Letztes Update am Mi, 19.06.2019 19:54

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


2. Liga

FC Wacker kündigt allen Mitarbeitern: Im Budget fehlt noch eine Million

Der FC Wacker Innsbruck muss künftig “kleinere Brötchen“ backen. Der Tanz auf der finanziellen Rasierklinge geht weiter. Sportlandesrat Geisler zeigte sich von der Vorgehensweise der Schwarz-grünen “verwundert“.

Die Wacker-Verantwortlichen gaben die Pläne für die Zukunft bekannt.

© MadlDie Wacker-Verantwortlichen gaben die Pläne für die Zukunft bekannt.



Innsbruck — Der FC Wacker Innsbruck plant für die neue Saison mit einem Budget von vier Millionen Euro. Bislang sind allerdings nur drei Millionen Euro ausfinanziert, gaben die Vereinsverantwortlichen am Mittwoch auf einer Pressekonferenz bekannt. "Wir werden alles versuchen, diese Lücke so klein wie möglich halten und im September noch einmal schauen. Bis dahin werden wir ordentlich rudern müssen", sagte Präsident Gerhard Stocker.

Dazu gehört auch, dass allen Mitarbeitern der Geschäftsstelle Ende Juni im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten die Kündigung zugestellt werde (die TT berichtete). Eine Vorsichtsmaßnahme, wie das schwarz-grüne Oberhaupt betont. Sollte der finanzielle Drahtseilakt schiefgehen, müsse im Winter auf Amateurbetrieb umgestellt werden. Dazu müssten auch die rechtlichen Rahmenbedingungen vorbereitet werden. "Je länger wir warten, desto schwieriger wird es." Die ab Ende Juni laufenden Kündigungsfristen würden genutzt, um alles zu versuchen, zusätzliche finanzielle Mittel aufzustellen.

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Was das für die Zukunft der Mitarbeiter bedeutet? Von Fall zu Fall werde evaluiert, wie man weitermacht. Spätestens im September soll jeder über seine Zukunft Bescheid wissen, sagte das Wacker-Oberhaupt.

Der sportliche Bereich sei davon nicht betroffen, alle Mannschaften würden weiterspielen: "Das wäre optisch und vom Image her kein gutes Zeichen gegenüber Spielern, Eltern und Sponsoren, Mannschaften aus den Bewerben zu nehmen."

"Zweieinhalb Jahre auf der Rasierklinge getanzt"

Er sei optimistisch, dass "Fußball-Tirol nun aufwacht". Man habe jedenfalls schon "positive Signale" vonseiten der Sponsoren und Partner. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir in Tirol bzw. Entscheidungsträger so deppert sind, nicht zu erkennen, was hier an Möglichkeiten für die Zukunft aufgebaut wurde", richtete Stocker, der eine erneute Kandidatur für die Präsidentschaft gegen Ende des Jahres offen ließ, einen Appell.

Betont wurde auch, dass es gelungen sei, den Verlustvortrag bei seinem Amtsantritt 2017 von zwei Millionen Euro auf eine reale Null zu reduzieren. "Dafür sind wir zweieinhalb Jahre auf der Rasierklinge spazieren gegangen", gab Stocker zu bedenken.

Sportlich gesehen wurde das Thema Wiederaufstieg in die Bundesliga bereits am Tag nach dem Abstieg ad acta gelegt. Künftig wolle man sich als Plattform für junge Spieler neu positionieren und dafür auch in der 2. Liga bleiben. "Für junge Spieler stellt sich die Frage, wie komme ich am schnellsten in den Profi-Fußball. Dieses Schnittstelle bieten wir - mit Spaß, Esprit und tollem Fußball", stellte General Manager Alfred Hörtnagl klar.

Noch zwei drei Spieler werden verkauft

Mit Transfererlösen von rund 3,5 Millionen habe man das Budget in den Vorjahren immer wieder ausfinanziert. Auch in diesem Sommer sollen noch zwei bis drei Spieler verkauft werden, "bei den wir kleinere oder größere Summen einsammeln werden". Dabei wird es sich wohl um Juwel Matthäus Taferner sowie Goalie Christopher Knett oder Mittelfeldspieler Florian Rieder handeln.

So oder so wird der FC Wacker "kleinere Brötchen backen", wie Stocker betonte. Am geplanten Budget von vier Millionen hält er fest. Das sei der unterste Rahmen, um einen professionellen Betrieb aufrecht zu erhalten. (pim)

Sportlandesrat Geisler sieht ausreichen finanzielle Mittel

Das Land Tirol hält den finanziell angeschlagenen Bundesliga-Absteiger Wacker Innsbruck für die kommende Saison in der zweiten Liga - im Gegensatz zur Vereinsspitze - für ausreichend budgetiert. "Mit drei oder dreieinhalb Millionen Euro müsste ein Spielbetrieb aufrechtzuerhalten sein", sagte Sportlandesrat und LHStv. Josef Geisler.

Die von der Vereinsführung angekündigte neue Ausrichtung, auf junge heimische Talente zu setzen, sei zu begrüßen und müsste auch mit weniger Mitteln zu stemmen sein als in der Bundesliga, so Geisler. Schließlich habe auch die zweite Mannschaft des FC Wacker in der vergangenen Saison in der 2. Liga reüssiert.

Das Land Tirol fördere den Nachwuchs der WSG Wattens und des FC Wacker mit 500.000 Euro. Indes würden Gespräche zwischen der Wacker-Führung und den beiden Landesunternehmen Tiwag und Hypo Tirol über eine neue Sponsor-Zusammenarbeit laufen. Hier gebe es sicher "Möglichkeiten", aber es stehe ihm nicht zu, sich in diese Verhandlungen einzumischen. Dies sei Sache der handelnden Personen in den beiden Unternehmen. Sponsoring könne zudem nicht auf "Liebhaberei" basieren, sondern es müsse für die Unternehmen schon auch ein Werbewert bzw. eine Werbeleistung gegenüberstehen, betonte Geisler.

"Verwundert" zeigte sich der Landeshauptmannstellvertreter indes über die Vorgangsweise des Clubs am Mittwoch. 14 Kündigungen anzukündigen und gleichzeitig über mangelnde finanzielle Mittel zu jammern, "vermittelt möglichen Sponsoren nicht den Eindruck, dass man eine tolle Perspektive bietet". Dies sei ein "schlechter Start für neue mögliche Verträge", übte Geisler deutliche Kritik an den Verantwortlichen.

Ebenso verwundert zeigte sich der Sportlandesrat übrigens, dass die im Vorjahr ins Boot geholte Firma Infront Austria als exklusiver Marketing- und Vertriebspartner des Vereins "überhaupt nichts auf die Reihe gebracht" habe. (APA)