Letztes Update am Fr, 11.10.2019 12:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


EM-Quali

ÖFB auf EM-Kurs, aber Teamchef Foda warnt: „Noch nichts erreicht“

Österreich hält im Rennen um die EURO-Tickets alle Trümpfe in der eigenen Hand. Teamchef Franco Foda tritt nach dem mühevollen 3:1 gegen Israel allerdings auf die Euphoriebremse.

Mit seinem Traumtor kurz nach der Pause drehte Martin Hinteregger die Partie zu Gunsten Österreichs.

© APAMit seinem Traumtor kurz nach der Pause drehte Martin Hinteregger die Partie zu Gunsten Österreichs.



Wien — Das österreichische Nationalteam hat Kurs auf die zweite EM-Teilnahme in Folge genommen. Der 3:1-Heimsieg gegen Israel und die gleichzeitige 1:2-Niederlage Sloweniens in Nordmazedonien geben dem ÖFB-Team im Rennen um Platz zwei in Gruppe G alle Trümpfe in die Hand. Zwei Punkte liegen die Österreicher drei Runden vor Schluss vor Slowenien und Nordmazedonien.

„Die Ausgangssituation hat sich schon verbessert. Aber es ist wichtig, dranzubleiben", betonte ÖFB-Teamchef Franco Foda. „Jetzt gilt es, in Slowenien nachzulegen." Bleiben die Österreicher am Sonntag (20.45 Uhr/TT.com-Live-Ticker) in Ljubljana auch im sechsten Spiel in Folge ungeschlagen, ist man der Endrunde 2020 ganz nah.

Personalsorgen vor Slowenien-Match größer

Mit Siegen gegen die direkten Konkurrenten Slowenien und Nordmazedonien könnten die Österreicher die Qualifikation sogar aus eigener Kraft bereits vor der letzten Runde in Lettland fixieren. „Wir müssen auf uns schauen. Jetzt ist Nordmazedonien auch voll im Rennen. Die Gruppe bleibt eng und spannend", meinte Foda. Der Sieg gegen Israel sei wichtig gewesen. „Aber wir haben noch nichts erreicht."

Mit der Leistung - abgesehen von den schwachen ersten 20 Minuten - war Foda angesichts seiner Ausfälle zufrieden. Die Rippenverletzung von David Alaba, der auch für das Gastspiel in Slowenien ausfällt, zwang ihn zu einer weiteren Umstellung. Dazu musste der Deutsche auch während der Partie dreimal verletzungsbedingt wechseln: Bei Konrad Laimer flammten seine Adduktorenbeschwerden erneut auf, Stefan Posch bekam einen Schlag ab und Marko Arnautovic zwickte es im Oberschenkel.

Am Freitag standen mehrere Untersuchungen auf dem Programm. Möglicherweise wird Foda für den Slowenien-Trip sogar noch Akteure nachnominieren, sollte die Personaldecke zu dünn werden. Schon bei der Besprechung vor Israel habe er sein Team darauf hingewiesen: „Man kommt zu einer EM nicht mit elf Spielern, sondern man benötigt immer 23. Alle müssen bereit sein für den Einsatz."

Israelische Pressestimmen zum EM-Quali-Spiel

Israel HaYom: "Das erwartete Ende. Eran Zahavi schoss ein unglaubliches Tor, aber die israelische Abwehr brach (wie erwartet) zusammen. Österreich drehte das Spiel und die Euro-Qualifikation ist für Israel zu Ende. Die Schuld an der Niederlage trifft aber auch Trainer Andi Herzog."
Jedi'ot Acharonot: "Die andere Oper. Der 4:2-Sieg Israels gegen Österreich ist lange her. Andi Herzog wollte den österreichischen Fans etwas beweisen, Eran Zahavi spielte eine starke Partie, aber Österreich war diesmal zu stark für Israel. Trainer Herzog hat mit einigen unsicheren Entscheidungen dem Team auch nicht gerade geholfen."
Haaretz: "Herzog sollte jetzt verstehen: 'It's really not funny'. Israel führt und verliert - dank einer schwachen Abwehr - trotzdem. Und diesmal kann Andi Herzog auch mit sich selbst wütend sein. Eran Zahavi: 'Manchmal habe ich das Gefühl, wir haben Angst davor zu gewinnen.'"

Die Alternativen seien vorhanden. Der eingewechselte Christopher Trimmel etwa habe in seinem ersten ÖFB-Einsatz seit 2010 als Rechtsverteidiger eine gute Figur abgegeben. Dazu hätten auch die Köln-Offensivkräfte Louis Schaub und Florian Kainz unter der Woche sehr gut trainiert. „Es sind alle mit Begeisterung dabei", betonte Foda den Teamgedanken. „Wir haben ein großes Ziel vor Augen, da gilt es alles unterzuordnen. Nur als Team kannst du erfolgreich sein, das zeigt die Mannschaft im Moment."

20 schwache Minuten beunruhigen Foda nicht

Dazu zeigte sie gegen die Israelis vor allem Moral. Nach einer schwachen Anfangsphase in Rückstand, drehten die Österreicher wie bereits im Juni in Nordmazedonien (4:1) die Partie. „Die Mannschaft gibt nie auf. Sie kommt auch nach Rückständen zurück, das zeichnet sie aus", erklärte Foda. Die ersten 20 Minuten hätten ihm nicht gefallen. „Da hat das Spieltempo gefehlt, auch die Tiefe - und der letzte Pass war schlampig gespielt."

Zu groß wollte er die Kritik daran aber nicht werden lassen. „Es ist klar, wenn du auf vielen Positionen etwas verändert musst. Dann fehlt ein bisschen der Rhythmus, dann fehlen vielleicht auch die Automatismen. Das ist normal." Auch Torhüter Cican Stankovic zeigte in seinem dritten Länderspiel einige Unsicherheiten. Foda gab sich davon nicht beunruhigt. „Es gibt solche Situationen im Spiel." (APA)