Letztes Update am So, 30.06.2019 11:21

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Fußball

Vor 25 Jahren: Maradonas Dopingfall erschütterte Argentinien

Dieser Jubel im Sturmlauf Richtung Kamera. Diese weit aufgerissenen Augen. Diego Maradona war in sportlicher Ekstase. Nach dem folgenden Spiel wurde er des Dopings überführt. Es war das Ende einer großen Karriere im Nationaltrikot Argentiniens.

Bei der WM 1994 wurde Superstar Diego Maradona zum zweiten Mal des Dopings überführt.

© imagoBei der WM 1994 wurde Superstar Diego Maradona zum zweiten Mal des Dopings überführt.



Buenos Aires – Die blonde Krankenschwester führte Diego Maradona vom Spielfeld im Bostoner Foxboro-Stadion zur Dopingkontrolle. Für Sue Ellen Carpenter war es die Gelegenheit, mit dem Fußball-Superstar aus dem von ihr geliebten Argentinien ins Fernsehen zu kommen. Für Maradona war es das Ende seiner Teamkarriere: Fünf Tage später, am 30. Juni 1994, wurde er wegen Ephedrin-Dopings von der WM ausgeschlossen.

„Sie haben mir die Beine abgeschnitten“, sagte Maradona, der sich als Opfer betrachtete. Der gesamten argentinischen Mannschaft blieb sprichwörtlich der Atem weg. Die „Gauchos“ hatten unter Führung Maradonas einen erfolgreichen WM-Start in den USA hingelegt. Mit einem 4:0-Sieg gegen Griechenland unterstrich die „Albiceleste“ ihre Favoritenrolle. In Erinnerung ist vor allem Maradonas ekstatischer Torjubel nach dem 3:0. Es war sein letzter Treffer im Nationaltrikot.

Es folgte ein 2:1-Erfolg über Nigeria, bei dem dann der spektakuläre Dopingfall ans Tageslicht kam. In der Halbzeitpause war das Los für die Tests gezogen worden. Die 2 für den Abwehrspieler Sergio Vazquez und die 10, das war die Rückennummer Maradonas. Wenige Stunden nach Bestätigung des Dopingfalls verlor Argentinien 0:2 gegen Bulgarien in der Gruppenphase. Und dann kam mit dem 2:3 gegen Rumänien das Aus im Achtelfinale.

Einer der Ärzte des argentinischen Teams bei der WM 1994, Roberto Peidro, wollte die Gültigkeit der Gegenprobe wegen formeller Fehler anfechten. Julio Grondona, der allmächtige damalige Chef des argentinischen Verbandes (AFA), habe dies jedoch abgelehnt, erklärte Peidro der Zeitung „Clarin“.

Der Verband hatte Maradona schon vom Team zurückgezogen. Von den Medien wurde dies als beschwichtigende Maßnahme der FIFA gegenüber interpretiert. Argentinien wurde trotz Protesten Nigerias als Team nicht bestraft. Maradona erhielt im Nachhinein eine Sperre von 15 Monaten. Er galt als Wiederholungstäter, nachdem er während seiner Zeit beim SSC Napoli wegen Kokain-Dopings gesperrt worden war.

Verschwörungstheorien in der Heimat

In Argentinien bildeten sich unzählige Verschwörungstheorien. „Ich glaube, dass (der damalige brasilianische FIFA-Chef Joao) Havelange sah, wie Argentinien spielte und nicht bereit war, zu akzeptieren, dass das Land wieder Weltmeister werde, mit Brasilien ohne Titel seit 1970“, sagte etwa Peidro. Die WM 1994 gewann Brasilien. Sowohl Havelange als auch Grondona - zwei Hauptfiguren in diversen Korruptionsskandalen des Welt-Fußballs - sind mittlerweile gestorben.

Maradona, damals 33 Jahre alt und mehrfach von Verletzungen oder Sperren zurückgeworfen, hatte vor der WM rasch Übergewicht verloren. Ephedrin ist eine Substanz, die appetithemmend wirkt. Der Superstar soll sie von seinem persönlichen Trainer bekommen haben. Mit Maradona wurde Argentinien Weltmeister 1986 und Vizeweltmeister 1990. Nach dem Ende seiner Teamkarriere haben die „Gauchos“ bis heute abseits von Olympia (Gold 2004 und 2008) keinen großen Titel mehr gewonnen. (APA/dpa)