Letztes Update am Fr, 21.03.2014 11:05

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Europa League

Salzburg feiert Roger Schmidt: Ein Trainer zum Gernhaben

Im heutigen Achtelfinal-Rückspiel der Europa League zwischen Red Bull Salzburg und Basel (21.05, ORF eins) steht nicht zuletzt ein Mann an der Outlinie im Fokus: Mit Roger Schmidt hielt ein neuer Stil Einzug.



Von Florian Madl

Innsbruck, Salzburg – Es sind kleine Gesten, die ein bezeichnendes Licht auf Menschen werfen. Nach der Gala gegen Ajax Amsterdam nahm sich Salzburg-Trainer Roger Schmidt die Zeit, auch jener Ordnerin die Hand zu schütteln, die ihm die Tür zur Pressekonferenz aufhielt. Auch jene vier Pensionisten, die nahezu kein Training der Bullen versäumen, schwärmen von ihrem Roger (sprich NICHT „Rotscher“). Und beim alljährlichen Fan-Grillfest des Vereins nimmt sich der 46-Jährige gerne die Zeit für ein Gespräch mit jenen, die ihm fachlich nicht das Wasser reichen können. Das sind viele, nur lässt er das keinen spüren.

Bei der gestrigen Europa-League-Pressekonferenz in Salzburg befand sich auch mancher deutsche Journalist im Saal, die sind im Moment besonders neugierig. Denn der gelernte Werkzeugmacher Schmidt gilt als Ingenieur des Salzburger Fußball-Wunders, der No-Name wurde zuletzt auf Schalke als potenzieller Nachfolger des schwächelnden Jens Keller gehandelt. „Es wird schwerer, Roger Schmidt zu halten als einen der Spieler“, meinte ein Schmidt-Intimus im TT-Gespräch über dessen Marktwert. Was aus Sicht Schmidts für Salzburg spricht: das familiäre Umfeld – Tochter und Sohn besuchen dort die Schule, auch die Gattin fühlt sich wohl. Deswegen verlängerte der Deutsche (um ein geschätztes Jahressalär von 1 Mio. € brutto) zuletzt bis 2016.

Was gegen Salzburg spricht: die Avancen der deutschen Bundesliga, den Mann mit dem neuen Spielstil zu kapern. Selbst sein Bayern-Kollege Pep Guardiola befand nach dem 0:3 im Testspiel: „Ich habe in meiner Karriere noch nie gegen eine Mannschaft gespielt, die mit so einer hohen Intensität gespielt hat wie Red Bull Salzburg.“ Da schwärmte gar ein Fußball-Experte der New York Times: „Red Bull Salzburg hebt die Kunst des Pressings auf eine neue Stufe.“ Und Roger Schmidt scheint das humorvoll zu nehmen: „Unsere Spiele werden zu Sprintveranstaltungen.“

Dass die Leute rennen, schrei­ben Beobachter vor allem ihm zu: Viele Tore werden mit einer Jubeltraube beim Trainer gefeiert, Stars wie Jonatan Soriano oder Alan fühlen sich unter dem empathischen Schmidt besonders wohl: „Wir sind bei Red Bull Salzburg wie eine Familie, und Roger Schmidt ist unser Vater.“ Keine leere Floskel, vielmehr eine Hommage an den Mann, der es in Salzburg zu Beginn nicht einfach hatte: Sportdirektor Ralf Rangnick holte einen der Jahrgangsbesten der deutschen Trainer­ausbildung. Bei Zweitligist Paderborn hatte sich Schmidt bis dahin verdingt, als Fünfter der Saison 2011/2012 war er Insidern ein Begriff. Der frühere Mittelfeldspieler musste durchs Feuer, aber selbst die Pleiten von Düdelingen (Europacup) und Pasching (Cup) überstand er entgegen Salzburger Gepflogenheiten unbeschadet. Red-Bull-Boss Didi Mateschitz war lange kein Fan des Familienmenschen Schmidt, nun scheint der in der Red-Bull-Familie angekommen wie Stardesigner Adrian Newey (Formel 1).

Das heutige Spiel gegen den FC Basel ist eines, bei dem Roger Schmidt wieder mit Pressing punkten will. Als Einstimmung diente ihm gestern eine Rede vor der Mannschaft: „Die kommt bei mir aus dem Bauch, ich lasse das einfach fließen.“ Und den Journalisten der gestrigen Pressekonferenz versprach er in jedem Fall eines: „Wir werden wieder beste Unterhaltung bieten.“




Kommentieren