Letztes Update am Mi, 24.07.2019 13:18

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


2. Liga

Wacker-Coach Grumser: „Wir können jedem Gegner wehtun“

Wacker-Trainer Thomas Grumser lässt im TT-Interview den bitteren Abstieg noch einmal Revue passieren und ist fest davon überzeugt, dass seine junge Mannschaft in der zweiten Liga mehr als nur bestehen kann.

Auf der Taktiktafel präsentiert Thomas Grumser das offensive System, das seiner jungen Truppe zu vielen Punkten verhelfen soll.

© TT/Rudy de MoorAuf der Taktiktafel präsentiert Thomas Grumser das offensive System, das seiner jungen Truppe zu vielen Punkten verhelfen soll.



Innsbruck – Seine Trainerkammer im Tivoli hat er sich neu eingerichtet, schließlich ist nach dem Abstieg ein Neustart auf allen Ebenen angesagt. Zwischen Taktiktafeln, Flatscreens an der Wand, dem obligatorischen Laptop sowie Computer-Bildschirmen und der „Therapie“-Couch lebt Thomas Grumser seinen Traum vom Fußballtrainer, der am 25. Mai mit dem Abstieg kurzzeitig zum Albtraum wurde. Mittlerweile hat er sich voll und ganz dem Neubeginn verschrieben und tüftelt akribisch daran, mit seiner blutjungen Mannschaft in der Zweitklassigkeit Akzente zu setzen.

Wie fällt die schwarzgrüne Standortbestimmung knapp vor dem Meisterschaftsstart aus?

Thomas Grumser: Schwer einzuschätzen, wohin die Reise geht. Fakt ist, dass wir in der Vorbereitung eine positive Richtung eingeschlagen haben. Der Sieg gegen Dresden war gut für die Köpfe und auch im Cup haben wir unser Ziel erreicht. Obwohl wir den 7:0-Erfolg in Kitzbühel schon realistisch einzuschätzen wissen. Denn es gab Phasen, in denen wir nicht das abgerufen haben, was wir können. Das müssen wir am Freitag in Steyr abstellen. Wenn wir unser Potenzial ausschöpfen, können wir jedem Gegner wehtun. Außerdem hat sich zwischen Mannschaft und Fans ein starkes „Wir-Gefühl“ entwickelt, das ich in meiner nunmehr schon elfjährigen Wacker-Zeit so noch nicht erlebte.

Wer sind die Favoriten in der zweiten Liga und wo wird sich der FC Wacker einreihen?

Thomas Grumser (Trainer FC Wacker): „Wenn wir uns dazu bekennen, den Weg mit den jungen Spielern zu gehen, sollte das auch konsequent durchgezogen werden.“
Thomas Grumser (Trainer FC Wacker): „Wenn wir uns dazu bekennen, den Weg mit den jungen Spielern zu gehen, sollte das auch konsequent durchgezogen werden.“
- Foto TT/Rudy De Moor

Grumser: Zu den Favoriten zählen wir definitiv nicht. Wenn man sieht, was die Konkurrenz investiert hat, ist das auch logisch. Ried, Austria Lustenau, BW Linz aber auch der GAK zählen für mich zum Kreis der Aufstiegskandidaten, weil sie sich gut verstärkten. Bei uns wird viel davon abhängen, dass wir mit unserem kompakten Kader möglichst verletzungsfrei durch die Saison kommen und natürlich wie wir in die Liga starten.

Jung, hungrig, bissig und offensiv lautet das Motto – birgt das auch Gefahren?

Grumser: Wenn die Ergebnisse nicht passen, dann wird es gleich heißen, dass es an Erfahrung fehlt. Wenn wir uns bekennen, den Weg so zu gehen, dann sollten wir ihn auch konsequent durchziehen und bei Rückschlägen nicht gleich die Nerven verlieren. Diese Mannschaft hat schon letzte Saison als deklarierter Fixabsteiger bewiesen, dass sie in dieser Liga mithalten kann. Das Routine-Plus werden wir nicht auf unserer Seite haben, daher werden wir uns auf jene Faktoren konzentrieren, die für uns sprechen: Spielwitz, Tempo, Fitness, Schnelligkeit und Leidenschaft.

Wie lange dauerte die persönliche Schockstarre nach dem Abstieg?

Grumser: Der Tag danach war ein Wahnsinn. Ich habe dann aber schnell damit angefangen, für mich alles penibel aufzuarbeiten. Das hat rund zehn Tage gedauert, dann erfolgte schon der Startschuss für die neue Saison und der feste Vorsatz, mit jener Mannschaft, die geblieben ist, allen zu zeigen, dass wir es besser können.

Trotz des Abstieges blieben Trainer, Sportchef und Vorstand in Amt und Würden – haben also die Spieler das Desaster zu verantworten?

Grumser: Stimmt so nicht. Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen. Auch ich würde im Nachhinein einiges anders machen. So war mein Einstieg mit den schweren Spielen gegen den LASK und Salzburg nicht ideal. Über Aufstellungen lässt sich immer streiten. Nur so viel – zum Zeitpunkt, wo Entscheidungen zu treffen waren, sind wir als Trainerteam immer voll überzeugt gewesen, das Richtige zu tun.

Druckbefreit und mit Freude kann bzw. soll der FC Wacker aufspielen – ist der Neustart mehr Chance oder doch auch Bürde?

Grumser: Ich sehe es schon positiv. Alles andere, nämlich Ansprüche stellen, die nicht realistisch sind, macht ja keinen Sinn. Die Erwartungen will ich nicht mit einem bestimmten Tabellenplatz festlegen. Unser Ziel ist, dass wir mit guten Leistungen, leidenschaftlichen, ansehnlichen Spielen stabil durch die Liga marschieren und so viele Punkte wie möglich sammeln.

Mit welchem Plan bzw. Spielphilosophie?

Grumser: Mein Ansatz ist, dass Fußball irgendwo Spaß machen soll, aber natürlich auch mit Arbeit verbunden ist. Schließlich bin ich ja selbst schon als Knirps mit dem Ball am Fuß um den Christbaum getanzt. Für mich steht das Toreschießen vor dem Toreverhindern. Wichtig ist, nicht blind auf das Feld zu stürmen, sondern auch konsequent gegen den Ball zu arbeiten und vor allem organisiert aufzutreten.

Im Tivolistadion sind bei Meisterschaftsspielen nur zwei Tribünen offen, wie weh tut das?

Grumser: Die Situation ist jetzt eben anders und ich freu’ mich, wenn zwei Tribünen gut besucht sind. Unsere Fans werden trotzdem für eine Atmosphäre sorgen, die in der zweiten Liga einzigartig ist.

Wer wird mehr Zuschauer ins Tivoli locken – die WSG Swarovski Tirol oder der FC Wacker?

Grumser: Am Anfang wird das Interesse für die Wattener natürlich groß sein, weil man sich auch aufgrund des Namens an vergangene Zeiten erinnert. Dann wird alles – so tickt der Fußball eben – natürlich vom Erfolg abhängen. Wenn wir einen guten Start abliefern, traue ich uns auch in der zweiten Liga fünf-, sechstausend Zuschauer bei Heimspielen zu. Unser Kerngeschäft werden wir mit knapp 2000 Fans fast immer haben. Hängt natürlich von den Jungs ab, die in jedem Spiel um ihr Leben rennen müssen. Das werden sie auch tun, denn diese Mannschaft ist in sich gefestigt und charakterlich top.

Das Gespräch führte Wolfgang Müller