verteidiger Ramon Busch.

© AFPBayerns Stürmerstar Robert Lewandowski im Duell mit Heidenheim-Verteidiger Ramon Busch.



München – In einem irrwitzigen Pokal-Krimi hat der FC Bayern München einen bösen K.o. vor dem Bundesliga-Kracher gegen Borussia Dortmund so eben noch abgewendet. Der deutsche Rekordchampion besiegte am Mittwochabend nach einer Roten Karte für Fußball-Nationalspieler Niklas Süle (16. Minute) in Unterzahl einen entfesselt auftretenden Zweitligisten 1. FC Heidenheim so eben mit 5:4 (1:2). Der Spielverlauf riss die 75 000 Zuschauer in der ausverkauften Allianz Arena mit: 1:0, 1:2, 4:2, 4:4 hießen die Durchgangsstationen bis zum entscheidenden Tor von Robert Lewandowski. Der eingewechselte Pole verwandelte in der 84. Spielminute einen Handelfmeter zum Happy End für die Bayern.

Zuvor hatten Leon Goretzka (12.), Thomas Müller (53.), erstmals Lewandowski (56.) und Serge Gnabry (65.) für die wankenden Münchner getroffen. bei den Gäste, die nach dem Platzverweis von Süle ganz groß aufspielten, wäre der dreifache Torschütze Robert Glatzel (26./74./77., Foulelfmeter) fast zum Pokalhelden geworden. Die 2:1-Pausenführung hatte für den Außenseiter Kapitän Marc Schnatterer erzielt. Die Bayern ließen aber viele Kräfte vor dem BVB-Duell.

Nur in den ersten Minuten dieses Pokalfilms lief alles nach dem erwarteten Drehbuch. Nach einem Eckball von Joshua Kimmich köpfte Goretzka das 1:0. Das war‘s dann wohl, dachten die meisten Zuschauer in der Arena. War es aber nicht, weil Nationalspieler Süle nach einem Fehlpass von Thiago in Robert Andrich rauschte und den Heidenheimer mit seinem Foul eine Großchance raubte. Schiedsrichter Guido Winkmann zog die Gelbe Karte. Er korrigierte aber nach Intervention des Video-Assisteten sein Urteil nach eigener Anschauung der TV-Bilder und zückte doch Rot.

Heidenheims Spezialist Schnatterer zirkelte den fälligen Freistoß aus 20 Metern an die Latte. Bayern-Coach Niko Kovac musste handeln: Süles Position im Abwehzentrum übernahm Jérôme Boateng, weichen musste bei dem taktischen Wechsel Franck Ribéry. Heidenheim erkannte die Gunst der Überzahl: Schnatterers präzise Flanke köpfte Glatzel freistehend ins Tor. Und es kam noch besser, die Gäste konterten die unsortierten Münchner blitzsauber aus. Sebastian Griesbeck servierte den Ball klasse auf Schnatterer. „Mister Heidenheim“ überwand aus halbrechter Position Sven Ulreich, der erneut den angeschlagenen Manuel Neuer im Tor vertrat. 1:2 - zur Pause schwebten die Bayern in großer Not.

Torfestival in Halbzeit zwei

Kovac ging nun wie beim Pokern „All-in“. Er brachte die zunächst geschonten Offensivasse Robert Lewandowski und Kingsley Coman. Vor allem der Einsatz des leicht erkrankten Lewandowski war ein Gewinn. Die Kopfballvorlage des Polen verlängte Müller aus der Drehung volley ins Tor. Drei Minuten später war‘s umgekehrt: Müller auf Lewandowski, Tor, 3:2. In Unterzahl hatte der Favorit das Spiel wieder gedreht. Gnabry legte nach. War‘s das jetzt? Nein. Glatzel verkürzte. Und der Österreicher glich mit einem Elfmeter nach Foul von Mats Hummels an Maurice Multhaup sogar aus. Gnabry traf danach die Latte, Heidenheims Multhaup scheiterte frei vor Ulreich. Dann gab‘s Elfmeter, und der nervenstarke Lewandowski rettete die Bayern.

Bremen komplettiert Halbfinale

Werder Bremen hat sich im Spätspiel das vierte und letzte Ticket für das Halbfinale des DFB-Pokals gesichert. Die Werderaner setzten sich im Duell zweier Bundesligisten bei Vizemeister Schalke 04 mit 2:0 (0:0) durch. Die Tore erzielten Milot Rashica (65.) und Davy Klaassen (72.).

Bei Schalke kehrte ÖFB-Stürmer Guido Burgstaller nach seiner überstandenen Zahn-OP in die Startformation zurück. Der Kärntner traf kurz nach der Pause die Stange (52.). Bei den Bremern spielte Marco Friedl auf der rechten Abwehrseite durch, Landsmann Martin Harnik wurde in der 88. Minute eingewechselt.

Neben den Bremern und Rekordsieger Bayern München stehen auch RB Leipzig und der Zweitligist Hamburger SV im Halbfinale. Die Auslosung der Vorschlussrunde erfolgt am Samstag, die Finalplätze werden am 23. und 24. April vergeben. (dpa)