Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 07.05.2019


Champions League

Nach 0:3 in Barcelona: Liverpool hofft auf „Mythos Anfield“

Der FC Liverpool steht im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen den FC Barcelona vor einer Herkulesaufgabe. Die Reds müssen ein 0:3 aus dem Hinspiel wettmachen – ohne zwei ihrer Top-Stürmer.

Die phantastischen Fans an der Anfield Road sollen helfen, dass der FC Liverpool heute im Champions-League-Halbfinale gegen Barcelona das Unmögliche möglich macht.

© imago/ULMER PressebildagenturDie phantastischen Fans an der Anfield Road sollen helfen, dass der FC Liverpool heute im Champions-League-Halbfinale gegen Barcelona das Unmögliche möglich macht.



Liverpool – Liverpool hofft auf den „Mythos Anfield“, die Zeichen für ein fußballerisches Wunder stehen aber schlecht. Die Reds gehen mit einer 0:3-Hypothek ins heutige Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen den FC Barcelona. Zudem fehlt auch das stärkste Argument für eine Wende: Mohamed Salah wird aufgrund einer Kopfverletzung ausfallen.

Liverpools Top-Angreifer prallte am Wochenende in Newcastle mit dem gegnerischen Torhüter zusammen und wurde ausgetauscht. Trainer Jürgen Klopp berichtete gestern von einer Gehirnerschütterung. Dem Ägypter sei es deshalb auch nicht erlaubt zu spielen. Salah ist im Dreier-Sturm der Engländer der zweite Ausfall. Der Brasilianer Roberto Firmino fehlt aufgrund einer Muskelverletzung. Barcelona reiste ausgerastet an die Merseyside. Lionel Messi und Co. wollen den Traum vom dritten Triple der Clubgeschichte nach 2009 und 2015 weiterleben lassen.

Während die Katalanen auf dem Weg ins erste Endspiel seit dem Gewinn der Champions-League-Trophäe vor vier Jahren sind, muss Liverpool ein Kunststück schaffen, um wie im Vorjahr ins Finale vorzustoßen. „Wir sind nicht dumm. Wir wissen, es ist eine riesige Aufgabe. Jeder erwarte­t, dass Barcelona aufsteigt“, sagte Kapitän Jordan Henderson. Er erinnerte gleichsam an die an sich gut­e Vorstellung im Camp Nou, wo Liverpool Chancen auf ein Auswärtstor vergab.

19-mal in dieser Saison hat Liverpool drei oder mehr Tore in einem Spiel erzielt. Die größere Aufgabe wird wohl sein, das Duell gegen Barças Sturm mit Messi und Lui­s Suárez ohn­e Gegentor zu überstehen. Es darf erwartet werden, dass die Gäste mit Gegenstößen aus einer gesicherte­n Abwehr agieren. Barcelonas Defensivverbund um Abwehrchef Gerard Piqué hat immerhin 13 der jüngsten 20 Pflichtspiele ohne Gegentreffer beendet. Klopp wusst­e: „Wenn man gegen Barcelona Risiko geht, werden sie dich bestrafen.“

Neben Salah und Firmin­o fehlt Liverpool auch der ebenfalls verletzte Naby Keit­a. Klopp fiel die Rolle als Optimist schwer. „Wir werden versuchen zu gewinnen. Das macht Sinn. Aber die Situation ist nicht so, wie man es sich wünscht“, meinte der Deutsche. Er hoffte auf ein „angemessenes“ Finish der Champions-League-Teilnahme. „Das ist der Plan. Wenn wir es schaffen, wunderbar. Wenn nicht, dann lasst uns auf die allerschönste Weise scheitern“, erklärte Klopp.

Barcelona reiste bestens vorbereitet auf die Insel. Trainer Ernesto Valverde gönnt­e seiner Stamm-Elf am Wochenende eine Pause, Barças junge B-Elf unterlag bei Celta Vigo mit 0:2. Die erste Niederlage nach 23 Pflichtspielen war eine verschmerzbare. Mehr weh tat Barcelona, dass Ousmane Dembélé für Liverpool passen muss. Der Franzose laboriert wieder einmal an einer Muskelblessur.

Die in Barcelona erscheinende Mundo Deportivo warnte: Kein anderes Stadion im europäischen Fußball sei so „einschüchternd“ wie Anfield. Richten soll es wieder Lionel Messi. Der Doppeltorschütze aus dem Hinspiel hält schon bei zwölf Toren im laufenden Bewerb, 48 sind es insgesamt in 46 Saisonspielen. Sein Hunger nach dem Sieg in der Königsklasse ist groß. Messi warnte nach dem Heimspiel vor zu großer Euphorie. „Wir treten in einem Stadion mit großer Historie an, wo die Fans ihr Team wirklich antreiben. Wir wissen, es ist noch nicht vorbei“, betonte der Argentinier.

Valverde rief das Scheitern vor einem Jahr ins Gedächtnis. Nach einem 4:1 zu Hause unterlag Barcelona damals im Viertelfinale bei der AS Roma mit 0:3. Gerade das Resultat von Rom sollte ein Argument gegen einen Einbruch sein. Die Lehren daraus wurden gezogen. So konnte Valverde in den vergangenen Wochen seine Stars schonen, da die Marschrichtung zur Titelverteidigung in der Liga stimmte. „Wir haben den Vorteil, bereits Meister zu sein. Das wollen wir nutzen“, sagt­e er zuletzt. Liverpool befindet sich indes im beinharten Zweikampf mit Mancheste­r City um den Titel in der Premie­r League.