Letztes Update am Fr, 07.06.2019 23:06

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


EM-Quali

ÖFB-Team holte mit 1:0 gegen Slowenien ersten Sieg in der EM-Quali

Den entscheidenden Treffer erzielte der kurz zuvor eingewechselte Kärntner Guido Burgstaller in der 74. Minute nach starker Vorarbeit von Marko Arnautovic.

Schreit sich nach dem Sieg den Frust von der Seele: Marko Arnautovic.

© gepaSchreit sich nach dem Sieg den Frust von der Seele: Marko Arnautovic.



Klagenfurt — - Österreichs Fußball-Nationalteam hat in der EM-Qualifikation für 2020 ein wichtiges Lebenszeichen abgegeben. Die Österreicher landeten am Freitagabend in Klagenfurt mit einem 1:0 (0:0) gegen Slowenien im dritten Anlauf den ersten Sieg im laufenden Bewerb. Das Goldtor vor 19.200 Zuschauern erzielte der kurz zuvor eingewechselte Guido Burgstaller in der 74. Minute.

Franco Foda hatte von einer Partie mit einem "gewissen Final-Charakter" gesprochen. Seine Mannschaft ersparte dem Nationaltrainer mit den ersten drei Punkten eine Teamchefdiskussion. Der Rückstand auf die ebenfalls siegreichen Konkurrenten Polen und Israel beträgt nach drei Runden aber weiterhin sechs bzw. vier Punkte. Nur die beiden Gruppenbesten lösen ihr Ticket für die EM 2020.

Die Österreicher mussten ohne Julian Baumgartlinger antreten. Beim Kapitän hatte sich eine Entzündung im Sprunggelenk in der Nacht verschlimmert, er reiste noch am Spieltag aus dem Teamcamp ab. Der Mittelfeldmann verpasst auch das nächste EM-Quali-Spiel am Montag (20.45 Uhr) in Nordmazedonien. Gegen die Slowenen kam an seiner Stelle Leipzig-Legionär Konrad Laimer zu seinem Länderspiel-Debüt, als Kapitän fungierte David Alaba.

In der Defensive kehrte Foda zur Viererkette zurück, im Vergleich zum jüngsten 2:4 im März in Israel gab es drei Änderungen in der Startformation. In dieser standen mit Torhüter Heinz Lindner, Aleksandar Dragovic, Alaba und Solospitze Marko Arnautovic nur vier Spieler, die noch nie für Salzburg aktiv waren. Alaba und Lazaro flankierten Solospitze Arnautovic an den Flügeln - ein Konzept, das schon beim bisher letzten ÖFB-Sieg im November in Nordirland (2:1) in der Schlussphase aufgegangen war.

Das ÖFB-Team war von Beginn an die spielbestimmende Mannschaft. Nach Querpass von Alaba klopfte Arnautovic erstmals am Tor an (12.), bei einem Schuss von Marcel Sabitzer packte Jan Oblak sicher zu (14.). Der Startorhüter der Slowenen machte auch die besten Chancen der Österreicher zunichte: Erst lenkte er einen etwas zu zentral angetragenen Kopfball von Sabitzer nach Alaba-Flanke zur Stange (25.), dann ging er aus einem Duell mit Xaver Schlager als Sieger hervor (33.).

Die Österreicher liefen sich immer wieder am Abwehrwall der Slowenen fest. Die Gäste beschränkten sich darauf, im Konter Nadelstiche zu setzen - brachten Lindner aber selten ernsthaft in Bedrängnis. Ein abgefälschter Schuss von Jasmin Kurtic ging am Tor vorbei (42.).

Simmungsboykott der ÖFB-Fans

In der zweiten Hälfte wachten auch die organisierten ÖFB-Fans auf. Ihrem angekündigten Stimmungsboykott vor der Pause hatten aber nicht alle Zuschauer auf der Fantribüne Folge geleistet. Am Spielgeschehen änderte sich vorerst wenig: Österreich war überlegen, aber nicht zwingend genug. Ein Lazaro-Schuss kullerte am Tor vorbei (59.).

