Letztes Update am Di, 04.06.2019 12:03

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


TT-Interview

Tiroler Bremen-Legionär Friedl: „Ich möchte Stammspieler werden“

Einst Stürmer in Kufstein und als bester Spieler eines U11-Turniers zum FC Bayern, jetzt Verteidiger in Bremen und bald als Teamspieler bei der U21-EM (16.–30. 6.): Der Aufstieg des Kirchbichlers Marco Friedl (21) verblüfft.

Nach Ende der Bundesliga-Saison und vor der U21-EM hatte Marco Friedl Zeit für einen Heimatbesuch in Kirchbichl.

© www.muehlanger.atNach Ende der Bundesliga-Saison und vor der U21-EM hatte Marco Friedl Zeit für einen Heimatbesuch in Kirchbichl.



Haben Sie mitbekommen, dass in Ihrer Tiroler Heimat die Fußball-Hierarchie nun eine andere ist?

Marco Friedl: Es interessiert mich schon sehr, was in der Heimat sportlich so los ist. Nachdem Wacker bedauerlicherweise abgestiegen ist, freut es mich, dass mit Wattens gleich wieder eine Tiroler Mannschaft in der Bundesliga spielt. Ich kenne Trainer Thomas Silberberger durch meinen Vater und mit Filip Oliver habe ich in der Nationalmannschaft gespielt. Ich finde, Wattens hat einen tollen Endspurt hingelegt und ist verdient aufgestiegen.

Werder Bremen gab kürzlich Ihre Verpflichtung vom FC Bayern bekannt. Was bewog Sie zu diesem Schritt?

Friedl: Die ersten Gespräche gab es schon im Winter. Mir wurde von Bremer Seite immer vermittelt, dass der Verein mich behalten möchte. Für einen jungen Spieler ist es schön, so ein Vertrauen zu spüren, und deshalb gab es dann auch keinen Gedanken an irgendetwas anderes. Ich möchte jetzt in Bremen Stammspieler werden und bin froh, dass ich bei Werder die Chance dazu habe.

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Kennen Sie Heimweh?

Friedl: Die ersten Wochen in Bremen waren schon eine ziemliche Umstellung, ich habe meine Freunde und Familie vermisst. Von Tirol nach München dauerte es etwa eine Stunde, Bremen war da schon etwas weiter weg. Aber der Verein und die Mannschaft, insbesondere mein Landsmann Florian Kainz, haben mich gut aufgenommen, sodass ich mich schnell einleben konnte. Es war definitiv der richtige Schritt!

Wer sind dort Ihre Freunde?

Friedl: Die Mannschaft versteht sich bestens, jeder kann mit jedem. Von allen kenne ich Claudio (Pizarro, Anm.) am längsten, mit Davy Klaassen, den Eggestein-Brüdern oder auch Kevin Möhwald unternehme ich auch privat öfter mal was.

Wie sehen Sie den Mentalitätsunterschied zwischen Norden (Bremen) und Süden (München)?

Friedl: Wir Tiroler sind sicher näher an der bayerischen „Mia san mia“-Mentalität. Aber ich muss sagen, dass mir die Bremer Mentalität ebenfalls sehr gut gefällt und auch unsere Fans zu den besten der Liga gehören.

Das zeigte sich in der Saison.

Friedl: Am Anfang gaben wir mit den Europacup-Plätzen ein sehr ambitioniertes Ziel aus, aber wir waren die ganze Saison knapp dran. Das gibt uns Auftrieb und ist Motivation für die nächste Saison. Ich denke, es ist nicht unrealistisch, dass wir es dieses Mal erreichen.

Marco Friedl (l.) konnte sich bei Werder Bremen empfehlen.
Marco Friedl (l.) konnte sich bei Werder Bremen empfehlen.
- gepa

Wie reagieren Ihre deutschen Kollegen auf einen Österreicher? Rennt sprichwörtlich der Schmäh?

Friedl: Ich bin nicht der erste Österreicher in Bremen, deswegen musste ich mir den einen oder anderen Spruch anhören. Das macht mir nichts aus, sondern ich teile dann auch ganz gern aus (lacht).

