Letztes Update am Do, 12.09.2019 10:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Nationalteam

ÖFB-Boss Windtner über Hinteregger: „Jeder kann einen Bock schießen“

Leo Windtner (69), Präsident des Österreichischen Fußball-Bunds, zieht nach dem Wochenende zufrieden Bilanz. Und im Wirbel um Team-Verteidiger Hinteregger verwehrt sich der Oberösterreicher gegen Aktionismus.

ÖFB-Präsident Leo Windtner und Teamchef Franco Foda blicken in eine gemeinsame Zukunft, der Deutsche sitzt fest im Sattel.

© gepaÖFB-Präsident Leo Windtner und Teamchef Franco Foda blicken in eine gemeinsame Zukunft, der Deutsche sitzt fest im Sattel.



Die Causa Martin Hinteregger, der nach seiner Geburtstagsfeier den Zapfenstreich überzog (siehe unten), bewegt die Gemüter. Man ging damit erst im Nachgang zum Polen-Spiel an die Öffentlichkeit ...

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Windtner: Wir wollten keinen Eklat provozieren, auch Hinteregger hat das gut rübergebracht. Er war selbst betroffen und – er ist ja Jäger – ihm ist bewusst: Er hat einen Bock geschossen.

Wie empfinden Sie die Reaktion darauf?

Windtner: Die Situation wurde von unserer Seite spontan gelöst, sehr professionell. Das Wichtigste: Alle haben sich dem Sportlichen untergeordnet.

Wartet auf Hinteregger eine empfindliche Strafe?

Windtner: Das Thema wurde abgeschlossen und wird jetzt anderweitig behandelt. Dass Fehler passieren, ist menschlich. Jeder kann einen Bock schießen, aber die Anzahl der Böcke ist entscheidend. Hinteregger ist ein verdienter, ein großartiger Spieler.

Stimmt Österreichs Weg auf dem Weg zur Fußball-Europameisterschaft 2020?

Windtner: Ich habe immer gesagt: Wir wollen auf der Direttissima zur EURO, das ist mit dem Wochenende gewährleistet. Wir haben die Scharte des Quali-Einstiegs ausgewetzt, jetzt haben wir es selbst in der Hand.

Ein Stichwort: Nach den ersten beiden Niederlagen gegen Polen und Israel wurde auch Teamchef Franco Foda in Frage gestellt.

Windtner: Foda wird immer ein Thema sein, wenn es nicht läuft. Da ist permanente Wiederkehr garantiert, auch wenn es für mich nie Zweifel an seiner Person gab und gibt.

Das Erreichen eines Großereignisses verspricht auch einen Geldsegen.

Windtner: Mit dem Erreichen der EURO ist auch ein finanzieller Hintergrund gewährleistet. Diese Bühne kann man nur alle vier Jahre betreten, umso größere Bedeutung messen wir dem bei.

Zuletzt gastierten Sie mit dem Nationalteam gegen Lettland in Salzburg. Spielen die Bundesländer abseits des erwünschten Nationalstadions in Wien in der Planung des ÖFB weiter eine Rolle?

Windtner: Unabhängig vom Nationalstadion sind die Stadien außerhalb Wiens stets ein Thema, dort haben wir großes Fan-Potenzial. Es wird auch Innsbruck immer wieder auf den Länderspielkalender kommen. Das Tivoli (bislang noch keine Länderspiel-Pleite, Anm.) ist eine traditionelle Kampfstätte des Österreichischen Fußball-Bunds.

Wie sieht es denn nun aus mit dem großen Stadion, das statt dem in die Jahre gekommenen Happel-Oval die Länderspiele beheimaten soll? Derzeit kommt von maßgeblichen Teilen der Politik ein Nein.

Windtner: Ländern wie Österreich müsste es ein Anliegen sein, das Thema seriös zu bewerten. 2020 wollen wir zu Konkreterem schreiten, dann steht ja auch die neue Regierung. Derzeit sind wir Wandervögel und für uns wäre es wichtig, eine Heimstätte zu haben.

Die neue Regierung wird in gut zwei Wochen gewählt. Welche Rolle erhoffen Sie sich künftig für den Sport in Österreich?

Windtner: In meiner Funktion als Vizepräsident der Bundes-Sportorganisation erwarte ich mir, dass die Politik die Leistung des Sports und des Fußballs im Speziellen für die Gesellschaft anerkennt. Man muss den Sport im Herzen tragen, nicht nur auf den Lippen. Angefangen von einem eigenen Ministerium gibt es da vieles, was mir einfallen würden. Dass bei der Sportförderung seit zehn Jahren keine Valorisierung stattfand, ist ein Armutszeugnis an sich.

Die Einbürgerung des Premier-League-Stürmers Ashley Barnes, der verwandtschaftlich mit Österreich verbunden ist, scheiterte zuletzt. Können Sie sich einen neuen Anlauf unter einer neuen Regierung vorstellen?

Windtner: Die Causa Ashley Barnes werden wir ad acta legen. Das neu aufzurollen, wäre auch ihm nicht zumutbar.

Das Gespräch führte Florian Madl