Letztes Update am Mi, 26.06.2019 11:41

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bundesliga

FC Wacker contra WSG: Krieg der Worte in der „Causa Rieder“

Von Sommerruhe keine Spur: Der FC Wacker und die WSG Swarovski Tirol lieferten sich gestern ein verbales Scharmützel. Stein des Anstoßes: Florian Rieder, der vom Tivoli ins Gernot-Langes-Stadion übersiedeln soll.

Im Transfergerangel um Flo Rieder schießen WSG-Manager Stefan Köck und Wacker-Sportchef Alfred Hörtnagl verbale Giftpfeile ab.

© Kristen, gepaIm Transfergerangel um Flo Rieder schießen WSG-Manager Stefan Köck und Wacker-Sportchef Alfred Hörtnagl verbale Giftpfeile ab.



Von T. Waidhofer und W. Müller

Wattens, Innsbruck – Dass sich Lokalrivalen im Fußball nicht immer grün sind, stellt alles andere als eine Neuigkeit dar. Auch Tirol kommt in diesem Zusammenhang keine Sonderrolle zu. Doch gestern Mittag avancierten kleine Seitenhiebe endgültig zu verbalen Giftpfeilen. Grund ist die geplante Wattener Verpflichtung von Flo Rieder (23), der vom FC Wacker zur WSG Swarovski Tirol übersiedeln soll.

„Wir sind vom Vorgehen der WSG Swarovski Tirol und des Spielers enorm überrascht“, wird Wackers General Manager Alfred Hörtnagl in einer Aussendung des FC Wacker zitiert, er sprach damit die Tatsache an, dass Rieder bereits Interviews im WSG-Outfit gegeben hatte. „Fakt ist, dass er einen laufenden Vertrag beim FC Wacker Innsbruck hat und es seitens des Vereins WSG Swarovski Tirol kein offizielles Transferangebot gab und auch keines gibt.“ Man sei lediglich von den Beratern des Spielers über das Interesse aus Wattens informiert worden. Von Seiten der WSG sei er nie kontaktiert worden.

Zusatzwunsch oder ein entscheidender letzter Punkt

„Es wurde eigentlich alles geklärt“, ordnet Rieders Berater Thomas Pichlmann die Sachlage anders ein. Am Montag hätte der Vertrag unterschrieben werden sollen, dann sei von Seiten des FC Wacker „ein Zusatzwunsch deponiert worden“. Dabei ging es um eine Beteiligung an einem möglichen Weiterverkauf. „Von ,im Nachhinein‘ kann keine Rede sein. Das ist immer ein letzter und entscheidender Punkt in meinen Transferverhandlungen“, rechtfertigt sich Hörtnagl. Danach stießen sich die Schwarz-Grünen am „Investor“ der WSG, der die Ablöse bezahlen sollte. „Ein Transfer ist immer nur zwischen zwei Vereinen möglich. Das sind die gesetzlichen Bestimmungen“, so Hörtnagl. Und weiter: „In den vergangenen Jahren haben wir mit jedem Verein ein sauberes Transferverfahren durchführen können. Dass es seitens der WSG eine andere Auslegung der üblichen Vorgehensweise gibt, können wir nur verwundert zur Kenntnis nehmen.“

„Wenn es um eine Palette Holz ginge, würde ich sagen: Behaltet sie. Aber es geht um einen Menschen.“
Stefan Köck, Sportmanager WSG

Das hatte gesessen und sorgte wenig später dafür, dass der Neo-Bundesligist seinerseits eine Presseaussendung formulierte. „Ich bin entrüstet, enttäuscht und stinksauer. Wir haben am Freitag von den Beratern die Zusage bekommen, dass mit Wacker Innsbruck in Person von Al­fred Hörtnagl alles geklärt ist“, sagte WSG-Sportmanager Stefan Köck. Dass am Montag plötzlich Nachforderungen auftauchten, sei das eine. „Dass wir jetzt wie Vollidioten dargestellt werden, ärgert mich massiv und lasse ich mir auch nicht gefallen.“

Dass Rieder am Montag bereits Interviews absolviert und für Fotos posiert hatte, sei ein Fehler gewesen, gestand Köck. Aber von einer „enormen Überraschung“ (so stand’s in der Wacker-Aussendung) könne keine Rede sein: „Der FC Wacker hat gewusst, dass wir den Vertrag unterschreiben wollen.“ Der von den Schwarz-Grünen angesprochene „Investor“ sei ein „normaler Sponsor“.

„Bundesliga kann nicht jeder“

Provokationen hatte es zuletzt immer wieder gegeben: So gratulierte der FC Wacker den Wattenern zum Beispiel in sozialen Netzwerken mit den Worten „Bundesliga kann nicht jeder“ zum Aufstieg. Umgekehrt sorgte der Wacker-Abstieg auch für Schadenfreude auf WSG-Seite. „Bundesliga kann nicht jeder, Abmachungen einhalten anscheinend auch nicht“, hieß es in der gestrigen Aussendung.

Während der Ton rauer wird, hängt mit Rieder ein junger Tiroler in der Warteschleife. Der will sich vorerst nicht äußern. Das tut sein Berater Pichlmann: „Es ist eine Pattstellung, eine Seite wird sich bewegen müssen.“ Köck meint: „Wenn es um eine Palette Holz ginge, würde ich sagen: Behaltet sie. Aber es geht um einen Menschen.“ Für Hörtnagl wäre die Lösung „sehr einfach“: „Die besagten Punkte in einem Vertrag festhalten und unterschreiben.“

Kommentar: Wir streiten, kommen aber nicht vom Fleck

Von Florian Madl

Geben wir Tiroler im österreichischen Fußball nicht ein jämmerliches Bild ab? Im Nationalteam spielt derzeit nur ein Einheimischer eine Rolle – und der mit den Händen, nicht mit den Füßen: Masseur Michael Vettorazzi.

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Die Nachwuchs-Akademie am Rande des Flughafens ist letztlich auch keine, von der sich andere Vereine einen Input holen würden. Und der schwarz-grüne Traum einer Ausbildungsstätte Mieming ist nachvollziehbar, scheint aber ebenso realistisch wie das 100-m-Gold eines Österreichers bei den Olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio.

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Tiroler Erstliga-Spieler mit Stammplatz-Garantie lassen sich an einer Hand abzählen und die der WSG Swarovski Wattens müssen den Beweis der Ligareife erst erbringen.

Der Gipfel: Jetzt liegen sich auch noch die beiden Topklubs in den Haaren. Zankapfel: ein 23-jähriger Potenzialspieler des FC Wacker, dem man nach einem Jahr am Abstellgleis bei der WSG Swarovski Tirol eine Chance geben wollte. Zum Vergleich: Beim turbulenten Transfer von Wacker-Torjäger Patrik Eler (zu Nancy und zurück) stand das 30-fache Volumen am Spiel, aber abgewickelt wurde das in Stille.

Worüber definiert sich Fußball-Tirol nach dem Spieljahr 2018

19? Über Transfererlöse? Oder die Tatsache, dass die Lebensqualität kaum wo höher sein könnte (was stimmt) und jeder für ein Engagement hier dankbar sein muss (was nicht stimmt)?

Solange man sich der Peinlichkeit hingibt, interne Transfers zu blockieren oder auch nicht, auf Deutungshoheit beharrt und Giftpfeile ins andere Lager abschießt, scheint eines offensichtlich: Wir schmo­ren in unserem Saft, vom Fleck kommen wir aber auch nicht.