Letztes Update am Do, 23.05.2019 13:10

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


WM 2022

ÖFB-Präsident Windtner über Aus für Mega-WM in Katar nicht überrascht

Für das rot-weiß-rote Oberhaupt war es schon länger ersichtlich, dass eine Erweiterung nicht möglich ist. Die Enttäuschung hält sich bei Windtner in Grenzen.

Leo Windtner will nicht von zusätzlichen WM-Startplätzen für Europa abhängig sein.

© gepaLeo Windtner will nicht von zusätzlichen WM-Startplätzen für Europa abhängig sein.



Wien – Die am Mittwoch offiziell abgesagte Aufstockung der WM 2022 in Katar von 32 auf 48 Mannschaften kam für ÖFB-Präsident Leo Windtner wenig überraschend. Es sei schon seit längerem offensichtlich gewesen, dass eine Erweiterung des Teilnehmerfeldes nicht machbar wäre, sagte der Oberösterreicher.

„Ich bin immer davon ausgegangen, dass die WM mit 32 Mannschaften ausgetragen wird“, erklärte Windtner. Für die sportliche Qualität des Turniers sieht der Verbandschef positive Konsequenzen. „Bei 48 Mannschaften wäre die Weltmeisterschaft sicher etwas verwässert worden.“

Allerdings bedeutet die abgesagte Aufstockung auch, dass Europa für die Endrunde 13 und nicht 16 Startplätze zur Verfügung hat - ein für Österreich nicht unwesentliches Detail. „Trotzdem hält sich meine Enttäuschung in Grenzen. Natürlich wären unsere Chancen auf eine Teilnahme etwas besser gewesen, aber jetzt müssen wir eben alles dafür tun, um bei den 32 Teams dabei zu sein. Dafür sind wir durchaus gerüstet“, sagte Windtner. (APA)

Club-WM und Global Nations League in der Warteschleife

Mit der Entscheidung der FIFA, die WM 2022 nicht von 32 auf 48 Teams aufzustocken, ist eines von Gianni Infantinos Lieblingsprojekten gescheitert. Der FIFA-Präsident hat bei seiner Expansionspolitik weitere Baustellen:

CLUB-WM: Ab Sommer 2021 sollen bei der Weltmeisterschaft der besten Vereine 24 statt 7 Teams alle vier Jahre einen Champion ausspielen. Das neue Format, für das die jährliche Club-WM wegfällt, ist zwar beschlossen. Doch die europäischen Vereine leisten Widerstand. „Wir sind derzeit nicht bereit, an diesem Wettbewerb teilzunehmen“, sagte der Vorsitzende der European Club Association (ECA), Andrea Agnelli, Ende März in Amsterdam. Die Vereine verweisen auf den gültigen Terminkalender, der bis 2024 festgeschrieben ist. Für danach solle das Thema neu bewertet werden, so die ECA.

Noch hat Infantino Zeit, die kritischen Clubs und die UEFA zu überzeugen. Im März gab sich der FIFA-Boss bei der Sitzung des Weltverband-Councils in Miami optimistisch: „Ich bin sicher, dass in den kommenden Wochen auch die Diskussionen mit der UEFA Früchte tragen werden.“

Das aktuelle Vorhaben der ECA, die Champions League ab 2024 zu reformieren, wertet Infantinos Projekt allerdings zusätzlich ab. Die Königsklassen-Pläne sehen ein dreistufiges Ligen-System mit Auf- und Abstieg zwischen den Ligen vor. Der Sieger - eine Art Club-Europameister - wird diesem Modell zufolge unter den 32 Mannschaften gekürt, die in der Liga A spielen.

GLOBAL NATIONS LEAGUE: Auch bei dieser von Infantino unterstützten weltweiten Liga für Nationalteams kommt der größte Gegenwind aus Europa. Die Europäer sehen ihre kontinentale Nations League gefährdet. Die Global Nations League war essenzieller Bestandteil eines von Infantino propagierten 25-Milliarden-Dollar-Investments durch namentlich nicht genannte Geldgeber. Aus Sicht einer vom Weltverband eingesetzten Arbeitsgruppe gibt es hier aber „noch mehr Arbeit“ zu tun, bevor überhaupt „konkrete Vorschläge“ gemacht werden könnten.