Letztes Update am So, 07.07.2019 21:08

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Frauen-WM

USA nach 2:0 gegen Niederlande wieder Frauen-Weltmeister

Auch Europameister Niederlande konnte den Siegeszug der US-Girls im Fußball-WM-Finale nicht stoppen. Megan Rapinoe leitete den vierten WM-Titel ein. Die Spielmacherin behielt die Nerven und räumte ab.

So sehen emotionale Siegerinnen aus. US-Kapitänin und Elfmetertorschützin Megan Rapinoe (2. v. r.) und ihre Kolleginnen feierten nach der Übergabe des WM-Pokals ausgelassen.

© AFPSo sehen emotionale Siegerinnen aus. US-Kapitänin und Elfmetertorschützin Megan Rapinoe (2. v. r.) und ihre Kolleginnen feierten nach der Übergabe des WM-Pokals ausgelassen.



Lyon – Lyon – Welch ein Triumph für Megan Rapinoe und die US-Fußballerinnen! Neben dem WM-Pokal räumte der vor Freude strahlende US-Superstar gestern im französischen Lyon auch den Goldenen Ball für die beste Spielerin der Weltmeisterschaft und den Goldenen Schuh für die beste Torschützin ab. Nach dem 2:0 (0:0)-Triumph gegen die Niederlande ging es mit Champagner und Bier und den Goldmedaillen um den Hals für Rapinoe und ihre Teamkolleginnen in der US-Kabine hoch her. Zuvor hatte um 17.15 Uhr US-Legende Carli Lloyd den von FIFA-Präsident Gianni Infantino und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron überreichten WM-Silberpokal in den Himmel von Lyon geregt.

„Das Niveau im Frauenfußball ist insgesamt sehr gestiegen seit der letzten WM. Es war eine große Herausforderung, und die Niederlande hat es uns sehr schwer gemacht. Deshalb bin ich unglaublich stolz auf mein Team. Es ist ein Wahnsinn, was wir für ein tolles Team haben, mit großartigen Spielerinnen und außergewöhnlichen Menschen“, sagte US-Trainerin Jill Ellis nach dem Finale auf der Pressekonferenz, als ihr Handy plötzlich laut klingelte. „Das ist wahrscheinlich meine Mutter“, sagte sie schmunzelnd, schaute auf das Display und drückte das Gespräch kurzerhand weg. „Es ist meine Mutter. Aber ich habe jetzt keine Zeit, mit ihr zu plaudern. Sie wird schön angepisst sein“, sagte die 52-Jährige unter dem Gelächter der internationalen Presse.

Zuvor hatte Rapinoe die USA zum vierten WM-Sieg nach 1991, 1999 und 2015 geführt. Durch das 2:0 (0:0) gegen Europameister Niederlande verteidigte die USA den vor vier Jahren in Kanada gewonnenen Titel. Zwei WM-Erfolge hintereinander gelangen zuvor nur der deutschen Auswahl. Vor 57.900 Zuschauern erzielten Rapinoe (61. Minute, Foulelfmeter) und Rose Lavelle (69.) die Treffer zum letztlich verdienten Erfolg.

„Megan ist geboren für solche Erfolge, wir brauchen solche Spielerinnen und Vorbilder“, lobte Trainerin Ellis ihre Anführerin Rapinoe, die zunächst zur Dopingkontrolle musste. Sie sei besonders stolz auf die jungen Spielerinnen, erklärte Rapinoe dann später. „Es war sehr schwierig, den Titel erneut zu gewinnen. Wir hatten viel Druck und auch viele enge Matches. Es ist unglaublich.“

Mit der von einer Oberschenkelblessur genesenen Rapinoe in der Startelf wollten die US-Amerikanerinnen von Anfang Druck ausüben, fanden aber lange nicht so ins Spiel. So gelang erstmals bei dieser WM kein Tor in der ersten Viertelstunde, auch weil die Niederländerinnen kompakt und aufmerksam verteidigten.

Bei 31 Grad im Stade de Lyon fiel die Entscheidung, als Stefanie van der Gragt nach gut einer Stunde Alex Morgan bei der Ballannahme im Strafraum regelwidrig attackierte. Schiedsrichterin Stephanie Frappart (FRA) schaute sich die Szene nach Rücksprache mit dem Video-Referee noch einmal an und entschied zu Recht auf Elfmeter. Rapinoe verwandelte auch ihren dritten Turnierstrafstoß sicher und brachte ihr Team so auf die Siegerstraße. Wie US-Stürmerin Morgan und Ellen White (GBR) traf Rapinoe damit in Frankreich sechsmal, benötigte dafür aber die wenigsten Spielminuten und sicherte sich den Goldenen Schuh. Rapinoe, die für ihren Kampf für Gleichberechtigung und gegen Rassismus neben dem Platz bekannt ist, hob explizit die Teamleistung hervor: „Alle haben so viel für den Erfolg der Gruppe geleistet, alles reingelegt. Und wir haben alle unsere Familie und Freunde hier, es ist einfach surreal.“ (TT, dpa)