Letztes Update am Fr, 24.05.2019 11:47

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bundesliga

Keine Geschenke für den FC Wacker von Ex-Trainer Schmidt

Ex-Wacker-Coach Klaus Schmidt ist froh, dass er im Entscheidungsspiel am Samstag (17.00 Uhr/live TT.com-Ticker) nicht in der Haut von FCW-Trainer Thomas Grumser steckt, und sagt im Tivolistadion beim SV Mattersburg eine Rotation an.

Als Wacker-Trainer fühlte sich Klaus Schmidt pudelwohl. Deshalb schmeckte der Abschied besonders bitter.

© gepaAls Wacker-Trainer fühlte sich Klaus Schmidt pudelwohl. Deshalb schmeckte der Abschied besonders bitter.



Von Wolfgang Müller

Innsbruck — Dass sich der FC Wacker zum Saisonfinale nur mit einem Pflichtsieg gegen Mattersburg aus dem Abstiegsstrudel retten kann, birgt Brisanz zur Potenz. Erstens sorgt der Überlebenskampf im Fernduell zwischen dem FC Wacker und Hartberg ohnehin für Zündstoff, zweitens gastiert mit Klaus Schmidt ein Coach mit „extremer" schwarzgrüner Vergangenheit im Tivolistadion. „Die eineinhalb Jahre als Wacker-Trainer genoss ich bis auf die letzte Runde wirklich in vollen Zügen", blickt der 51-Jährige kurz zurück, bringt die gegenwärtige Lage aber schnell auf den Punkt. „Mich interessiert zum Saisonfinale nur der SV Mattersburg. Und bei diesen Überlegungen spielt auch die morgige Partie im Tivoli eine Rolle."

Fokus liegt auf den Play-off-Spielen

Damit meint Schmidt nicht, dass man sich im Leben immer zweimal trifft und die Rechnung der kuriosen Entlassung vor drei Jahren beglichen werden kann. „Überhaupt nicht. Erstens bin ich froh, dass ich am Samstag nicht selbst im Abstiegsstrudel stecke, zweitens wäre es mir viel lieber gewesen, die Tiroler hätten vor einer Woche schon den Klassenerhalt geschafft, und drittens liegt der Fokus voll und ganz auf den womöglich noch drei kommenden Play-off-Spielen." Was konkret heißt? „Es werden im Hinblick auf das Spiel am Dienstag gegen Rapid einige gegen den FC Wacker auflaufen, die zuletzt nicht dabei waren. Schließlich stünden uns bei einem Sieg gegen Rapid bereits am Donnerstag und Sonntag die beiden Spiele gegen Austria oder Sturm bevor. Also insgesamt vier Begegnungen in nur neun Tagen. Das ist schon heftig und gerade nach Ligaschluss absolut grenzwertig." Die logische Rotation gegen seinen Ex-Klub begründet Schmidt aber einzig und allein damit, dass es für Mattersburg im Kampf um die Europa-League-Qualifikation passen muss.

Mit Blick auf die explosive FCW-Situation fühlt Schmidt mit seinem Trainerkollegen mit: „Eine Extremsituation, die an die Nerven geht. In der Haut von Thommy Grumser möchte ich wirklich nicht stecken." Der ehemalige Wacker-Trainer weiß, wovon er spricht. Vor vier Jahren saß er selbst in einem Abstiegsendspiel auf der Tivoli-Trainerbank. „Das Entscheidungsspiel gegen Horn wird mir ewig in Erinnerung bleiben. Das Tivoli war mit knapp 14.000 Zuschauern voll und ich dachte mir vor dem Anpfiff nur, dass das wohl der grausigste Fußball-Friedhof wäre, wenn es nicht klappt." Schnee von gestern, der FC Wacker schaffte mit einem letztlich souveränen 3:0-Erfolg den Klassenerhalt in der zweiten Liga. Und Horn fand sich in der Regionalliga Ost wieder.

Schmidt: „Der Abschied schmeckte ganz bitter"

Hat Schmidt dieses Spiel und einen Großteil seiner Tiroler Zeit in bester Erinnerung, gibt es auch einen dunklen Fleck. „Klar, der Abschied schmeckte ganz bitter. Das vergess' ich nicht." Der Steirer wurde vor dem letzten Saisonspiel im Mai 2016 vom damaligen General Manager Alfred Hörtnagl entlassen. „Das war schon ein Schock. Schließlich waren wir Tabellendritter und vier Monate später wurde mein Nachfolger (Anm: Maurizio Jacobacci) dann als Schlusslicht beurlaubt. Aber vielleicht hat mir dieses leidige Szenario für meine zukünftige Karriereentwicklung sogar mehr genützt als geschadet." Also abgehakt und verarbeitet? „Jein. Der bittere Nachgeschmack ist immer noch da, aber das Fußballgeschäft ist halt so", weiß Schmidt mittlerweile die Emotionen im Profifußball einzuordnen und pflegt immer noch gerne seine Tiroler Kontakte. „Ich freue mich riesig, wenn ich Wacker-Leute wie Teambetreuer Gogo Feistmantl oder Busfahrer Harry Medwed sehe." Und Alfred Hörtnagl? „Dem geb' ich die Hand und fertig. Professionell würde die Beziehung als treffend bezeichnen."