Letztes Update am Do, 25.07.2019 09:02

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bundesliga

„Von einem wie Hansi Müller kannst du in Österreich heute nur noch träumen“

Am Freitag (20.45 Uhr) startet die Fußball-Bundesliga mit dem Schlager Rapid gegen Meister Salzburg in die neue Saison. Neben der WSG Swarovski Tirol stehen elf andere Teams und der Modus am Prüfstand.

Schnappt sich Salzburg mit oder ohne den umworbenen Samassekou (M.) wieder die Meisterschale?

© gepaSchnappt sich Salzburg mit oder ohne den umworbenen Samassekou (M.) wieder die Meisterschale?



Von Alex Gruber

K wie Krösus: „Das wird wieder Salzburg sein. Dafür muss man kein Prophet sein“, sagt Stefan Köck, Sportmanager der WSG Swarovski Tirol, das, was sich sehr viele denken. Trotz vieler namhafter Abgänge – das war auch in den Vorjahren so – scheinen die Bullen unantastbar. Das soll auch unter Jesse Marsch, dem ersten amerikanischen Cheftrainer in der Geschichte der Bundesliga, so bleiben. Nach sechs Titeln in Serie und deren zehn seit der Saison 2006/07 vertreten die Salzburger auch zum ersten Mal Österreichs Fahnen in der Gruppenphase der Champions League. In Sachen Ligaauftakt bei Rapid diktiert Marsch: „Wir sind für dieses erste Spiel bereit, auch wenn wir noch nicht unser höchstes Level erreicht haben. Wir haben noch viel zu tun.“

S wie Signalwirkung: War Salzburg in den vergangenen Jahren schlichtweg so gut oder die beiden Wiener Großklubs Rapid und Austria als potenzielle Herausforderer für den Titelkampf zu schlecht? Die Transfer- und Personalpolitik war sowohl in Hütteldorf als auch in Favoriten alles andere als glücklich. Der Gang ins untere Play-off bedeutete in der Vorsaison für Rapid einen Kollateralschaden, vieles muss beim Rekordmeister von Grund auf „neu“ werden. Als sichtbares Signal diente die Installation von Sportdirektor Zoran Barisic, der u. a. U21-Teamspieler Maximilian Ullmann von Vizemeister LASK zu Rapid lotste. Das ganze System – eine durchgängige Philosophie von unten nach oben – wird von Barisic beäugt. Bei der Austria soll die Installation von Sportvorstand Peter Stöger wieder Kräfte verleihen – jenem Mann, der die Veilchen zum letzten Titel (2012/13) dirigierte. Zunächst liegt vieles an Coach Christian Ilzer, der Austria schon am Samstag (17 Uhr) im Tivoli eine kluge Ausrichtung zu verleihen. Auf Sicht soll Leuchtturm Stöger Erfolge und womöglich auch „dicke Fische“ an Land ziehen.

Oder kann Rapid mit Coach Didi Kühbauer und Sportdirektor Zoran Barisic (r.) höhere Ansprüche anmelden?
Oder kann Rapid mit Coach Didi Kühbauer und Sportdirektor Zoran Barisic (r.) höhere Ansprüche anmelden?
- gepa

S wie Stars: „Von einem wie Hansi Müller kannst du heute in Österreich nur noch träumen“, weiß WSG-Tirol-Coach Thommy Silberberger, dass man mit der heimischen Bundesliga und den Gehältern keine Stars mehr anlocken kann. Als solche scheinen vielfach heimische Kicker wie Zlatko Junuzovic (Salzburg), Thomas Murg und Stefan Schwab (beide Rapid) sowie Alexander Grünwald (Austria) auf. Mit 48 Teamspielen für Slowenien ist WSG-Neuzugang Zlatko Dedic unter den Legionären ein echter Kracher.

E wie Europa League: Viele sind gespannt, wie der WAC (hat mit Gerhard Struber auch einen neuen Coach) die Dreifachbelastung mit einem Fixticket für die Europa League und dem nationalen Geschäft bewältigen kann. Den Auftakt macht heute (19 Uhr) in der 2. Qualifikations-Runde Sturm in Norwegen beim FK Haugesund. Der 36-jährige Neo-Coach Nestor El Maestro richtete die Blackies grundsätzlich anders aus, als es der eher defensiv organisierte Vorgänger Roman Mählich tat. Den Kampf um einen internationalen Startplatz nehmen die Grazer in dieser Saison mit Rückkehrern wie Thorsten Röcher und Christoph Leitgeb wieder auf.

A wie Abstiegskampf: Nicht wenige glauben daran, dass den TSV Hartberg in der zweiten Saison das Schicksal des Abstiegs ereilt. Coach Markus Schopp – derzeit steht mit Dario Tadic nur ein klassischer Stürmer im Kader (Gesamtwert 6,3 Mio. €) – muss mit begrenzten Mitteln agieren. Der Abgang von U21-Teamspieler Sasa Kalajdzic raubte beispielsweise auch der Admira (Kaderwert 9 Mio.) viel Kraft. Dafür gelingt es den Südstädter­n, als designierter Abstiegskandidat seit neun Jahren konstant in der Liga zu bleiben. St. Pölten (ebenfalls 9) scheint trotz Transfersperren stark genug, um oben zu bleiben. Beim „verjüngten“ SV Mattersburg (8) muss sich Franz Ponweiser als Bundesliga-Trainer beweisen. In Sachen Kaderwert (5,7 Mio.) startet Aufsteiger WSG Swarovski Tirol mit vielen Routiniers (z. B. Cabrera, Mader, Walch) mit der roten Laterne. „Es geht darum, dass wir uns schnellstmöglich anpassen“, weiß Köck.

M wie Modus: Nach 22 Runden im Grunddurchgang steht in der Zwölferliga diese Saison zum zweiten Mal die Punktehalbierung und Aufteilung in Meister-Play-off (Plätze 1–6) und Abstiegs-Play-off (7–12) auf dem Programm. Das birgt Zündstoff. „Sollte einer absteigen, der in Wirklichkeit mehr Punkte als ein anderes Team geholt hat, dann brennt’s“, spielt WSG-Trainer Thommy Silberberger auf die heikle Thematik an.