Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 29.08.2019


Fußball

Abschied beim FC Wacker: Der ewige „Gogo“ wechselt das Büro

25 Jahre war Gogo Feistmantl beim FC Tirol und dann beim FC Wacker Anlaufstelle und Problemlöser für alles und jeden, ab 2. September tritt er seinen neuen Dienst beim Tiroler Fußballverband an.

Von der aktuellen Wacker-Mannschaft wurde Gogo Feistmantl mit Jubiläums-Dress und Geschenkkorb verabschiedet.

© FCWVon der aktuellen Wacker-Mannschaft wurde Gogo Feistmantl mit Jubiläums-Dress und Geschenkkorb verabschiedet.



Von Wolfgang Müller

Innsbruck – Als am 23. August 1994 ein gewisser Siegmund Feistmantl seinen Dienst im FC-Tirol-Büro in der Resselstraße antrat, war gerade das „Dream-Team“ unter Coach Hans Krankl, der die Nordkette brennen lassen wollte, in aller Munde. „Für mich ein toller Einstieg, aber zwei Wochen später stand nach der Verhaftung von Klaus Mair die Polizei vor der Tür und vollzog eine Hausdurchsuchung“, erinnert sich Feistmantl an seine turbulenten Anfangszeiten und hatte damals die Befürchtung: „Da werde ich nicht alt werden.“

Dienstantritt im August 1994 mit Dream-Team-Coach Hans Krankl.
Dienstantritt im August 1994 mit Dream-Team-Coach Hans Krankl.
- fcw

Voll daneben – wenn es beim FC Tirol respektive FC Wacker Innsbruck in den letzten abwechslungsreichen Jahrzehnten eine fixe Konstante gab, dann war es der ewige „Gogo“. Verlässlich, kompetent, unaufgeregt und hilfsbereit war er Anlaufstelle für Probleme aller Art rund um den Tiroler Traditionsklub. Nach 25 Dienstjahren zog nun er einen Schlussstrich und übersiedelt im Tivolistadion einen Stock höher und 50 Meter weiter zum Tiroler Fußballverband. „Ich gehe im Guten und freue mich auf eine neue Herausforderung, die zum Glück weiter mit Fußball zu tun hat.“

Sieben Meistertitel feierte Gogo Feistmantl in seiner Amtszeit.
Sieben Meistertitel feierte Gogo Feistmantl in seiner Amtszeit.
- fcw

Im Rückblick auf ebenso turbulente wie erfüllende Jahre hat der knapp 54-Jährige viel zu erzählen. Immerhin fielen drei österreichische Meistertitel mit den Trainern Kurt Jara und Jogi Löw und drei Aufstiege mit Helmut Kraft, Walter Kogler und Karl Daxbacher sowie der Regionalligatitel 2003 mit Michael Streiter unter seine lange Amtszeit. „Die drei Meistertitel von 2000 bis 2002 waren echte Höhepunkte“, erinnert sich Feistmantl an glorreiche Fußball-Zeiten, die aber auch zum absoluten Tiefpunkt führten: „Der Crash im Sommer 2002 als regierender Meister war brutal. Zumal wir ein halbes Jahr schon kein Gehalt bekamen.“ Und an ein Champions-League-Qualifikationsspiel hat er besonders bittere Erinnerungen: „Das Nachtragsspiel gegen Lok Moskau im Tivoli, als der überragende Goalie der Russen alles hielt. Dabei war die Champions-League-Gruppe mit Real Madrid, AS Roma und Anderlecht schon ausgelost. Da flossen in der Kabine Tränen.“

Ende der 90er-Jahre mit Stani Tschertschessow und dichtem Haar.
Ende der 90er-Jahre mit Stani Tschertschessow und dichtem Haar.
- gepa

Auch drei Abstiege (2008, 2014, 2019) hatte Feistmantl als Angestellter des FC Wacker zu verdauen. „Der letzte war für mich der enttäuschendste“, liegt dem Fußball-Fachmann das vergangene Frühjahr immer noch schwer im Magen. Was folgte, war ebenfalls harte Kost. Nämlich die Kündigung aller Mitarbeiter der FCW-Geschäftsstelle: „Gerade in meinem Alter muss man sich Sorgen um die Zukunft machen.“ Da kam das Angebot, als Nachfolger des pensionierten Gerhard Neurauter beim Tiroler Fußballverband anzufangen, gerade recht.

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Beim letzten Wacker-Heimspiel war der Gogo schon nicht mehr in offizieller Mission im Einsatz, sondern dort, wo er noch nie war: „Ich verfolgte das Spiel auf der Nordtribüne und es war echt lässig.“ Klar, dass er auch in Zukunft Heimspiele der Schwarzgrünen besuchen wird. „Schließlich habe ich dem Fußball und dem FC Wacker viel zu verdanken.“

Von der aktuellen FCW-Zweitligamannschaft wurde Feistmantl schon gebührend mit Geschenkkorb und Jubiläumsdress intern verabschiedet. Der offizielle Part soll, so pfeifen es die Spatzen jedenfalls vom Tivoli-Dach, am 14. September beim Heimspiel gegen den GAK erfolgen.

Die letzte Meisterzigarre wurde mit Karl Daxbacher geraucht.
Die letzte Meisterzigarre wurde mit Karl Daxbacher geraucht.
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