Letztes Update am Mo, 27.05.2019 09:21

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wacker-Krise

Wie geht es weiter? Einen Plan B gibt es beim FC Wacker (noch) nicht

Der FC Wacker Innsbruck verharrt in Schockstarre. Und was die Zukunft anbelangt, tappen Verantwortliche und Angestellte derzeit noch im Dunkeln. Viel hängt auch davon ab, ob die WSG Wattens den Aufstieg in die Bundesliga schafft. Die Schwarzgrünen müssen so oder so den Gürtel enger schnallen.

Die Anhänger auf der Nordtribüne machten u.a. die Olympiaworld, den TFV und die Stadt Innsbruck für die Wacker-Misere verantwortlich.

© gepaDie Anhänger auf der Nordtribüne machten u.a. die Olympiaworld, den TFV und die Stadt Innsbruck für die Wacker-Misere verantwortlich.



Von Florian Madl

1. Frage: Wohin geht die Reise?

Noch gibt es keinen Plan B für den Fall des nun eingetretenen Abstiegs. Ein wenig fahrlässig wirkt das für ein Millionenunternehmen, doch in Wahrheit verwundert es kaum: Das Budget bestimmt die Zielsetzung – und das wird demnächst von 6 auf zumindest 4,5 Millionen Euro sinken. Vom Wiederaufstieg zu reden, erweckt den Eindruck, als müsste man einen VW Käfer nur umlackieren, um ihn für die Formel 1 aufzubereiten. Wie es also weitergeht? „Das besprechen wir in den kommenden Tagen“, hielt Präsident Gerhard Stocker gestern fest.

Dass es sofort wieder nach oben geht, scheint eher unwahrscheinlich. Viel eher wird man sich mit einigen Routiniers auf die derzeitige zweite Mannschaft konzentrieren. Erst konsolidieren, dann reüssieren. Zu tief sitzt der Stachel des Abstiegs nach einem Jahr des Wiederaufstiegs. Euphorie war heuer selten zu erkennen, zu sehr war der FC Wacker mit sich und dem Tabellenstand beschäftigt. Da wirkten Diskussionen wie jene übers Trainingszentrum geradezu befreiend. Der FC Wacker wird wohl auch 2020/21 zweitklassig bleiben.

2. Frage: Wer bleibt an Bord?

Die Frage müsste vielmehr lauten: Wer bleibt nicht an Bord? Denn nimmt man erste und zweite Bundesligamannschaft zusammen, ergeben sich gut 40 Spieler, von denen viele einen Vertrag ungeachtet der Ligenzugehörigkeit haben. Manuel Maranda wird nach England transferiert, einer wie Kapitän Christoph Freitag ist weg: „Der Verein hat Potenzial, aber offensichtlich gibt’s viel verbrannte Erde aus der Vergangenheit“, analysierte die personifizierte Beständigkeit. Tormann Christopher Knett bleibt wohl der Kopf der neuen Mannschaft, die soll ein vorrangig jugendliches Aussehen haben. Einer wie Matthäus Taferner könnte zum Schlüsselspieler avancieren.

Doch wie groß ist der Reiz für andere Talente, sich mit den Herausforderungen der Tiroler Eliteliga zu bescheiden? Und ob Trainer Thomas Grumser bleibt, steht in den Sternen. Seit dem Admira-Spiel soll seine Beziehung zu Manager Alfred Hörtnagl merklich erkaltet sein. Der Vertrag des Innsbruckers läuft bis 2021, aber eine gemeinsame Zukunft scheint unter diesen Voraussetzungen wohl nicht zielführend.

3. Frage: Wer zieht die Fäden?

Ein heikles Thema, stockte der FC Wacker Innsbruck sein Management doch im besten Unternehmerstil auf vier hauptamtliche Säulen auf. Ob sich der Verein das leisten kann? „Wir müssen alles überdenken, dürfen aber nicht zu weit zurückfahren“, gibt Präsident Stocker zu bedenken. Vor allem an Manager Alfred Hörtnagl (sportliche Belange) scheiden sich die Geister, bei den Fans hat das FC-Tirol-Urgestein längst keinen Stein mehr im Brett. Sinnbildlich: Dass der Matreier die Rapid-Einladung zu einem Sportdirektor-Hearing annahm, werteten viele in der Phase des Abstiegskampfs als No-Go.

