Letztes Update am Di, 14.05.2019 14:57

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Champions League

Manchester City droht Ausschluss aus der Champions League

Hintergrund sollen Verstöße gegen die Regeln des Financial Fair Play der Europäischen Fußball-Union. Der englische Meister könnte ein Jahr ausgeschlossen werden. Für City sind die Anschuldigungen „völlig falsch“.

Nach der Meisterfeier könnte der große Schock für Pep Guardiola kommen.

© AFPNach der Meisterfeier könnte der große Schock für Pep Guardiola kommen.



New York/Manchester – Manchester City droht der Ausschluss aus der kommenden Champions League. Englands alter und neuer Meister ist bei einer Prüfung durch Europas Fußballverband offenbar durchgefallen, laut einem Bericht der „New York Times“ soll die UEFA-Finanzkontrollbehörde die Empfehlung abgeben, City für mindestens eine Saison aus der Königsklasse auszuschließen. Es geht um Verstöße gegen das Financial Fair Play.

ManCity verlautbarte in einem Statement, dass man in der laufenden Untersuchung im besten Glauben voll mit der UEFA-Behörde kooperiere. Man sei aber beunruhigt darüber, dass sich die NY Times auf mit dem Fall vertraute Personen berufe. Dies bedeute entweder, dass das Vertrauen von City in die Finanzkontrollbehörde unbegründet sei, oder, dass beabsichtigt werde, den Ruf des Clubs zu beschädigen.

Die Anschuldigungen wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten seien „völlig falsch“, schrieb City. Umfassende Beweise dafür seien der UEFA-Behörde vorgelegt worden. Die UEFA wollte ihrerseits laufende Ermittlungen nicht kommentieren.

Ermittlungen im März aufgenommen

Die UEFA hatte im März Ermittlungen gegen City wegen finanzieller Unregelmäßigkeiten eingeleitet. Dabei ging es um Vorwürfe gegen den Club im Zuge einer Hacker-Attacke. So berichtete das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ im Rahmen der Football Leaks, City habe die UEFA getäuscht, um die Finanzregeln zu umgehen. Citys Sponsoren aus Abu Dhabi sollen weniger Geld an den Club überwiesen haben, als sie in den Verträgen angaben. Club-Besitzer Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan soll über Jahre verschleierte Zahlungen getätigt haben.

City hatte den Schritt der UEFA begrüßt. Dies eröffne die Möglichkeit, die Spekulationen zu beenden. Der ehemalige belgische Regierungschef Yves Leterme hat als Leiter der UEFA-Finanzkontrollbehörde nun das letzte Wort. Der 58-Jährige wird seine Empfehlung in den kommenden Tagen an die rechtsprechende Kammer der UEFA weiterleiten. Wie eine Quelle der „New York Times“ mitteilte, seien Citys Erklärungen in dem Fall jedenfalls „nicht überzeugend“ gewesen.

Mögliche Sperre nicht in der kommenden Saison

Eine mögliche Sperre für die kommende Saison der Champions League ist aufgrund des zu erwartenden Einspruchs aber unwahrscheinlich, wie englische Medien meinten. City könnte noch bis vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) ziehen. Deshalb könnte es auch noch dauern, bis die UEFA ihr Urteil vermeldet.

Die von Pep Guardiola betreuten „Citizens“ hatten sich erst Sonntag ihren sechsten englischen Meistertitel gesichert. National könnte City sogar das Triple schaffen. In der Champions League läuft der Club zum Ärgernis seiner Besitzer aus Abu Dhabi aber einem Erfolg hinterher. Heuer kam im Viertelfinale gegen Tottenham das Aus.

Die Causa bei der UEFA ist nur eine von insgesamt vier unterschiedlichen Untersuchungen, denen sich City derzeit stellen muss. Der Weltverband FIFA ermittelt aufgrund der verbotenen Verpflichtung von Minderjährigen, City droht dabei eine Transfersperre. Die Premier League beschäftigt sich ebenfalls mit finanziellen Ungereimtheiten, die im Zuge der Football Leaks aufgedeckt wurden. Englands Fußballverband untersucht Vorwürfe, der Verein habe rund 230.000 Euro an einen Berater bezahlt, um den damals 14-jährigen Jadon Sancho (nun bei Dortmund) von Watford zu verpflichten.

„Financial Fair Play“ gilt seit 2010

Die UEFA führte das „Financial Fair Play“ (FFP) 2010 mit dem Ziel ein, Clubs zu einem vernünftigen Wirtschaften zu bewegen. Kernpunkt ist, dass Vereine nicht mehr Geld ausgeben, als sie erwirtschaften. Zuwendungen von Sponsoren müssen marktüblichen Charakter haben. Manchester City wurde 2014 im Zuge von Verfehlungen gegen das FFP bereits zu einer Strafzahlung von 49 Millionen Pfund (56,75 Mio. Euro) verurteilt. Frankreichs in katarischem Besitz stehenden Meister Paris Saint-Germain ereilte dasselbe Schicksal.

Eine strengere Bestrafung soll laut einem „Spiegel“-Bericht der damalige UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino verhindert haben, indem er den Clubs beratend zur Seite stand. Der damals im Raum stehende Ausschluss aus der Champions League soll dadurch verhindert worden sein. Der nunmehrige FIFA-Boss Infantino ortete eine Diffamierungskampagne. „Es gibt nichts, wofür man sich schämen müsste“, sagte Infantino zu seinen Verhandlungen mit Club-Vertretern. Die Form der Gespräche sei im Interesse der UEFA gewesen. (APA/dpa)