Letztes Update am Mi, 07.08.2019 10:03

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Exklusiv

Zlatko Dedic im TT-Interview: „Manchmal ist weniger mehr“

Zlatko Dedic (34) stürmt nach dem Wacker-Abstieg nunmehr für die WSG Swarovski Tirol. Ablaufdatum für seine Karriere kennt der Slowene vorerst keines.

Zwei Spiele, ein Tor und viele abgespulte Kilometer: Zlatko Dedic wird scheinbar niemals müde.

© gepa/BeganovicZwei Spiele, ein Tor und viele abgespulte Kilometer: Zlatko Dedic wird scheinbar niemals müde.



Was steckt dahinter, wenn man mit 34 Jahren noch in Österreichs höchster Liga spielt?

Zlatko Dedic: Viel Arbeit – auf dem Platz und auch außerhalb. So verstehe ich meine Arbeit, auch meine Familie hilft viel mit.

Inwieweit optimieren Sie Ihr übliches Training?

Dedic: Ernährung, Regeneration, Trainingsdosierung. Da muss auch der Verein dahinterstehen, denn die Trainingssteuerung passt wirklich sehr gut.

Sie fielen im vergangenen Jahr aufgrund von Verletzungen bisweilen aus. Braucht man in Ihrem Alter Auszeiten?

Dedic: Was heißt Auszeit! Die Belastung war hoch, manchmal zu viel, aber auch für einen 18-Jährigen. Nur traut man sich das in so einem Alter nicht zu sagen, ich mich schon. Manchmal ist weniger mehr, das habe ich aus meiner Vergangenheit gelernt.

Ihr Trainer Thomas Silberberger adelte Sie als einen der besten Stürmer der Bundesliga, wenn es um das Erkennen freier Räume geht.

Dedic: Das freut mich. Ich bin als 16-Jähriger nach Italien gegangen, habe viel mit großen Trainern und guten Spielern gearbeitet. Da ging es viel darum, wann man in den freien Raum geht.

Haben Sie einen, von dem Sie sich vieles abschauen konnten?

Dedic: In jeder Mannschaft gibt es Leute, die schlau sind. Ich fragte mich, was sind meine Stärken, und die probiere ich gnadenlos zu nutzen.

Wie empfinden Sie die Arbeit im Fußball in Tirol?

Dedic: Sehr positiv! Die Organisation lehnt sich an Deutschland an, auch wenn Vereine wie Rapid oder RB Salzburg natürlich noch einmal ein anderes Niveau haben. In Italien wird viel Augenmerk auf Taktik gelegt, aber man nimmt von jedem Trainer etwas mit.

Sie stiegen vergangene Saison mit dem FC Wacker Innsbruck in die zweite Liga ab. Nahm Sie das mit?

Dedic: Wem das Stress bereitet, lebt in der Vergangenheit. Für mich ist es wichtig, sagen zu können: Ich habe alles getan, um meiner Mannschaft bestmöglich zu helfen, auch wenn das Ergebnis nicht schön war. Aber ich lebe im Moment, mein Fokus richtet sich nach vorne auf St. Pölten (Spiel am Sonntag, 17 Uhr).

Was ist es, das diese Wattener Mannschaft ausmacht?

Dedic: Der Teamgeist, das positive Miteinander, die Wertschätzung des Trainers, die lange Zusammenarbeit – das sind unsere Waffen. Auch für mich, für meine Familie, war es keine Umstellung. Ich wohne in Hall und muss jetzt nicht mehr sechs Kilometer in die eine, sondern in die andere Richtung fahren.

Wie lange wollen Sie noch spielen? Können Sie sich ein Ausklingen der Karriere in der Regionalliga vorstelle­n?

Dedic: Nein, ich muss mich als Profi fühlen. Dazu gehört eine medizinische Abteilung und vieles mehr, also Organisation auf höchstem Niveau. Ich will spielen, solange ich für eine Mannschaft den Unterschied ausmachen kann.

Sie sind als Immobilienunternehmer eingetragen. Kümmern Sie sich schon um das Leben nach der Karriere?

Dedic: Noch will ich zu dem, was ich mache, offiziell nichts sagen, mein Fokus ist auf den Sport gerichtet. Aber ich kenn­e mich bei dem Thema gut aus, mit 16 Jahren habe ich meine erste Immobilie gekauft. Ich habe etwas geplant und will damit auch anderen helfen. Aber vorerst geht es nur um Fußball.

Das Gespräch führte Florian Madl