„Ich kann doch einem Mitarbeiter nicht verbieten, ein Gespräch zu führen“, stellte sich Stocker vor Hörtnagl. Der Wipptaler meinte zu Schwarz-Grün: „Eigentlich ist es unter diesen Rahmenbedingungen in der Bundesliga fast unmöglich zu reüssieren.“ Was Stocker vorerst von ihm erwartet: Die Kaderplanung für die neue Saison soll der 52-Jährige übernehmen, „das kann auf die Schnelle nicht jemand anderer machen“. Und dann? „Werden wir uns zusammensetzen.“

4. Frage: Wie viel Geld bleibt?

Es ist weniger die abgespeckte zweite Liga, die dem FC Wacker Innsbruck Sorgen bereiten muss. Mit knapp drei Millionen Euro, das zeigt das Beispiel Wattens, ist man dort im Aufstiegsrennen. Aber will ein FC Wacker Innsbruck, der vorerst keine Aussicht auf mehr Geld hat, überhaupt aufsteigen und im Konzert der Großen mitspielen? „Wir müssen sowieso abwarten, was in Wattens passiert“, meinte Gerhard Stocker im Hinblick auf die möglicherweise neue Hackordnung in Tirol. Steigt die WSG auf, dann wird sich auch die Landespolitik schwertun, die Gelder der Landesunternehmen nach Innsbruck zu kanalisieren.

Mit Tiwag, Hypo, Olympiaworld und IKB stellte ein öffentlich-rechtliches Quartett das Gros des Wacker-Budgets. Und Wattens-Präsidentin Diana Langes machte klar, dass sie auf Verteilungsgerechtigkeit hoffe. Was die Situation ergänzt: „Die meisten Sponsorenverträge gelten nur für Liga eins“, erläutert der für Öffentlichkeitsarbeit zuständige Felix Kozubek. Der FC Wacker Innsbruck plant bald, aber noch weiß man nicht, womit.

5. Frage: Wo wird gespart?

„Es laufen Gespräche mit dem Tiroler Fußballverband“, erklärte Präsident Stocker auf die Frage, ob man sich künftig eine Eliteligamannschaft und eine in der Bezirksliga (Aufstieg wahrscheinlich) leisten will – aber das steht in den Sternen. Denn auch zwei Damen-Mannschaften und der Nachwuchs wollen berücksichtigt werden. „Vom sportlichen Aspekt halte ich eine dritte Mannschaft für verzichtbar“, glaubt TT-Experte Thomas Pichlmann nicht daran, dass einem Talent über das Tiroler Unterhaus der Weg ins Profitum gelingt.

Mit der jungen Zweitliga-Mannschaft ging eine wertvolle Plattform verloren – in Sachen Nachhaltigkeit wohl der größte Verlust für den Verein. Das von vielen Seiten geforderte Stufenmodell fehlt, „die Durchgängigkeit von unten nach oben haben wir nicht mehr“ (O-Ton Gerhard Stocker). In Sachen Infrastruktur sind die Sparvarianten für den Verein ohnehin begrenzt: Das Tivoli-Stadion hat ebenso wie das Stadionumfeld seinen Preis, die Zahl der Angestellten (Geschäftsstelle), Trainer und Mitarbeiter wird sich kaum reduzieren lassen.

6. Frage: Goodbye, Mieming?

Es wäre ja reizvoll gewesen, in Mieming eine professionelle Trainingsstätte nach dem Vorbild FC Südtirol aus dem Boden zu stampfen. Doch die Tatsache, dass sich Gemeinde und Vereinsführung einen Weg überlegt hätten, dass selbst ein Geschäftsmodell (u. a. Trainingslager für internationale Vereinsmannschaften) existiert, ändert nichts am Finanzierungsbedarf (8–10 Mio. €). Und somit bleibt diese Vision eine weitere, die bei aller Sinnhaftigkeit nur durch die Köpfe spukt.

Auch der Wunsch der Vereinsverantwortlichen, das Verhältnis zur Sponsorenlandschaft zu verbessern, erfüllte sich vorerst nicht. Und noch sind es bei allem Bemühen je nach Rechenart zu 70 Prozent öffentlich-rechtliche Unternehmen, die das Budget speisen (TV-Geld nicht eingerechnet). Von Visionen zu sprechen, erscheint in der augenblicklichen Situation vermessen. Was meinte Manager Hörtnagl im Oktober 2015 doch in einem Interview auf die Frage, wo der Wacker Innsbruck im Jahr 2020 sei? „Zurück an der österreichischen Spitze und damit berechtigt, international zu spielen.“