Ski fahren werden Sie vorerst wohl nicht dürfen.

Friedl: Generell wird das Thema sensibel behandelt, aber grundsätzlich verboten ist es nicht. Die Verantwortlichen wollen natürlich nicht, dass wir Spieler uns in der Freizeit bei einer anderen Sportart verletzen. Der Verein weiß aber, dass ich Ski fahre und das ein oder andere Mal am Berg bin – da passe ich aber gut auf und mache keine verrückten Sachen.

Sie haben intensiv Kontakt mit dem deutschen Rapper Bausa.

Friedl: Der Kontakt kam durch den österreichischen Musiker Joshi Mizu zustande, die beiden waren zusammen auf Tour in Bremen. Seitdem bin ich im Austausch mit ihm und war auch bei weiteren Konzerten. Bausa ist extremer Werder-Fan und mir gefällt auch, was er macht.

Man kann sich ein Video mit Ihnen im Hintergrund vorstellen.

Friedl: Ist aktuell nicht geplant, falls es aber mal dazu kommt, wäre das schön.

Was macht man in Bremen in der Freizeit?

Friedl: Es gibt den Bezirk Schlachte nahe der Weser, da finden sich viele Restaurants und Bars. Da ist es im Sommer schön und für mich ein guter Ausgleich, denn da reden wir nicht nur über Fußball.

Und Sie kochen sich selbst?

Friedl: Noch nicht, denn abseits von Toast und Salat bin ich weit weg, etwas Gutes selbst zu machen. Ich habe aber meiner Mutter versprochen, jetzt auch einen Kochkurs zu besuchen. Meistens gehe ich essen, und im Verein und bei Auswärtsspielen werden wir bekocht, da bekommen wir immer leckeres, ausgewogenes Essen.

Ihr Trainer Florian Kohfeldt gilt als Shootingstar im deutschen Fußball. Was macht ihn aus?

Friedl: Er ist jung und Bremen ist seine erste Profistation als Cheftrainer. Obwohl sehr viel Druck auf ihm lastet, lässt er uns das nicht spüren, und er ist sehr menschlich. Mir gefällt die Art und Weise, wie er trainiert und spielen lässt. Er weiß, wie er mit Spielern umzugehen hat, ob das jetzt ein erfahrener älterer Spieler oder junger Profi ist. Ich würde sagen, Flo und ich passen zusammen ...

Sie duzen ihn?

Friedl: Er hat mir das Du direkt angeboten. Vielleicht will er so nicht wahrhaben, dass er schon älter ist (lacht). Wir haben Spaß außerhalb vom Platz, spielen Tischtennis und Fußballtennis, aber am Platz ist er knallhart, da gibt es keinen Spaß mehr. Das wissen wir Spieler gut einzuschätzen.

Beim Nord-Rivalen HSV (2. Liga, Anm.) scheint der Druck größer zu sein.

Friedl: Die Unruhe dort bekommen wir natürlich mit und ich glaube, der Unterschied zwischen Bremen und Hamburg ist, dass man in Bremen auch in schweren Zeiten gelassener bleibt, was sich letztendlich immer ausgezahlt hat.

Lukas Hinterseer wechselt nach Hamburg, Alessandro Schöpf ist bei Schalke. Haben Sie Kontakt?

Friedl: Ale kenne ich von Bayern-Zeiten, ab und zu schreiben wir uns noch. Mit Lukas hatte ich noch keinen Kontakt – vielleicht ja jetzt ...

Die U21-Europameisterschaft (Gruppengegner Serbien, Dänemark, Deutschland) steht vor der Tür, Sie dürfen mit einem Stammplatz rechnen. Ihr Ziel?

Friedl: Die Vorfreude überwiegt, Österreich als erste U21-Mannschaft bei einer EM präsentieren zu dürfen. Wir kennen unsere Qualitäten und ich denke, alles ist möglich. Das Highlight in der Gruppenphase ist natürlich das Deutschland-Spiel. Was mich betrifft, so möchte ich natürlich viele Spiele machen.

Das Gespräch führte Florian Madl