Letztes Update am Mi, 24.07.2019 11:28

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


FC Bayern München

Ende einer Ära? Hoeneß offenbar vor Abschied beim FC Bayern

Beim FC Bayern geht anscheinend eine jahrzehntelange Ära zu Ende. Laut Medienberichten will Uli Hoeneß Ende des Jahres nicht mehr als Präsident antreten und auch als Aufsichtsratschef abtreten. „Kein Kommentar“ heißt es zunächst von Vereinsseite auf der USA-Reise. Hoeneß will sich erst am 29. August persönlich äußern.

Uli Hoeneß.

© dpaUli Hoeneß.



München, Kansas City – Die vier Jahrzehnte lange Ära Uli Hoeneß geht beim FC Bayern München nach Informationen der Bild-Zeitung im November zu Ende. Hoeneß will demnach nicht mehr zur Wiederwahl als Präsident des deutschen Fußball-Rekordmeisters antreten. Der 67-Jährige hatte erst als Spieler und dann als Macher zahlreiche nationale und internationale Erfolge mit dem Club gefeiert, dessen Stellung als deutscher Branchenführer er systematisch ausbaute.

Die Deutsche Presse-Agentur erhielt für den Bericht vom Dienstagabend während der USA-Reise spontan keine Bestätigung. „Von unserer Seite gibt es dazu keinen Kommentar“, sagte Mediendirektor Stefan Mennerich in Kansas City, wo die Bayern am Dienstagabend (Ortszeit) mit einem Testspiel gegen den AC Mailand ihre USA-Reise abschließen wollen.

Auch Uli Hoeneß selbst wollte zu dem Bericht zunächst nicht Stellung nehmen. Wie er dem „Kicker“ am Mittwoch sagte, will erseine Entscheidung aber am 29. August persönlich verkünden. Vorher soll es keine offizielle Erklärung geben.

Nachricht kam überraschend

Die Nachricht aus Deutschland kam überraschend. Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Nur wenige Stunden zuvor hatte der 63-Jährige bei einer Pressekonferenz die USA-Reise noch als „rundeste, interessanteste und erfolgreichste Tour“ im Sommer gelobt. Kurz danach war es auch im Teamhotel in Nordamerika mit der Ruhe und Entspannung vorbei.

Wie die Bild außerdem schreibt, will Hoeneß auch den Posten als Aufsichtsratschef abgeben. Für dieses Amt hatte er sich erst im vergangenen Dezember bis 2022 bestätigen lassen. Der langjährige Bayern-Macher wollte sich in dem Zeitungsbericht selbst nicht äußern. Neben dem Wunsch, etwas kürzerzutreten, soll aber auch die Kritik an seiner Person auf der vergangenen Mitgliederversammlung zur Entscheidung beigetragen haben, sich zurückzuziehen.

Hoeneß hatte erst Anfang Mai sein 40-jähriges Amtsjubiläum als Manager und Macher des Vereins gefeiert. „Ich werde mich nach der Saison in aller Ruhe mit meiner Familie zusammensetzen und bis Ende Juni entscheiden, ob ich noch einmal antrete oder nicht. Diesen Fahrplan kennen alle im Verein“, hatte Hoeneß anlässlich des Jubiläums in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur erklärt. „Ich bin in der Sache total entspannt. Eines ist aber auch klar: Man darf sich nicht einbilden, dass man unersetzlich ist. Jeder ist ersetzbar“, fügte der Weltmeister von 1974 hinzu.

Hainer soll als Nachfolger vorgeschlagen werden

Hoeneß soll planen, den stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden und ehemaligen Adidas-Chef Herbert Hainer als Nachfolger für seine bisherigen Ämter vorzuschlagen. Seit Ende 2016 ist Hoeneß zum zweiten Mal Präsident des deutschen Rekordmeisters, nachdem er im März 2014 nach der Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe wegen Steuerhinterziehung von seinen Ämtern zurückgetreten war.

Als künftiger Vorstandsvorsitzender soll der einstige Bayern- und Nationalmannschaftstorwart Oliver Kahn kommen. Kahn soll ab 2020 zunächst auf Probe einsteigen und später den Job von Rummenigge übernehmen, der Ende 2021 aufhören will. Hoeneß hatte immer betont, ihm sei wichtig, dass Rummenigge und er nicht zur selben Zeit ihre Ämter aufgeben.

„Mir gefällt Olivers Entwicklung nach der Spieler-Karriere. Er hat sich als Experte im Fernsehen fantastisch entwickelt, ein Fernstudium in Betriebswirtschaft gemacht und eine Firma gegründet“, hatte Hoeneß im dpa-Interview gesagt. „Wir haben hier jemanden, der den Fußball als Torwart auf allerhöchstem Niveau erlebt hat und zugleich in der Lage ist, im wirtschaftlichen Bereich seinen Mann zu stehen. Das reizt uns so.“ (dpa, TT.com)

Keine Bayern-Aufklärung zu Hoeneß nach letztem Spiel in USA

Der FC Bayern München hat nach dem letzten Spiel auf der USA-Reise für keine Aufklärung zur Zukunft von Präsident Uli Hoeneß gesorgt. Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge äußerte sich am Dienstagabend (Ortszeit) in Kansas City nach dem 1:0 der Münchner gegen den AC Mailand im Children‘s Mercy Park Stadium nicht. Der Verein veröffentlichte bislang auch keine Stellungnahme. Der Bayern-Tross machte sich gleich nach dem Spiel auf die Heimreise. Nach dpa-Informationen kam die Nachricht aus Deutschland für den Bayern-Tross in Kansas völlig überraschend.

Trainer Niko Kovac antwortete bei der Pressekonferenz angesprochen auf Hoeneß, dass er gerne etwas sagen würde, aber es nicht könne, weil er „wirklich“ nicht wisse, „wieviel Wahrheitsgehalt“ in dem Medienbericht stecke. „Von daher nehmen Sie es mir nicht übel, wenn ich das jetzt nicht kommentiere“, äußerte der 47-Jährige.

Die Münchner Profis hielten sich ebenfalls zurück. „Ich habe noch keine Informationen aus erster Hand“, sagte Thomas Müller. David Alaba gestand, dass es „schwierig“ sein würde, sich den FC Bayern ohne Hoeneß vorzustellen. „Er ist schon die prägende Figur gewesen in zig Jahrzehnten. Das ist einmalig“, erklärte Nationalspieler Leon Goretzka zum Vereinspatron: „Mehr kann ich dazu auch nicht sagen. Ich denke, ich warte erstmal, dass er das persönlich meldet.“