Letztes Update am Mi, 24.07.2019 09:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bundesliga

WSG-Rückkehr in die Bundesliga: Servus Austria, servus Rapid

Die Rückkehr in die Fußball-Bundesliga nach 48 Jahren Pause ist für die WSG Swarovski Tirol eine Mammutaufgabe, die sich vom Rasen bis auf die organisatorische Ebene erstreckt.

Die Werbe-Plakate (wie hier bei der Autobahnabfahrt Innsbruck-West) haben den Bundesliga-Test bestanden.

© Rudy De MoorDie Werbe-Plakate (wie hier bei der Autobahnabfahrt Innsbruck-West) haben den Bundesliga-Test bestanden.



Von Alex Gruber und Tobias Waidhofer

Bei WSG-Fan Gernot Spika geht die Liebe unter die Haut.
Bei WSG-Fan Gernot Spika geht die Liebe unter die Haut.
- Rudy De Moor

Wattens, Innsbruck – Natürlich ziehen die Anhänger gegenwärtig nicht mit grünweißen Schals durch die Marktgemeinde Wattens und feiern lautstark die nahende Bundesliga-Rückkehr, die am Samstag (17 Uhr) im Anstoß gegen die Wiener Austria im Innsbrucker Tivolistadion gipfelt. Eine Übersiedlung, auf die man noch zu sprechen kommt.

Mit 8000 Einwohnern ist Wattens schlichtweg zu klein, um als (Fußball-)Metropole zu dienen. Da können die Kristallwelten in noch so hellem Glanz erscheinen. Dort, wo Kellner Christian einer unwissenden Kollegin erklärt, wer WSG-Coach Thommy Silberberger ist. Oder dort, wo im Zentrum der Marktgemeinde Gernot Spika stolz sein Vereinstattoo am Unterschenkel präsentiert. Zumindest einigen geht die Liebe zur WSG richtig unter die Haut. Und nach dem Abstieg des FC Wacker scheint man unter dem neuen Namen als erste Adresse auf.

Wattens will mehr. Aber dafür gilt es, mit dem neuen schillernden Namen „WSG Swarovski Tirol“ den Ruf an das ganze Bundesland zu richten. Wie es einst auch der vormalige große Bruder aus Innsbruck tat. Die Werbe-Plakate mit verschiedenen Motiven wurden auch rund um die Landeshauptstadt platziert, die neuen Dressen sind am Montag in der Geschäftsstelle angekommen.

Die Spieler David Gugganig und Kevin Nitzlnader posieren bereits mit den Bundesliga-Dressen.
Die Spieler David Gugganig und Kevin Nitzlnader posieren bereits mit den Bundesliga-Dressen.
- Rudy De Moor

„Du kannst dir keine Unkonzentriertheiten leisten. Die Spieler sind noch besser ausgebildet und du hast noch weniger Zeit“, weiß Coach Thomas Silberberger, was den Seinen auf sportlicher Bühne im Oberhaus blüht. Mit Sturm-Routinier Zlatko Dedic gab es einen Königstransfer, viel Kraft soll laut Silberberger im Kader wieder „von innen“ wachsen. Zusammenhalt sei stärker als einzelne Namen. Und man versucht rund um Powerfrau und Präsidentin Diana Langes-Swarovski weiter mehr Geld – kolportiertes Budget derzeit ca. 6,5 Millionen Euro – flüssigzumachen.

Dass ein Name wie Peter Stöger (jetzt Austria-Sportvorstand) in den vergangenen Tagen (als Berater) gefallen ist, scheint auf die Swarovski-Adresse zurückzuführen zu sein. Dort, wo in einer einst glänzenden Meisterära des FC Tirol rund um Stars wie Hansi Müller am Tivoli die Sternspritzer brannten und „Sierra Madre“ erklang. Aber keiner im Hause der WSG ist so blauäugig, die Gegenwart mit der Vergangenheit zu verwechseln.

Ein Bild aus der glorreichen Wattener Vergangenheit zeigt Vereinslegende Adi Jud.
Ein Bild aus der glorreichen Wattener Vergangenheit zeigt Vereinslegende Adi Jud.
- Foto TT/Rudy De Moor

Während Silberberger an den Adaptierungen der Spielanlage dreht, steht auch in der Geschäftsstelle kein Mitarbeiter derzeit auch nur einen Moment still. „Es gibt viele Themen, die anstehen. Wir haben ja drei Projekte laufen – neben dem Bundesliga-Aufstieg stehen die Themen Stadionswechsel und Namensänderung an. Die größte Herausforderung liegt sicher im Stadionswechsel“, führt Daniel Bierent, der Geschäftsführer Wirtschaft bei der WSG, aus. Das Tivoli muss werbefrei übernommen und wieder werbefrei übergeben werden – innerhalb 24 Stunden, binnen eines Werktages. Das heißt nach dem Aus­tria-Match muss die WSG am Montagabend alle „Spuren“ beseitigt haben. Davor heißt es nicht nur für das Fernsehteam von Sky, im Minutentakt „up to date“ zu sein. „Wir freuen uns. Darauf haben wir doch alle hingearbeitet“, unterstreicht Bierent, der Walter Delle Karth, ehemals Intimus von Skistar Hermann Maier, als erfahrenen PR-Manager an seiner Seite begrüßt.

Die bei den Wacker-Fans heilige Nordtribüne greift die WSG „aus Respekt“ vorerst nicht an, in Sachen Zuschauer­zahl wurde laut Bierent „risikolos“ kalkuliert. Der im Gemeinderat abgesegnete Baustart am Trainingsgelände soll im Herbst erfolgen, das neue Stadion bleibt einer der großen weiteren Träume – genau die brachten die WSG nach 48 Jahren zurück in die Bundesliga. Zunächst wartet ein Knochenjob am Rasen, bei dem man auf die Unterstützung aus ganz Tirol baut.

Kartenaktionen

Kinder: Die WSG Swarovki Tirol lädt alle Kinder, die ein Zeugnis (oder eine Kopie) vorweisen können, am Samstag (17 Uhr) kostenlos zum Auftaktmatch gegen Austria Wien ins Tivoli ein.

„Aktion elf“: Jeder Tiroler Sportverein, egal welcher Art, kann sich (unter aktion@wsg-fussball.at) für jeweils elf Gratis-Karten für das Austria-Match bewerben. Die Aktion läuft bis Freitagmittag und so lange der Vorrat reicht – Motto: „first come, first serve“.

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1971 – SPG „Swarovski Innsbruck-Tirol“

Am 16. Juni 1971 wurde in der Tiroler Tageszeitung von einem historischen Moment (s. o.) berichtet. Hinter dem damaligen Meister FC Wacker Innsbruck (Eigenstiller, Kriess, Binder, Ettmayer, Jara) hätte Swarovski Wattens (mit den Koncilia-Brüdern und Roland Hattenberger) als Achter sportlich locker die Nationalliga A gehalten. Die Vernunft siegte. Von einer Fusion kann man 2019 nur träumen.