Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 07.06.2019


EM-Quali

ÖFB-Team gegen Slowenien unter Druck: Erstes Endspiel am dritten Spieltag

Nach den zwei Auftaktniederlagen weist das Match heute (20.45 Uhr, Live-Ticker auf TT.com) gegen Slowenien bereits Finalcharakter auf: Schon in Klagenfurt steht eine mögliche EM-Qualifikation auf dem Spiel.

So nicht, Herr Ilicic! ? Marko Arnautovic und Co. ziehen heute wieder gegen Slowenien in die Schlacht.

© gepaSo nicht, Herr Ilicic! ? Marko Arnautovic und Co. ziehen heute wieder gegen Slowenien in die Schlacht.



Aus Klagenfurt: Tobias Waidhofer

Klagenfurt – „Defensiv kompakt stehen, zügig und entschlossen nach vorne spielen, selbstbewusst auftreten“ – und vor allem: „Nie nachlässig werden und unabhängig vom Ergebnis fokussiert bleiben.“ Die Vorgaben von ÖFB-Teamchef Franco Foda für das heutige EM-Qualifikations-Duell mit Slowenien in Klagenfurt (20.45 Uhr, live ORF eins) sind klar formuliert und im letzten Punkt stark inspiriert von der 2:4-Niederlage in Israel. Damals hat die ÖFB-Elf auch verloren, weil Grundtugenden des Fußballs vernachlässigt wurden.

Die bittere Nacht von Haifa ist zwar nicht vergessen, aber abgehakt. „Was wir besser machen können, ist für uns klar“, sagt Kapitän Julian Baumgartlinger. Im Wissen, dass bei einem ausbleibenden Sieg heute auch die EM 2020 in unerreichbare Ferne geraten würde. „Wir haben ein Heimspiel, das wir gewinnen wollen und in dieser Konstellation auch müssen.“

Ähnlich ordnet Teamchef Franco Foda die Lage ein: „Das Spiel hat einen gewissen Finalcharakter. Es geht für beide Teams um viel. Das muss uns bewusst sein.“

Neben dem Tiroler Alessandro Schöpf (Knie) fehlt dieser Tage mit Florian Grillitsch (Knochenödem in der Hüfte) auch ein Kandidat für die Mittelfeldzentrale, vieles deutet als Ersatz auf den Salzburger Xaver Schlager hin. Auf dieser Position hatte der 21-Jährige ja bis zu seiner Verletzung auch schon beim Test in Dänemark im Oktober 2018 eine starke Leistung geboten.

Dass nach den jüngsten Niederlagen gegen Polen und Israel auch Spekulationen um eine mangelnde Hierarchie im ÖFB-Team aufgekommen sind, wischt Foda beiseite. Vergangenes Jahr habe man bei den Testspielen viele Führungspersönlichkeiten auf dem Platz gesehen. Der Deutsche nannte dabei Julian Baumgartlinger, Marko Ar­nautovic, Martin Hinteregger und Aleksandar Dragovic namentlich. „Außerdem muss jeder Verantwortung übernehmen.“

Mut machen für heute auch zwei statistische Details: Zum einen hat das ÖFB-Team die vergangenen drei Matches in Klagenfurt gewonnen, zum anderen war eines davon ein 3:0 gegen den heutigen Gegner am 23. März 2018. „Das ist wahrlich eine gute Erinnerung, aber sie bringt uns heute nichts“, blickt Kapitän Baumgartlinger nur halbherzig zurück.

Vor allem, weil die Slowene­n nicht mehr die sind, die sie einmal waren: Im November kehrte der ehemalige GAK- und Spittal-Legionär Matjaz Kek, der das Land zur WM 2010 geführt hatte, auf den Teamchefposten zurück. Der große Star seiner Auswahl ist Atlético-Madrid-Goalie Jan Oblak, für viele Experten einer der besten Keeper der Welt. Auch der mittlerweile für Saint-Étienne tätige Ex-Rapid-Stürmer Robert Beric zählt zum Kader der Slowenen – im Gegensatz zu Leipzigs Kevin Kampl. Der Ex-Salzburger hat seinen Rücktritt vom Nationalteam erklärt. „Sie haben mit Verbic (Kiew, Anm.) und Ilicic (Bergamo, Anm.) viel Qualität auf der Außenbahn“, warnt Foda. Qualität hin, Qualität her: Österreich muss heute gewinnen.