Letztes Update am Mo, 09.09.2019 10:57

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


EM-Quali

ÖFB-Motto gegen Angstgegner Polen: „Never change a winning Team“

Vor knapp 60.000 Zuschauern wartet im Warschauer Nationalstadion heute (20.45 Uhr, TT.com-Live-Ticker und ORF eins) ein heißer EM-Qualifikations-Tanz auf Österreich. Denn auch Polen steht nach dem 0:2 gegen Slowenien unter Druck.

Die Pflichtaufgabe Lettland löste die ÖFB-Elf mit Bravour. Jetzt wartet die Kür gegen Polen.

© gepaDie Pflichtaufgabe Lettland löste die ÖFB-Elf mit Bravour. Jetzt wartet die Kür gegen Polen.



Aus Warschau: Tobias Waidhofer

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Warschau – Variabilität ist inzwischen eines der Zauberwörter im Fußball-Geschäft. Wenn ein Trainer noch ein bisschen moderner wirken will, spricht er von „Polyvalenz“. Meinen tun beide Begriffe das Gleiche: eine Mannschaft, die flexibel agiert, verschiedene Spielsysteme beherrscht und auf Knopfdruck wechseln kann.

Auch Franco Foda legt viel Wert auf diese Qualität, trotzdem wird der Teamchef heute im Vergleich zum Kantersieg gegen Lettland (6:0) nicht viel ändern. Es deutet sogar einiges darauf hin, dass der 53-Jährige einem Prinzip folgt, mit dem er nach eigener Aussage „eigentlich nichts anfangen kann“: Never change a winning team. Interpretiert man Fodas Worte richtig, deutet gegen Polen vieles auf eine Viererkette hin – so wie gegen Lettland oder zuvor bei den erfolgreichen Spielen in Nordmazedonien (4:1) und gegen Slowenien (1:0). „Die Mannschaft ist mit der Viererkette zuletzt doch sehr gut klargekommen“, weiß der oberste Fußball-Trainer im Land.

Mit Dreierkette gegen Lewandowski und Piatek?

Aber Tarnen und Täuschen hat im internationalen Fußball bekanntlich Hochkonjunktur. Denn eigentlich würden drei Mann in der Innenverteidigung die zwei polnischen Spitzen (Lewandowski und Piatek) leichter an die Leine nehmen können. So verspricht es zumindest die Theorie, die aber natürlich erst der Praxis (also der individuellen Klasse der Polen) standhalten muss. Besonders offensiv trug das 4-2-3-1-System seine Früchte. „Wir hatten bisher eigentlich in jedem Quali-Spiel mehr Ballbesitz und Torchancen – das wollen wir beibehalten.“

So oder so pendelte die Stimmungslage der ÖFB-Reisetruppe gestern bei der Ankunft in Warschau zwischen „Euphorie“ und „konzentrieter Anspannung“. Schließlich könnte man mit einem Sieg in Warschau einen großen Schritt Richtung EM-Endrunde 2020 setzen – so wie in der Quali für die EM 2016, als Auswärtssiege in Russland und Schweden den Grundstein für die Teilnahme legten.

EM-Qualifikation Polen - Österreich

Stadion Narodowy, 20.45 Uhr/live ORF 1, SR Kassai/HUN)

Polen: Fabianski (West Ham, 51 Länderspiele) - Kedziora (Dynamo Kiew, 12/0 Tore), Glik (AS Monaco, 68/5), Bednarek (Southampton, 16/1), Bereszynski (Sampdoria Genua, 20/0) - Zielinski (SSC Napoli, 46/6), Klich (Leeds United, 20/2), Krychowiak (Lok Moskau, 64/3), Grosicki (Hull City, 69/13) - Lewandowski (Bayern München, 107/57), Piatek (AC Milan, 7/4)

Österreich: Stankovic (RB Salzburg, 1) - Lainer (Borussia Mönchengladbach, 16/0), Dragovic (Bayer Leverkusen, 75/1), Hinteregger (Eintracht Frankfurt, 42/3), Ulmer (RB Salzburg, 13/0) - Baumgartlinger (Bayer Leverkusen, 69/1), Laimer (RB Leipzig, 3/1) - Lazaro (Inter Mailand, 24/2), Sabitzer (RB Leipzig, 38/6), Alaba (Bayern München, 70/13) - Arnautovic (Shanghai SIPG, 82/26),

Es wäre übrigens der erste Sieg in Warschau überhaupt. Das einzige Match in der Millionenstadt an der Weichsel haben die Österreicher am 6. Oktober 1935 0:1 verloren. Und auch wenn Rot-Weiß-Rot inzwischen schon knapp 25 Jahre auf einen Sieg gegen die stolzen Osteuropäer wartet – Polen war immer wieder Teil der österreichischen Fußball-Historie:

Der allererste EM-Endrundentreffer 2008 gelang Ivica Vastic – richtig: gegen Polen. Und auch ein gewisser Peter Stöger machte mit einem Hattrick bei einem 4:3-Testspielsieg-Sieg 1995 in Kattowitz wohl eines seiner besten Länderspiele. Es war der gleichzeitig der überhaupt letzte Sieg gegen die Polen. Auf den ersten „Dreier“ in einem Pflichtspiel wartet der ÖFB immer noch vergeblich. „Die Historie ist uns egal, wir haben ein Ziel, das wir bis November erfüllen können“, will sich Kapitän Julian Baumgartlinger nicht mit der Vergangenheit beschäftigen.

Warschauer Hexenkessel

Viel wichtiger scheint heute für die ÖFB-Elf, eine gewisse Widerstandsfähigkeit auszustrahlen. Denn im für die EM 2012 errichteten Nationalstadion in Warschau werden heute knapp 60.000 Anhänger für einen Hexenkessel sorgen. Im Gegensatz zu Österreich ist die Nationalmannschaft in Polen ein „Nationalheiligtum“. Was auch der großen Vergangenheit mit dem Olympiasieg 1972 und zwei dritten WM-Plätzen (1974, 1982) geschuldet ist. Einer dieser WM-Dritten, Zbigniew Boniek, steht dem polnischen Verband aktuell als Präsident vor. Sein Vorgänger war niemand Geringerer als Grzegorz Lato, seines Zeichens Torschützenkönig bei der WM 1974 und für die Polen das, was Ferenc Puskas für die Ungarn ist – ein Jahrhundertfußballer. Latos Nachfolger steht indes mit Rekordtorschütze Robert Lewandowski (55 Treffer) bereit.

Einen Torjäger hat auch Österreich in Person von Marko Arnautovic, der gegen Lettland samt Torjubel (wieder einmal) mit seinen Kritikern abrechnete – gemeint waren wohl Hans Krankl und Toni Polster nach deren Kritik am Wechsel nach China. „Er muss nicht mit Kritikern abrechnen, er hat die höchste Anerkennung von mir – und das ist das Wichtigste. Er war überall erfolgreich und ist als Persönlichkeit gereift. Ich seh’ das entspannt“, stellt sich Foda hinter seinen Goleador. Und Entspannung soll ja vor einem wichtigen Spiel nicht das Schlechteste sein ...

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