Burgstaller kam für den ob des Wechsels unglücklich wirkenden Sabitzer ins Spiel. Keine drei Minuten später brach der Kärntner mit seinem erst zweiten Länderspieltor den Bann. Arnautovic behauptete den Ball nach einer Alaba-Flanke. Seinen Schuss vom Fünfereck konnte Oblak noch parieren, Schalke-Legionär Burgstaller staubte aber aus der Drehung zum umjubelten 1:0 ab. Im Finish riskierten auch die Slowenen mehr, Österreich brachte den Arbeitssieg aber über die Zeit.

Die Slowenen sind mittlerweile neun Partien sieglos. Österreich dagegen schrieb nach Niederlagen gegen Polen und Israel zum EM-Quali-Start erstmals in diesem Jahr an. Es war der dritte Sieg im siebenten Pflichtspiel unter Foda. Klagenfurt blieb ein guter Boden für das ÖFB-Team. Die vergangenen vier Länderspiele im Wörthersee-Stadion haben die Österreicher alle gewonnen. Um in der Quali-Gruppe G im Rennen zu bleiben, ist die Foda-Auswahl aber auch am Montag in Skopje gefordert. (APA)

Stimmen zum Spiel:

Franco Foda (ÖFB-Teamchef): "Wir haben zwei Spiele am Anfang nicht gewonnen. Es war für uns ein wichtiges Spiel, das sieht man auch an der Tabelle. Ich denke, dass der Sieg hochverdient ist. Wir hatten die besseren Möglichkeiten. In der zweiten Halbzeit sind wir ein bisschen schwerer ins Spiel gekommen, hatten aber auch gute Phasen. Dann ist uns das Tor geglückt. Der Sieg war absolut verdient. Wir haben zeitweise auch gut nach vorne gespielt. Wir haben im (zentralen) Mittelfeld mit enorm jungen Spielern gespielt, aber die haben das sehr gut gemacht. Wir haben ein Spiel gewonnen. Jetzt gilt es sich zu regenerieren, und dann müssen wir am Montag nachlegen."

Marko Arnautovic (ÖFB-Stürmer): "Ich denke, dass heute wichtig war, dass wir ruhig bleiben, dass wir weiter an uns glauben. Ich denke, dass wir die bessere Mannschaft im Großen und Ganzen waren. Die Chancenauswertung, da müssen wir besser noch werden. Wir haben den Glauben nicht verloren. Die drei Punkte sind da, aber es ist noch lange nicht vorbei. Wir brauchen mehr als drei Punkte. Wenn wir jedes Spiel die Leistung abrufen, die jeder Spieler drauf hat, bin ich mir sicher, dass wir noch mehr Punkte holen. Wir werden alles versuchen."
Konrad Laimer (ÖFB-Teamdebütant): "Wir wussten, dass es schwierig wird, dass Slowenien kicken kann, und auch was wir können. Das haben wir über weite Phasen des Spiels gezeigt. Wir hätten viel früher ein Tor machen können, haben es viel spannender gemacht als nötig. Die drei Punkte sind hochverdient. Ob unerwartet oder nicht - es war schön das erste Mal für das Nationalteam auflaufen zu dürfen. Ich habe mich riesig gefreut und von der ersten bis zur letzten Minute alles gegeben."
Matjaz Kek (Slowenien-Teamchef): "In der ersten Halbzeit haben wir ein bisschen Glück gehabt, da war Österreich klar überlegen. In dem Moment, als wir ein bisschen Ruhe reingebracht haben und selbst ein bisschen mehr fürs Spiel getan haben, bekommen wir dann so ein Tor. Österreich war um dieses eine Tor besser. Wir müssen über den nächsten Gegner nachdenken."